«Machst Du Spiegeleier?», fragt ein Mann im Vorbeigehen Robert Husistein, der gerade eine Pfanne aufs offene Feuer gelegt hat. «Machst Du eine Omelette?», fragt ein anderer mit einem breiten Grinsen. Die Laune am Sonntagmorgen ist auf dem Klosterplatz Mariastein trotz Nieselregen bestens.

Doch Robert Husistein bereitet nicht etwa einen Brunch vor, sondern zaubert aus Edelkastanien aus dem Klostergarten feinste Marroni. Eigentlich ist Robert Husistein zum Schmieden hier. Er formt gerade eine Rose für einen Grabstein. An der Esse erhitzt er das Eisen und schlägt es auf dem Amboss mit dem Hammer in die richtige Form. Die Blume nagelt er anschliessend auf ein Messing-Kreuz.

Für den Schmied aus Metzerlen ist dies Alltag, für viele Besucher auf dem Adventsmarkt, die ihm gespannt bei der Arbeit beobachten, längst nicht mehr. Dem Vergessen des Traditionshandwerks will er mit solchen öffentlichen Auftritten entgegenwirken. «Viele, vor allem jüngere, wissen doch bei all den Plastikprodukten gar nicht mehr, was ein Schmied macht.»

Alles, was die kleinen Holzstücke hergeben

Auch am Stand des Lehrbetriebs beider Basel wird fleissig gearbeitet. Lehrling Nils Rüger sägt millimetergenau Holzstücke, mit denen sich danach verschiedenste Figuren formen lassen. Lehrmeister Roger Kessler macht es vor: Sterne, Kreuze oder Kerzen – alles, was der Fantasie entspringt und die kleinen Holzstücke hergeben.

Die verschiedenen Holzarten sorgen für farbliche Abwechslung. Die kleinen Holzstücke bestehen aus Abfallholz, das beim Sägen der grösseren Formen, die Lehrling Diego Sidler am Stand verkauft, anfällt. Die feinen, mit viel Liebe zum Detail hergestellten weihnächtlichen Objekte sorgen für Bewunderung. Die Lehrlinge freuen sich ab den vielen positiven Rückmeldungen. «Es ist schon toll, was man optisch und funktional mit Holz alles machen kann», sagt Diego Sidler stolz.

Auch Erika Soltermann präsentierte ein vom Aussterben bedrohtes Handwerk. Am eigens zusammengebauten Webstuhl aus Holz wob sie Handtücher und Schals. Vier bis fünf Stunden hat sie inklusive Zusatzarbeiten je nach Muster für ein Stück. Doch am Sonntagmorgen musste sie den Webstuhl bereits auseinandernehmen, zusammenpacken und ins Auto verladen. «Unser Zelt ist in der Nacht aufgrund der Schneelast eingestürzt», erzählt sie mit trauriger Stimme. «Alles ist nass. Wir müssen schnellstens nach Hause, um das Material zu trocknen.»

Motive entstehen oft im Gebet

Mehrere Klöster verkauften am Adventsmarkt in Mariastein Handwerksarbeiten ihrer Schwestern und Brüder. Nicht an jedem Stand waren diese selber präsent. Brigitte Remy betreute den Stand des Klosters Notre Dame de la Gloire-Dieu im französischen Boëge, in dem auch ihre Tochter lebt. «Sie möchten das Kloster nicht verlassen. Sie widmen ihr Leben dem Gebet», erklärt sie das Fernbleiben der Schwestern und Brüder.

Im Kunsthandwerk geben sie ihre Gedanken und Botschaften wider. «Man sieht es an den Gesichtsausdrücken und der Haltung der Figuren, dass sie in sich gekehrt sind.» Die Figuren der Schwestern und Brüder sollen nicht nur optisch gefallen, sondern auch eine Botschaft aus dem Kloster vermitteln.

Die Motive wiederholen sich, weil sie oftmals im Gebet entstanden sind, beschreibt Brigitte Remy, die die Botschaften an die Besucher transportiert. Das Priorat Saint Francis de Sales aus Evian verkaufte an seinem Stand geflochtene Körbe aus Ahornholz, das sich im Vergleich zu anderen Hölzern einfach zurechtbiegen lässt, ohne dass es bricht.

Der Weihnachtsmarkt Basel ist für sie keine Option

Bei den Ingenbohler Schwestern aus Basel ist das Angebot vielfältiger. Sirup, Honig, diverse Strickereien und Gehäkeltes, Socken, Babykleider und Bilder. «Fast alles selbstgemacht», versichert Schwester Rebekka. «Diese Papierkunstwerke hat zum Beispiel eine über 90-jährige Schwester gebastelt.» Ihre Produkte verkaufen die Ingenbohler Schwestern ausserhalb ihrer Gemeinschaft nur an ausgewählten Orten. «An den Weihnachtsmarkt in Basel würden wir zum Beispiel nie gehen. Der ist uns zu kommerziell.»

Die Schwestern schätzen die «alternative Atmosphäre» am Adventsmarkt beim Kloster Mariastein. So ging es an diesem Wochenende vielen. «Dieses Familiäre», findet Angela, die seit Jahren ihre Antiquitäten, Kinderkleider, Tischtücher, Haushaltsutensilien und Weihnachtsengel verkauft, «ist hier ganz besonders».

Unter den Standbetreibern hätten sie es sehr gut. «Jeder schaut auf den anderen. Das ist nicht überall so.» Dass sie auch Hundestrickereien verkauft, lockt auch Mania und Sandra jedes Jahr mit ihren Chihuahuas an. «Die Stimmung hier ist anders als an anderen Adventsmärkten. Man spürt, dass man hier an einem speziellen Ort ist.» Es sei ruhiger und friedlicher, meint Mania. «Einfach weniger hektisch und irgendwie auch spirituell.»