Zugausfall

Nach Läufelfingerli-Totalausfall am Samstag reagiert der Kanton

Warten aufs Läufelfingerli. Am letzten Samstag mussten Reisende auf den Bus umsteigen. (zvg)

Warten aufs Läufelfingerli. Am letzten Samstag mussten Reisende auf den Bus umsteigen. (zvg)

Der zweite Ausfall der S 9 müsste Konsequenzen haben, fordert SP-Landrätin Sandra Strüby. Auch die zuständige Direktion ist kritisch.

 Das vorübergehende Grounding des Läufelfingerli am vergangenen Samstag bewegt die Menschen im Homburgertal. «Wir müssen uns darauf verlassen können, dass die S 9 auch wirklich fährt», macht die Buckter Landrätin Sandra Strüby ihrem Ärger Luft. Sei das nicht der Fall, würden die Leute nicht auf die Bahn umsteigen sagt Strüby. Die gewonnene Volksabstimmung zu der vom Kanton geplanten definitiven Stilllegung des Läufelfingerli hat sie im Hinterkopf.

Neben der vorübergehenden Betriebseinstellung hätten sich viele über die Informationspolitik der SBB genervt, berichtet Strüby: «Es gab keine Hinweistafeln in den Dörfern. So realisierten viele Reisende erst an den Bahnhöfen, dass keine Züge fahren.» Dazu muss man wissen: Die meisten Bahnhöfe im Homburgertal liegen weit weg von den Dorfkernen.

Konzessions-Entzug ist (noch) kein Thema

Der Ausfall der Züge am Samstag ab 11 Uhr bis Betriebsschluss war am Mittwoch auch Thema im Landrat. Der Kanton habe davon aus den Medien erfahren, sagte Verkehrsdirektor Isaac Reber. Folglich hätte der Kanton nichts dagegen unternehmen können. Zur Bedeutung des Totalausfalls äusserte sich Reber differenziert: «Selbstverständlich ist das eine Situation, die nicht eintreten darf. Noch mehr Sorgen als dieses einzelne Ereignis macht mir aber das Problem, das dahintersteckt: der gravierende Personalengpass bei den SBB.» Reber verwies auf die Möglichkeit des Kantons als Besteller, den SBB bei wiederholten und schwerwiegenden Verletzungen der Pflichten die Konzession zu entziehen. «Nach einmaligem Vorkommen bei der S 9 stellt dies jedoch keine verhältnismässige Massnahme dar, zumal die SBB ein Bahnersatzangebot zur Verfügung gestellt haben», stellte Reber klar.

Aufschlussreich ist folgende Feststellung: Sichern die SBB ihre Erträge im eigenwirtschaftlich organisierten Fernverkehr zulasten des von den Kantonen bestellten Regionalverkehrs ab, so verstossen sie gegen geltende Bestimmungen. Nach dem Läufelfingerli-Grounding wurde die Vermutung geäussert, dass Personal auf die Fernverkehrslinien verschoben wurde. Nachweislich setzten die SBB am vergangenen schönen Herbstwochenende zahlreiche Extrazüge ein.

Rebers Bau- und Umweltschutzdirektion (BUD) hat daher die SBB zu den Hintergründen des Personaleinsatzes am vergangenen Wochenende befragt – und folgende Antwort erhalten: «Die Lokführer-Touren sind in der Regel gemischt. Das heisst: In den allermeisten Fällen fährt ein Lokführer an einem Tag sowohl Züge des Fernverkehrs als auch des Regionalverkehrs. Deshalb kann man nicht sagen, dass ein Lokführer der S 9 dann im Fernverkehr eingesetzt wurde.» Schlussfolgerung des Kantons: «Die SBB haben nicht nachweislich gegen die Vorgaben verstossen», sagt BUD-Sprecher Nico Buschauer auf Nachfrage der bz.

Reisende mussten notgedrungen schwarzfahren

SP-Landrätin Strüby zeigt sich von den Antworten nur halbwegs befriedigt. Ihr Eindruck sei, dass man in der BUD das Problem ernst nehme. Nun müssten die SBB realisieren, dass man nach der vorübergehenden Betriebseinstellung im Baselbiet nicht einfach so zur Tagesordnung übergehe: «Sollte sich das in absehbarer Zeit wiederholen, so muss das Konsequenzen haben», zeigt sich Strüby kämpferisch.

Am Rande der Diskussion machte die Häfelfinger SVP-Landrätin Susanne Strub darauf aufmerksam, dass in den Ersatzbussen keifne Tickets gelöst werden konnten. Die von der Gesellschaft Bus Olten Gösgen Gäu (BOGG) bereitgestellten Fahrzeuge sind weder mit Kassen beim Chauffeur noch mit Automaten ausgestattet. «Wer nicht über ein Abo oder eine Ticket-App verfügt, musste notgedrungen schwarzfahren», sagte Strub. Die Ersatzbusse waren nicht «nur» am Samstag, sondern wegen einer Baustelle auch in den Vortagen im Einsatz.

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