Man kennt sie, die alljährlichen Massaker auf unseren Strassen, wenn im Frühjahr die Amphibienzüge zu den Laichgewässern stattfinden. Das ist die gravierendste, aber nicht die einzige Todesfalle für Frösche, Kröten und Co. Eine andere erwartet sie, aber auch Reptilien wie Eidechsen oder Blindschleichen, in Form von Dolenschächten: Die Tiere fallen durch die Öffnungen in den Deckeln hinein und sterben unten elendiglich. Entweder durch Ertrinken oder Verhungern im Wasser oder, falls es darüber einen Tauchbogen gibt, durch Verdursten.

Die Problematik ist bekannt, hier und dort versuchte man sie mit temporär unter den Dolendeckeln ausgelegten Gittern zu entschärfen. An anderen Orten fischten Naturfreunde die hilflosen Tiere mit Netzen oder Suppenkellen aus ihrem Einbahn-Kerker. Doch weil ausser im Winter fast immer irgendwelche Frösche und Kröten am Wandern sind – beispielsweise gegen Herbst die besonders gefährdeten, weil kleineren Jungtiere – suchte man nach dauerhaften Lösungen. Und man wurde fündig.

Ideale Leiter

So etwa in Dornach, wo die Gemeinde in Zusammenarbeit mit dem örtlichen Natur- und Vogelschutzverein vor einem Jahr in 150 Dolenschächten die relativ neue Ausstiegshilfe für Amphibien und Reptilien montierte. Am Dienstag Nachmittag nun instruierte der Dornacher Werkhof-Mitarbeiter Christian Holzherr die Kollegen von mehreren Baselbieter Gemeinden über das System. Initiiert wurde der Anlass von Pro Natura Baselland; ein weiterer für Oberbaselbieter Gemeinden folgt in Sissach.

Und so funktionierts: In die Schächte werden 15 bis 20 Zentimeter breite Böschungsmatten eingelassen. Das sind Kunststoffgeflechte, die dank ihrer porösen Machart den Tieren Halt bieten, sodass sie daran senkrecht nach oben klettern respektive Blindschleichen sich nach oben winden können. Diese Böschungsmatten reichen vom Dolendeckel bis zum Wasserpegel respektive zum Tauchbogen hinunter. Am untern Ende der Matten wird ein Stein als Gewicht fixiert, oben werden sie mit Kabelbindern an den Dolendeckeln festgezurrt.

Ein Problem weniger

Das Ganze bedingt eine gewisse Fingerfertigkeit, wie an der Vorführung in Dornach zu sehen war. Deshalb bot Holzherr seinen Kollegen spontan Hilfe bei der Montage an, falls sie solche benötigten. Zu den Erfahrungen in Dornach sagte er: «Ich kann das nur empfehlen. Früher gab es immer wieder tote Tiere in den Schächten, jetzt nicht mehr.»

Zudem sei das System stabil. So fehlten die Böschungsmatten bei einer Kontrolle nach dem ersten Jahr nur bei vier von 150 Schächten. Allerdings müsse man den Kanalreinigungsdienst informieren, damit dieser bei seiner jährlichen Putzaktion die Matten nicht einfach entsorge. Auch der Preis sollte kein Hinderungsgrund sein: Eine dreissig Meter lange Rolle kostet 179 Franken.

Bethli Stöckli, Leiterin der Amphibiengruppe von Pro Natura Baselland, meinte: «Wir wollen, dass die Lösung mit den Böschungsmatten Kreise zieht, denn sie helfen den Tieren und machen keine Probleme.» Solche hat Stöckli, die mit ihrer Gruppe seit bald 30 Jahren Amphibien im Frühjahr über die Strassen hilft, noch genug mit ihren Schützlingen.