Kommentar

Richtiger, mutiger, aber kein zukunftsträchtiger Alleingang

Die Pressekonferenz vom Sonntag.

Die Pressekonferenz vom Sonntag.

In Sachen Corona-Krisenmanagement hinterliess der Kanton Baselland in den vergangenen sieben Tagen mehrfach den Eindruck, als hinke er den Ereignissen hinterher; nicht zuletzt wegen seiner spärlich-zögerlichen Kommunikation. Gestern nun hat die Regierung einen entschlossenen Schritt nach vorne getan: Die Ausrufung der Notlage als erster Deutschschweizer Kanton ist als klares, mutiges Signal an die Nachbarkantone zu werten, möglichst schnell mit denselben Massnahmenverschärfungen nachzuziehen. Mit grossem Nachdruck betonte der Gesamtregierungsrat, dass im Wettlauf um die Eindämmung der Pandemie jede Minute zähle.

Überzeugend war die Botschaft deshalb, weil die ganze Regierung vor Mikrofone und TV-Kameras trat, um ihre persönliche Betroffenheit zu schildern und direkt an die Vernunft der Bevölkerung appellieren konnte. Ebenso vermochte sie auf kritische Nachfrage umgehend darzulegen, dass eine weitgehende Absprache mit Basel-Stadt zu viel Zeit gekostet hätte, und sie sich darum für den Alleingang entschied. Die Ausrufung der Notlage wird noch für viele weitere Fragen und punktuelle Unklarheiten sorgen. All diese müssen fortlaufend rasch und umfassend beantwortet werden, damit Bevölkerung und Wirtschaft Sicherheit dank Klarheit erhalten.

Nach den vorliegenden wissenschaftlichen Erkenntnissen handelt Baselland richtig. Die rasante Zunahme der Fallzahlen sollte nun auch den letzten Zweiflern und Zynikern klarmachen, wie ernsthaft die Lage ist, und wie wichtig das gewissenhafte Umsetzen der behördlichen Massnahmen ist. In dieser seit dem Zweiten Weltkrieg nie mehr erlebten Notlage braucht es die Solidarität aller: Kranke, Alte und Schwache müssen geschützt, Gesundheitsorganisationen entlastet werden. Beschämende Szenen wie der «WC-Papier-Ansturm» in den Läden am Samstag dürfen sich nicht wiederholen. Die beiden Basel ihrerseits müssen dringend an einer gemeinsamen Krisenorganisation arbeiten. Solcherlei kantonale Alleingänge können, nein, dürfen kein Modell für die Zukunft sein.

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