Rassismus-Debatte

Manor wirft Richterich-Mohrenköpfe aus den Regalen und fordert «neutralen Namen»

Die Regale, in denen bis vor Kurzem die Richterich-Mohrenköpfe angeboten wurden, sind leer. Mit dem Entscheid reagiert Manor auf die aktuelle Rassismus-Debatte, die von den USA auch auf Europa herüber geschwappt ist. Bereits zuvor hatte Migros die Dubler-Mohrenköpfe verbannt.

Am Mittwoch gab die Migros bekannt, dass sie die Mohrenköpfe des Anbieters Dubler aus dem Aargau aus dem Sortiment nehme. Zuvor hatte sich eine Frau auf dem Nachrichtendienst Twitter über die Bezeichnung gestört, weil sie klar rassistisch sei.

Jetzt gibt es auch Bewegung in den Regalen von Manor. Eine bz-Leserin berichtet, dass heute Donnerstagvormittag in aller Hast die Mohrenköpfe der Othmar Richterich AG aus Laufen aus einem Manor-Foodmarkt entfernt worden seien.

Bei einem Augenschein dieser Zeitung am Donnerstagvormittag zeigt sich: Das Regal ist in der Tat leer, nur noch die Etiketten erinnern an die Mohrenköpfe. Eine Manor-Angestellte gibt zur Auskunft, das Produkt könne man derzeit leider gerade nicht anbieten, «wegen eines Fehlers bei der Lieferung».

Manor fordert «neutralen Namen»

Die Manor-Medienstelle schreibt: «Aufgrund der aktuellen Diskussion haben wir entschlossen, die Produkte mit sofortiger Wirkung aus den Regalen zu nehmen, stehen aber in Verhandlungen mit unseren Lieferanten, damit man die Produkte umetikettieren beziehungsweise neutral beschriften kann.» Die Produkte seien bei den Schweizer Konsumenten und Konsumentinnen sehr beliebt.

Schon seit Längerem stört man sich in der Manorzentrale am Begriff. Bereits 2017 rief eine Frau auf Facebook dazu auf, das Richterich-Produkt zu boykottieren. Kurz darauf stellte ein anderer User ein Foto eines Standes in einer Manor-Filiale online. Darauf war zu sehen, dass Manor die Mohrenköpfe als Schaumküsse anpreist. Das Foto löste wiederum Aufrufe zum Boykott von Manor aus. Auch beim leeren Regal im Food-Markt in Liestal ist die Etikette mit «Tête au Chocolat» angeschrieben.

Claudia Deiss von der Othmar Richterich AG aus Laufen sagte 2017 zur bz in einem Interview, sie fände die Diskussion gesucht. «Der Name ist nicht so gemeint, wie er bei gewissen Leuten rüberkommt. Wir hatten auch schon schwarze Mitarbeiter. Die haben sich nie am Namen gestört.» Deiss sagte zudem, eher höre man auf, als den Namen zu ändern. 

Richterich AG will keinen Namenswechsel

Auf erneute Anfrage sagt Deiss zur bz, sie wolle sich zum Entscheid von Manor nicht äussern. Im Grundsatz sei alles gleich wie vor drei Jahren. Der Name stamme vom Spitznahmen der Laufner ab, von «Mohren», dem Wort für eine Wildschweinsau. Genau diese Assoziation habe Firmengründer Othmar Richterich Junior bei der Kreation der Süssspeise in den 1950er-Jahren im Sinn gehabt, so werde es in der Region Basel auch verstanden. 

«Unsere Belegschaft ist multikulturell», sagt Deiss. «Wir haben Mitarbeitende aus sieben Ländern. Uns Rassismus vorzuwerfen, ist an den Haaren herbeigezogen.» Sie wolle sich fortan nicht mehr zum Mohrenkopf-Streit äussern. «Es ist mir langsam zu blöd.»

Reaktionen habe sie ebenfalls erhalten seit dem Rauswurf von Dubler aus den Migros-Filialen, sagt Deiss. «Wildfremde Leute schrieben mir und ermutigten uns, uns dem Druck nicht zu beugen. Das bestärkt uns in unserer Haltung.» Negative Reaktionen habe sie hingegen noch keine erhalten.

Volg will zuerst eine Disskussion führen

Gut möglich, dass die Richterich AG nochmals über den Namen geht. Auch Volg vertreibt die Süssspeisen von Dubler und Richterich. Volg teilt der bz mit, man erachte die heutige Produktbezeichnung als «nicht mehr zeitgemäss». Es würden mit beiden Unternehmen Gespräche geführt, man sei bestrebt, eine einvernehmliche Lösung zu finden. 

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