Wandern

Luftgitarre auf der Bergspitze: Die Alpen-Groupies schaffen es hoch hinaus

Georg Grolimund (ganz rechts) mit seinen Alpen-Groupies auf dem Gipfel des Daubenhorns

Ziel erreicht

Georg Grolimund (ganz rechts) mit seinen Alpen-Groupies auf dem Gipfel des Daubenhorns

Georg Grolimund hat vor über 30 Jahren die Alpen-Groupies gegründet. Es ist dem Erschwiler gelungen, die halbe Region für den Bergsport zu begeistern.

Die Fahne der Alpen-Groupies hat schon Tausende Kilometer auf dem Buckel. In den vergangenen Jahren hissten die Mitglieder sie auf dem Kilimanjaro in Tansania und auf dem Chimborazo in Ecuador. Sie fand ihren Weg aber auch immer wieder auf die Mehrtausender in der Schweiz. Auf mittlerweile 240 Touren trug die Wandergruppe das Schwarzbubenland in die weite Welt hinaus.

An jeder einzelnen seit den Anfängen in den 1980er-Jahren hat Georg Grolimund teilgenommen. Der Erschwiler, den alle nur Gago nennen, ist der Kopf der Alpen-Groupies. Ihm ist es gelungen, viele mit seiner Begeisterung für den Bergsport anzustecken. Zahlreiche Menschen wären ohne seine Leidenschaft heute wohl keine Wanderfreunde. 562 Personen haben mit ihm auf den verschiedenen Touren hohe Gipfel erklommen. Nicht nur organisiert er sämtliche Wanderungen, er dokumentiert sie auch feinsäuberlich. Schon zum zweiten Mal veröffentlichte er kürzlich ein Buch, in dem alles über die Wanderungen nachzulesen ist. In jahrelanger Kleinarbeit hat er unzählige Anekdoten, Geschichten und Eskapaden zusammengetragen.

Ehrgeiz und Spass gleichermassen

Und wie das erste Werk versetzt auch das neue die Leserinnen und Leser wieder ins Staunen. 768 A4-Seiten dick ist das zweite Buch aus der Feder von Grolimund geworden. Alleine die Sponsoren, die bei der Realisierung der Publikation mitgeholfen haben, füllen elf Seiten. Im Wälzer wimmelt es von häufig augenzwickernden Texten des 54-Jährigen. Denn bei den Alpen-Groupies – das merkt man schnell, wenn man sich mit ihrem Gründer unterhält – kommt trotz des sportlichen Ehrgeizes der Spass nicht zu kurz. «Ich könnte wahrscheinlich noch höher hinaus, wenn ich nicht rauchen würde», sagt der Schwarzbube. Damit fasst er perfekt die Gratwanderung zusammen, auf die er sich immer wieder gerne einlässt. Freude am anspruchsvollen Bergsteigen zu haben, schliesst für ihn und seine Mitwanderer das eine oder andere Laster nicht aus. Selbstverständlich stossen die Gipfelstürmer jeweils mit Hochprozentigem an, wenn sie das Ziel erreicht haben.

Am Anfang stand die Rockmusik

Ein anderes, eher ungewöhnliches Ritual, das einige Alpen-Groupies praktizieren, wenn sie oben angekommen sind, ist das sogenannte Gipfelmoshen. «Dabei geht es darum, auf einer Bergspitze Luftgitarre zu spielen und aus kleinen Lautsprechern Heavy Metal erklingen zu lassen», erklärt Georg Grolimund. Diese Praktik sei aber vor allem bei deutschen Mitgliedern seiner Gruppierung verbreitet, meint er. Mit ihnen teilt er nicht nur die Leidenschaft für das Wandern, sondern auch für harte Gitarren.

Am Anfang der Alpen-Groupies steht die gemeinsame Liebe für die Rockmusik. «Ich und sechs Freunde unternahmen im Jahr 1986 unsere erste Tour auf das Wildhorn», erinnert sich Grolimund. «Uns verband die Liebe zu den Rolling Stones», sagt er. Nach einigen weiteren gemeinsamen Wanderungen sei der Name Alpen-Groupies entstanden. «Erinnerte auch ein wenig an Rockstars», schreibt er in seinem Buch. «Viele herrliche Reisen, Ausflüge und Touren folgten in den nächsten Jahren. Wir wuchsen, mit der Zeit kamen neue Kollegen und Kolleginnen dazu und das war gut so.» Für Grolimund wurden die Alpen-Groupies zur Lebensaufgabe. Neben seinem Beruf als Rangierlokführer widmete der Vater einer Tochter unzählige Stunden der Planung der Wanderungen.

Will Panther gesehen haben

Kommt noch hinzu, dass Georg Grolimund nicht gerade wenige weitere Hobbys hat. Er ist begeisterter Amateurfotograf und veröffentlicht seine Bilder häufig in der Regionalpresse. Ausserdem spielte er während vieler Jahre Handorgel in einem Musik-Duo mit einem Schulkollegen. Lokale Berühmheit erlangte er im Frühling 2012. «Damals habe ich in Erschwil einen Schwarzen Panther gesehen», ist er sich noch immer sicher. Der Thiersteiner war einer von mehreren Personen, welche die Raubkatze im Kanton Solothurn gesichtet haben wollen. Natürlich findet sich im Buch auch ein Kapitel über diese skurille Episode.

«An der Fasnacht wurde meine Begegnung mit dem Panther dann genüsslich ausgeschlachtet», erzählt Grolimund nicht ohne Stolz. Er scheue die Öffentlichkeit halt nicht und habe deshalb oft den Neid gewisser Personen zu spüren gekriegt, sagt er. «Damit muss ich leben.» Keinesfalls habe er vor, sich zu verändern und auch in Zukunft werde er an unterschiedlicher Front tätig sein. Wichtigstes Projekt des Tausendsassas bleiben seine Alpen-Groupies. An der Vernissage des neues Buches vor zwei Wochen in seinem Wohnort Erschwil durfte er zahlreiche Bücher signieren. Und auch die nächste Tour steht bereits an: Anfang Juli geht es auf den Klettersteig in Kandersteg.

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