Seit einigen Wochen liegt die Jugendriege des Turnvereins Nuglar-St. Pantaleon auf Eis. Das wöchentliche Training der zwölf jungen Sportlerinnen und Sportler fällt aus. Nach der Kündigung der bisherigen Leiterin ist es dem Verein nicht gelungen, eine Nachfolgerin oder einen Nachfolger zu finden.

Der Präsident des Turnvereins der 1500-Einwohner-Gemeinde auf dem Dorneckberg würde die Situation lieber heute als morgen ändern. «Es ist mir ein grosses Anliegen, dass unsere Jugendriege auch künftig trainieren kann», sagt Thomas Buser. Zwar habe es in den vergangenen Jahren bei den Leiterinnen und Leitern in seinem Verein häufig Wechsel gegeben. Dass eine Abteilung aber pausieren musste, daran könne er sich nicht erinnern. Hin und wieder seien auch schon Eltern eingesprungen. Das klappte jedoch trotz Anstrengungen dieses Mal nicht.

Personalnot bei den Verbänden

Zuletzt hat während zwei Jahren eine Lehramt-Studentin die Jugendriege trainiert. «Sie musste uns jedoch verlassen, da sie neben dem Studium nicht mehr genügend Zeit hat», bedauert Buser. Er müsse feststellen, dass in den letzten Jahren die Bereitschaft, sich freiwillig zu engagieren, zurückgegangen sei. «Man nimmt unser Angebot, mitzuturnen, zwar gerne in Anspruch», erklärt er. Eine Mitarbeit, die über das blosse Turnen hinausgehe, sei aber unbeliebter geworden. Dem Vorstand des Turnvereins fehlen momentan ein Kassier und ein Aktuar.

Für Jonas Stampfler, Präsident des Regionalturnverbands Dorneck-Thierstein, sind die Personalprobleme in Nuglar-St. Pantaleon keine Überraschung. «Das ist kein Einzelfall», sagt er. Auch andere Jugendriegen im Schwarzbubenland hätten Mühe, Leiterinnen und Leiter zu rekrutieren. In den meisten Fällen gelinge es jedoch, eine interne Lösung zu finden. «Ab und zu werden die Kinder und Jugendlichen von Eltern oder Ehemaligen trainiert.» Da Thiersteiner Turnvereine über mehrere erfolgreiche Korbballmannschaften verfügen, gebe es bei den Aktiven weniger Austritte als anderswo.

Nichtsdestotrotz müsse auch er feststellen, dass sich die Sportler «heute weniger verpflichten möchten». Die Ausdauer, ein Amt über längere Zeit auszuüben, habe in den vergangenen Jahren abgenommen. Beim Regionalturnverband Dorneck-Thierstein sind derzeit die beiden Ressorts Geräteturnen und Leichtathletik nicht besetzt.

Viele verlassen Verein als Teenager

Der Baselbieter Turnverband hat ähnliche Schwierigkeiten. Der Verband hat aktuell Vakanzen bei den Abteilungen Breitensport und Jugend. Martin Leber, Präsident des Turnverbands, erklärt, dass es durchaus Turnvereine gebe, die Probleme bekunden, Leiterinnen und Leiter zu finden. Von einem weit verbreiteten Phänomen in Turnerkreisen im Kanton Baselland könne jedoch nicht die Rede sein. «Ich darf mit Freude zur Kenntnis nehmen, dass es im Baselbiet viele junge Leute gibt, die Interesse daran haben, sich in einem Turnverein zu engagieren. Wir finden Leiternachwuchs.»

Bei den Leiterkursen seines Verbands würden regelmässig um die 80 Personen teilnehmen. Es sei aber eine gesellschaftliche Entwicklung, dass der Wille, sich über längere Zeit zu verpflichten, schwinde. Viele Turnerinnen und Turner würden den Turnverein im Teenageralter verlassen, um sich auf eine Sportart zu spezialisieren. Oftmals komme es vor, dass diese Sportler dann mit etwa Mitte 30 wieder in einen Turnverein zurückkehren.

Turnverein bezahlt die Ausbildung

Der Turnverein Nuglar-St. Pantaleon lässt sich vom derzeitigen Stillstand nicht unterkriegen. «Wir sind zuversichtlich, bald einen neuen Leiter oder eine neue Leiterin zu finden», sagt Präsident Thomas Buser. Man nutze verschiedene Kanäle, um möglichst viele Menschen erreichen zu können. Voraussetzungen für die potenziellen Trainer seien, Freude mit Kindern zu arbeiten und Turnsport zu unterrichten. Der Turnverein aus dem Schwarzbubenland ist sogar bereit, dem oder der Freiwilligen die Ausbildung zum Jugendriegeleiter zu bezahlen.