Vor zwei Wochen hat Gilbert Oberson seinen 284. Amber-Sud hergestellt. Es könnte das letzte Bier gewesen sein, das in der Brauerei in Himmelried entstanden ist.

Aus gesundheitlichen Gründen wird sich Oberson zurückziehen. Damit das Chastelbach-Bier erhalten bleibt, sucht er nach Nachfolgern. Gelingt ihm dies bis Ende September nicht, ist es mit dem Gerstensaft aus der Thiersteiner Ortschaft vorbei. Rund 8000 Liter Bier wurden an der Hauptstrasse durchschnittlich pro Jahr produziert. Der Betrieb konnte sich zu einer Grösse in der regionalen Brauerei-Szene entwickeln.

Nun droht dem bekannten Unternehmen das Aus: «In letzter Zeit hat sich bei mir immer stärkeres Rheuma bemerkbar gemacht», erzählt Gilbert Oberson. Sein Arzt habe ihm gesagt, dass er nicht mehr schwer heben dürfe. «Leider ist es so nicht möglich, weiterhin Bier zu brauen.» Eigentlich habe er noch einige Jahre weiter machen wolle, aber es gehe nicht.

Für den 67-Jährigen und seine Frau Silvia, die gemeinsam die Kleinbrauerei Oberson führen, geht damit eine Ära zu Ende. Seit 2006 floss Bier, das mittels Rampenverkauf vertrieben wurde. Ausserdem betrieben die Obersons in Himmelried den Landgasthof Pflug, den sie im Herbst 2017 altershalber aufgaben. Weit über die Thiersteiner Gemeinde hinaus war das Restaurant angesehen für seine herzhaften Speisen und seine Bierspezialitäten.

Das Chastelbach-Bier ist auch im Regio-Keller im Laufner Milchhüsli erhältlich, in dem verschiedene regionale Produkte verkauft werden. Gründer des im Laufental und Thierstein beliebten Kellers ist Gilbert Oberson. Vor neun Jahren rief er zudem den Regio-Brauereitag ins Leben. Der jeweils weit im Voraus ausgebuchte Anlass führt regionale Bierfreunde im Postauto von einer Brauerei zur nächsten. An jeder Station erhalten sie lokale Biere und einen Imbiss.

Die Obersons suchen einen Bier-Enthusiasten

Einen Halt legen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Regio-Brauereitags jeweils in der Brauerei des Initianten ein. Ob dies im kommenden Juli auch so sein wird, steht in den Sternen. «Wir suchen einen oder mehrere Bier-Enthusiasten, die unseren Betrieb in Himmelried weiterführen», sagt Gilbert Oberson. Für ihn sei es wichtig, dass die Brauerei in der 920-Einwohner-Gemeinde im Schwarzbubenland bleibe.

Bei den Nachfolgern müsse es sich um Personen handeln, die nicht davon abhängig seien, ihren Lebensunterhalt mit dem Bier zu verdienen. «Es handelt sich um einen 40-Prozent-Job», rechnet Oberson vor. Im Idealfall erkläre sich jemand bereit, der Teilzeit arbeite und nebenbei brauen möchte. «Ich bin gerne bereit, meine Nachfolger einzuführen und ihnen Schritt für Schritt beizubringen, wie man braut. Er habe selber das Bierbrauen von einem Braumeister aus dem Ruhrgebiet gelernt.

Ende September soll Schluss sein

Das Ehepaar Oberson gibt sich bis Ende September Zeit, um Nachfolger zu finden. «Die Miete für die Brauerei und das Lager geht ins Geld», sagt Gilbert Oberson. Gelinge es nicht, Personen zu finden, die das Geschäft weiterführen, beginne man schweren Herzens mit dem Verkauf des Inventars. Dazu gehörten zwei 500-Liter- und ein 300-Liter-Tank.

Trotz des grossen Netzwerks, das sich Gilbert Oberson in den vergangenen Jahren aufbauen konnte, fehlt von Nachfolgern bislang jede Spur. «Viele Bekannte sind mit ihren eigenen Brauereien beschäftigt», sagt der Himmelrieder. Die Hoffnung, noch jemanden zu finden, der das Chastelbach-Bier in die Zukunft führt, hat er aber noch lange nicht aufgegeben. «Es wäre jammerschade, wenn unsere Brauerei nicht mehr da wäre.»