Maisprach

«Für mich ein komischer Abschied»: Der Präsident, der nie gewählt wurde, tritt ab

Paul Spänhauer ist nur noch wenige Tage Gemeindepräsident.  (Maisprach, 10. Juni 2020)

Paul Spänhauer ist nur noch wenige Tage Gemeindepräsident. (Maisprach, 10. Juni 2020)

Paul Spänhauer führte während zweier Jahrzehnte die Exekutive von Maisprach. Ende Monat tritt er ab.

Als Paul Spänhauer 1995 von Lausen nach Maisprach zog, hatte er noch keinen Gedanken darüber verloren, im idyllischen Weinbaudorf einst im Gemeinderat mitzuwirken, geschweige diesen zu präsidieren. Doch was nicht ist, kann werden. Und es wurde.

Spänhauer lebte sich mit seiner Familie in der Oberbaselbieter Ortschaft rasch ein; bald trat er nach Überredungskünsten bisheriger Mitglieder dem Männerchor bei, beim Dorffest 1999 gehörte er dem Organisationskomitee an. «Dann kannten mich die Leute», erzählt Paul Spänhauer mit sonorer Stimme. Später wurde er von Dorfbewohnern dazu motiviert, für den Gemeinderat zu kandidieren, was er schliesslich tat. Bei der Erneuerungswahl im Jahr 2000 wurde er gewählt. Und als keines der vier anderen Exekutivmitglieder das Gemeindepräsidium übernehmen wollte, bewarb er sich auch dafür.

«Ich fühlte mich hier als Zugezogener akzeptiert»

Wie es die Maispracher Gemeindeordnung vorsieht, wird das Präsidium im Fall einer Einerkandidatur in stiller Wahl bestimmt. Spänhauer wurde kurz nach seiner erstmaligen Wahl in den Gemeinderat auch dessen Präsident. Für die folgenden Amtsperioden musste er sich ebenfalls nie einem Urnengang stellen. Das Amt übt er noch bis Ende dieses Monats aus.

Auch wenn der heute 73-Jährige stets in stiller Wahl als Gemeindepräsident gewählt worden war, spürte er, dass die Mehrheit der Dorfbevölkerung hinter ihm stand. «Maisprach ist ein offenes Dorf. Ich fühlte mich hier als Zugezogener von Beginn weg akzeptiert.» Der Rückhalt, den er und seine Gemeinderatskollegen genossen hätten, sei gross gewesen. Das habe er vor allem an Gemeindeversammlungen bei zahlreichen Geschäften bemerkt, die das Stimmvolk durchgewinkt habe, sagt Spänhauer. Dabei verhehlt er nicht, dass ab und zu vereinzelte Bürger unzufrieden seien und ihren Unmut äusserten. An Versammlungen habe es aber nie «Mais» gegeben, im Dorf herrsche eine friedliche Stimmung.

Eine heikle Phase musste der Maispracher Gemeinderat vor neun Jahren überstehen. Nachdem die Gemeindeversammlung für den Neubau der Mehrzweckhalle einen Baukredit von über fünf Millionen Franken bewilligt hatte, wurde das Referendum ergriffen. Dieses richtete sich nicht gegen das Projekt, sondern gegen die hohen Kosten. «Fünf Millionen sind ein grosser Brocken für eine Gemeinde wie Maisprach», bekennt Paul Spänhauer. Das Referendum wurde abgelehnt – das Geld reichte nicht. Ein Nachtragskredit war nötig: Beim Aushub stellte man fest, dass Erdmaterial mit einstigem Bauabfall belastet war, der teuer entsorgt werden musste. Alte Bausünden.

Der Gemeindepräsident war auch von persönlichen Angriffen nicht gefeit. «Diese konnte ich aber gut wegstecken und damit umgehen.» Bei ganz unfreundlichen Begegnungen habe er auch laut werden können, «sodass man es draussen im ganzen Unterdorf hörte», scherzt er.

Neben der neuen Mehrzweckhalle zählt Spänhauer die bloss in einem Jahr realisierte Kreisschule mit dem benachbarten Buus, die Sanierung des Dorfkerns und die «absolut geniale» 800-Jahr-Feier von Maisprach mit diversen Anlässen verteilt übers ganze Jahr 2007 zu den Höhepunkten seiner zwei Jahrzehnte dauernden Amtszeit im heute 940 Einwohner zählenden Dorf.

Der gelernte Lüftungszeichner, später im Verkauf für Lüftungsgrossanlagen tätig, engagiert sich politisch auch überkommunal. Für den Verband Basellandschaftlicher Gemeinden wirkt er in Arbeitsgruppen mit, und er gehört dem Vorstand des im vergangenen Jahr gegründeten Vereins Region Oberbaselbiet an. Für Paul Spänhauer ist klar: Die Zusammenarbeit unter Gemeinden wird immer wichtiger, weil gewisse Aufgaben stets komplexer werden und einzelne Gemeinden damit überfordert sind.

Der bald Abtretende nimmt «viele positive Erinnerungen» mit aus seiner Tätigkeit als Gemeindepräsident. Gerne denkt er zurück an die zahlreichen Begegnungen mit Leuten – im Dorf und ausserhalb. Gedanken über die vermehrt zur Verfügung stehende Freizeit ab 1.Juli hat er sich noch keine grossen gemacht. Er bedauert, dass er nicht überall Adieu sagen konnte. Wegen der Coronakrise mussten alle Anlässe abgesagt werden. «Für mich ein komischer Abschied.»

Paul Spänhauer wird sich nicht gänzlich aus dem politischen Leben von Maisprach zurückziehen. Er wird auch künftig Gemeindeversammlungen beiwohnen, «aber nicht immer», wie er betont. Den Gemeinderat werde er jedoch arbeiten lassen und ihn nicht belehren.

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