Am Montagabend stieg die Bevölkerungszahl des Thiersteiner Dörfchens Zullwil mit einem Schlag um ein Drittel. Aus dem restlichen Schwarzbubenland, von Basel her und über den Passwang kamen rund 300 Menschen in die Gemeinde am Gilgenberg.

In den grosszügigen Räumlichkeiten der Kohler Holzbau AG sassen sie dann alle nebeneinander: Gemeindepräsidenten, Kantonsräte und vor allem viele Unternehmer. Eingeladen nach Zullwil hatte nämlich der Solothurnische Gewerbeverband zu seinem zweiten Gewerbekongress. Dieser befasste sich damit, wie die Digitalisierung die Welt der KMU verändert.

Als Stargast nahm Wirtschaftsminister Johann Schneider-Ammann Platz in der ersten Reihe. In seiner Rede liess es sich der Bundesrat nicht nehmen, neben der Digitalisierung auch seinen baldigen Besuch in den Vereinigten Staaten zu thematisieren.

Kurzer Weg zu Trump

Bei seinem Abstecher nach Washington werde er sich auch mit der neuen Zuständigen für Berufsbildung in den USA treffen, scherzte Johann Schneider-Ammann und schnalzte dabei mit der Zunge. Dem Treffen mit Präsidententochter Ivanka Trump schaue er mit grosser Vorfreude entgegen, denn von ihr sei es schliesslich nur noch ein kurzer Weg zu Papa Donald. Und habe er es dann bis zum mächtigsten Mann der Welt geschafft, werde er versuchen, ihn von der Schweizerischen Offenmarktpolitik zu überzeugen.

In eigener Sache da

Den zweithochkarätigsten Redner hatten sich die Organisatoren bis ganz zum Schluss aufgehoben. Und der eine oder die andere im Publikum dachte sich bei den Worten von Google-Schweiz-Chef Patrick Warnking, man hätte ihn am besten gar nicht mehr ans Mikrofon gelassen. Der Deutsche nutzte seinen Vortrag dazu, Werbung für die Angebote seiner Firma zu machen. Einen Vorschlag, wie sich KMU spielerisch die Digitalisierung zu Nutzen machen können, erhielten die Gewerbler aber umsonst mit auf den Weg: «Veranstalten Sie einen Wettbewerb, bei dem Ihre Mitarbeiter kurze Filme über Ihr Unternehmen drehen.»

Ein grosser Abwesender

Unter den Anwesenden in Zullwil war alles zu finden, was im Schwarzbubenland Rang und Namen hat. Der aus Breitenbach stammende Direktor des Gewerbeverbands Basel-Stadt, Gabriel Barell, schlug am Apéro riche genauso zu wie Nationalrat Christian Imark aus dem Nachbardorf Fehren und der Dornacher Kantonsrat Hans Büttiker. Nur der in Beinwil beheimatete Solothurner Regierungsrat Remo Ankli liess sich das Schaulaufen entgehen. Dabei hätte der Bildungsdirektor dem hohen Besuch aus Bern doch einige Fragen an Ivanka Trump mitgeben können.

Regierungsrätin mit Herz

Ein gutes Wort für ältere Arbeitnehmer legte die Noch-Volkswirtschaftsdirektorin Esther Gassler ein. Hier sei grosses Wissen vorhanden, das man nutzen müsse, redete die abtretende Regierungsrätin den Unternehmern ins Gewissen. Ihre Möchtegern-Nachfolgerin Marianne Meister hörte ihrer Parteikollegin ganz genau zu. Auch wenn es mit dem Einzug in den Regierungsrat nicht geklappt hat, ist es der Präsidentin des Gewerbeverbands erneut gelungen, einen hervorragend organisierten Gewerbekongress auf die Beine zu stellen.

Die KMU und die Uni

Selbst technische Probleme mit dem Beamer hielten Thomas Rohner, Professor für Holzbau, nicht davon ab, den erfrischendsten Vortrag des Abends zu halten. Der Ostschweizer redete schnell, machte Scherze und plädierte dafür, dass KMU unbedingt den Kontakt zu Universitäten und Fachhochschulen suchen sollten.