Baselland

«Helvetia ruft!» fordert ein weiblicheres Basler Parlament – weshalb mehr Frauen einen Unterschied machen

Im Grossen Rat von Basel-Stadt sind 33 von 100 Sitzen von Frauen besetzt. Im Regierungsrat sind es zwei von sieben. (Archivbild)

Im Grossen Rat von Basel-Stadt sind 33 von 100 Sitzen von Frauen besetzt. Im Regierungsrat sind es zwei von sieben. (Archivbild)

Die Kampagne will mehr Frauen in der Politik. Heute macht sie einen virtuellen Halt in Basel-Stadt.

Im Grossen Rat von Basel-Stadt sind 33 von 100 Sitzen von Frauen besetzt. Im Regierungsrat sind es zwei von sieben. Die jüngste SP-Nomination von Tanja Soland, Kaspar Sutter und Beat Jans wird daran wenig ändern. Dieses Ungleichgewicht sei einer Demokratie im 20. Jahrhundert nicht würdig – das sagen die Initiantinnen von «Helvetia ruft!», einer überparteilichen Kampagne von Politikerinnen, die es sich zum Ziel gemacht haben, mehr Frauen in die Politik zu holen.

Sie wird getragen von «alliance F», dem grössten Dachverband von Frauenorganisationen der Schweiz. Erste Erfolge konnte die Bewegung bei den National- und Ständeratswahlen im vergangenen Herbst verzeichnen, als so viele Frauen wie noch nie ins Parlament gewählt wurden und sich der Frauenanteil im Ständerat verdoppelte.

Mehr Frauen im Parlament machen einen Unterschied

Dieser Erfolg soll nun mit einer Tour durch die Schweiz in die Kantone getragen werden. Nach einem ersten Besuch im Aargau letzte Woche macht die Kampagne heute Halt in Basel-Stadt. In beiden Kantonen sind im Herbst Gesamterneuerungswahlen. Jo Vergeat hat als Vertreterin des Grünen Bündnis von «Helvetia ruft!» die Veranstaltung, die nun über Zoom stattfinden wird, mitorganisiert. Als jüngstes Grossratsmitglied ist sie selbst ein Beispiel dafür, wie der Sprung ins Parlament gelingen kann. «Wir wollen alle Frauen einladen, an der Veranstaltung teilzunehmen und sich von anderen inspirieren zu lassen», sagt Vergeat.

Bei vielen Frauen bestehe noch immer eine Hemmschwelle, wenn es um Politik gehe. «Viele denken, sie passen nicht in die Politik», sagt Vergeat. «Dabei hat Politik viele Facetten und ist mehr als das, was in der Arena debattiert wird.» Um potenzielle Politikerinnen zu inspirieren, haben die Organisatorinnen prominente Rednerinnen eingeladen, darunter die Architektin Barbara Buser, die Rektorin der Universität Basel, Andrea Schenker-Wicki, oder die Politikwissenschaftlerin Stefanie Bailer. Diese Frauen sollen laut Vergeat als «Leuchttürme agieren und zeigen, wo wir hinwollen». Das Ziel ist klar: eine ebenbürtige Vertretung von Frauen im Parlament.

Dass es dabei um mehr als eine Gerechtigkeitsfrage geht, will die Professorin für Politikwissenschaften an der Universität Basel Stefanie Bailer in ihrer Rede ausführen. «Frauen machen erwiesenermassen einen Unterschied in der Politik», sagt Bailer. Studien würden etwa zeigen, dass sich ein weiblicheres Parlament positiv auf den Sozialstaat und die Gehaltsunterschiede auswirkt. Und: «Je mehr Frauen kandidieren, desto mehr Frauen gehen wählen.» Bailer geht davon aus, dass man Frauen eher mit Argumenten zur Steigerung des Gemeinwohls als mit machtpolitischen Argumenten motivieren kann. Im Vorfeld der Veranstaltung haben die Organisatorinnen Briefe an die Parteipräsidien und Listenverantwortlichen für die Wahlen im Herbst verschickt. Darin machen sie ihre Erwartungen deutlich: «Wir glauben auch daran, dass Sie es schaffen, den Frauenanteil auf den Listen merklich zu erhöhen.»

Dafür müssten Frauen und Männer nicht nur in gleicher Anzahl kandidieren, sondern auch gleich gute Listenplätze erhalten. Das bestätigt auch Politikwissenschaftlerin Stefanie Bailer, denn: «Sind Frauen erst einmal gut aufgestellt, sind sie bei Wählerinnen und Wählern sehr beliebt.»

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