Gefahr durch Fallholz

Schwer lädierter Hardwald: Wie viel Verbot ist genug des Verbots?

Dass das polizeiliche Betretungsverbot des Hardwalds noch immer gilt, hat verschiedene Ursachen.

Bis auf weiteres gesperrt

Dass das polizeiliche Betretungsverbot des Hardwalds noch immer gilt, hat verschiedene Ursachen.

Anwohner und Betroffene kritisieren die lange Dauer der Hardwaldsperrung für Spaziergänger, Erholungssuchende und Hundebesitzer. Und die Hoffnung auf eine rasche Lösung bleibt ziemlich vage.

Seit den ersten Sperrungen im Mai sind viele Wochen ins Land gegangen. Zahlreiche abgestorbene Bäume sind gefällt worden. Es hat immer wieder ausgiebig geregnet. Trotzdem bleibt dem Publikum der Zugang zu weiten Teilen des Muttenzer Hardwalds verwehrt. Insbesondere der Unmut der «Hündeler» wächst, welche auf das beliebte Naherholungsgebiet schwören. Regula Kurmann Flückiger, Präsidentin der Birsfelder Kulturkommission, ist neben dem Hardwald aufgewachsen und als Anwohnerin zeitlebens mit ihm verbunden. Sie sagt, dass sie sich «ihres Lebensraums beraubt» fühle und die Notwendigkeit des Verbots «immer weniger einsehe».

In eine ähnliche Kerbe schlägt Gilbert Stähli, seit Jahrzehnten Pächter des Hotel-Restaurants Waldhaus: «Ich würde mir wünschen, dass zumindest ein, zwei Hauptwege für Spaziergänger geöffnet werden; etwa von der Endstation des 3er-Trams bis zu unserem Haus.» Seit den ersten Teilsperrungen im Mai und der Totalsperrung am 25. Juli spüre er den Rückgang der zahlenden Kundschaft; «nicht dramatisch, aber doch im Umfang von rund 5 bis 8 Prozent des sonst üblichen Umsatzes».

Haftungsausschluss reicht nicht   

Ein Ende der polizeilichen Absperrung lässt sich dennoch nicht absehen, wie die zuständige FDP-Gemeinderätin Doris Rutishauser am Dienstag erklärt hat. Zwar arbeite der Muttenzer Gemeinderat «mit Hochdruck» an einer Lösung, aber alleine die grosse Anzahl an involvierten Parteien und die komplexen juristischen Haftungsfragen hätten bisher eine rasche Freigabe der gefährlichen Waldwege verhindert. Im vergangenen Monat hiess es seitens der Waldeigentümerin, der Basler Bürgergemeinde, es müsse wegen der grossen Zahl an abgestorbenen Bäumen und der Gefährdung durch Fallholz noch mindestens bis Ende Jahr mit der Sperrung gerechnet werden.

Seit Donnerstag liegt im Landrat ein Postulat von Peter Hartmann auf. Der Muttenzer Grüne fordert vom Baselbieter Regierungsrat eine Abklärung über Massnahmen und allfällige Gesetzesänderungen, welche die Freigabe des Waldes ermöglichen würden - insbesondere auch im Sinne eines Präzedenzentscheids im Hinblick auf künftig zu erwartende Trockenheits- und Schadensperioden.

Hartmann stellt in seinem Vorstoss jene Frage, welche die meisten der ausgeschlossenen Waldbenützer am stärksten umtreibt: Wieso kann der Hardwald nicht von jenen, die das Risiko nicht scheuen, «auf eigene Gefahr» betreten werden? Weil ein solches Warnschild juristisch nicht vor Schadensersatzforderungen schützen würde, sollte tatsächlich ein Spaziergänger auf einem Waldweg zu Schaden kommen, antwortet Ueli Meier. Der Kantonsforstingenieur und Vorsteher des Amts für Wald beider Basel betont, dass sich Waldbesitzer mit einem solch willkürlichen Haftungsausschluss nicht aus ihrer Sorgfaltspflicht zur Aufrechterhaltung der Sicherheit stehlen könnten. «Das würde vor keinem Gericht standhalten», sagt Meier.

Bund und Kanton wichtiger als Erholungssuchende

Aber zumindest einzelne Spazierwege hätte man doch begehbar machen können? Dass dies bisher noch nicht passiert ist, erklärt der Chef der bikantonalen Waldaufsicht mit der unterschiedlichen Prioritätensetzung beim Fällen der rund 6000 abgestorbenen Bäume. Die vorrangige Sicherung der Autobahn, der Kantonsstrasse, der Hafenbahn und der Zufahrten zur Wasserversorgung sei der Räumung der Spazierwege vorgezogen worden. Hier hätten sich der Bund der Kanton mit ihren Ansprüchen gegenüber dem Freizeitpublikum durchgesetzt. «Wie es jetzt weitergeht, müssen die Standortgemeinde Muttenz und Basler Bürgergemeinde als Waldeigentümerin entscheiden», stellt Meier klar.

Für Anwohnerin Regula Kurmann steht ausser Frage, dass die noch unvollendete Räumung auch finanzielle Gründe hat. Hierzu hat sie Ende September der Basler Bürgergemeinde in einem Brief einen ungewöhnlichen Vorschlag unterbreitet. Wie wäre es mit einer «Volksfinanzierung» der Waldsicherung, so wie die Basler Stimmbevölkerung 1967 den unvergessenen Ankauf der Picasso-Bilder absegnete? Eine Antwort hat sie bis heute nicht erhalten.

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