Seit zwei Jahrzehnten steht Koch der 930-Einwohner-Ortschaft als Gemeindepräsidentin vor. Damit ist sie eine der dienstältesten Gemeindevorsitzenden im Raum Basel. In ihrer Amtszeit ist es ihr gelungen, mit Vernunft, einem kühlen Kopf und einem langen Atem Ruhe in die einstige Chaos-Gemeinde zu bringen. Aufgrund ihrer vielen Engagements ist sie im Schwarzbubenland bekannt. Es gibt im Dorneck-Thierstein wohl keine Frau mit mehr Einfluss.

Traf auf verkrustete Strukturen

Dabei genoss sie wenig Kredit, als sie im Dezember 1998 in stiller Wahl zur Gemeindepräsidentin gewählt wurde. Als Auswärtige, die neun Jahre zuvor mit ihrem Mann dessen Grosselternhaus in Erschwil bezogen hatte, spürte sie einige Feindseligkeiten.

Im Bündnerland und in Oberwil in einer politisch nichtaktiven Familie aufgewachsen, trat sie später der CVP bei. Als erste Frau überhaupt und als erste Vertreterin der Christdemokraten an der Spitze von Erschwil nach 70 Jahren musste sie sich zu Beginn einiges anhören. «Mir wehte viel Gegenwind entgegen», erinnert sich Susanne Koch an ihre Anfangsjahre als Präsidentin.

Ihr Vorgänger, der FDP-Mann Camille Jeker, war zurückgetreten, nachdem der Solothurner Regierungsrat seiner Amtsführung ein schlechtes Zeugnis ausgestellt hatte. Die CVP und die FDP im Dorf waren heillos zerstritten. Die Auseinandersetzungen gingen so weit, dass der ehemalige Bundesrat Otto Stich als Mediator vermitteln musste. Erschwil stand schweizweit in den Schlagzeilen.

«Ein grosser Streitpunkt war die nur marginal vorhandene Gemeindeverwaltung», sagt Koch. «Die Gemeindebeamten arbeiteten von zu Hause aus und es gab keine geordnete Akten-Ablage.» Eines ihrer Ziele als neue Dorf-Vorsteherin sei es gewesen, der Gemeinde eine professionelle Verwaltung zu geben. Trotz Widerstand aus dem Gemeinderat ist ihr das auch geglückt.

Gleichzeitig mit ihr begannen eine Gemeindeverwalterin und eine Finanzverwalterin ihre Tätigkeit in der Gemeindeverwaltung. «Ich bin keine Feministin, aber es lag mir am Herzen, Frauen die Möglichkeit zu geben, sich zu verwirklichen», erzählt die Mutter von zwei erwachsenen Kindern. Schaut man sich die heutige Zusammensetzung des Erschwiler Gemeinderats an, scheint ihr dies gelungen zu sein. Die Exekutive besteht aus fünf Frauen und zwei Männern. Und auch auf der Verwaltung sind nur weibliche Mitarbeitende tätig.

Die Kritiker, die Susanne Koch prophezeiten, nicht lange durchzuhalten, irrten sich. Der CVP-Politikerin gelang die viermalige Wiederwahl als Gemeindepräsidentin. Unter ihrer Ägide stabilisierten sich die Gemeindefinanzen und sie konnte viele Projekte verwirklichen. Dazu zählen die Sanierung der Schulhäuser, die Umsetzung des Hochwasserschutzes und die Erstellung eines Naturinventars der Gemeinde.

Er habe Koch als eine konsequente und politisch weitsichtige Person kennen gelernt, sagt André Grolimund, Leiter des Solothurner Amts für Gemeinden, der in den ersten Jahren in engem Kontakt mit der neuen Gemeindepräsidentin stand. «Sie war die richtige Person, um in Erschwil aufzuräumen.»

Während den Gemeindeversammlungen kommt die Persönlichkeit der Präsidentin eindrücklich zum Vorschein. Sie argumentiert ruhig, ist dossierfest und hört aufmerksam zu. Trotz ihrer Unscheinbarkeit kann sie ihre Vorhaben meist durchbringen.

Sitzt seit 2009 im Kantonsrat

Als Susanne Koch ihr Amt als Gemeindepräsidentin antrat, arbeitete sie in einem Teilzeitpensum als Informatikberaterin. «Mit zwei kleinen Kindern und der neuen Herausforderung in Erschwil entschied ich mich damals, meinen Beruf an den Nagel zu hängen.» Seither geht die ausgebildete Betriebsökonomin keiner eigentlichen Erwerbstätigkeit mehr nach. «Das ist ein Luxus, den ich mir leisten kann», gibt sie zu. Das Gehalt ihres Mannes und ihre Amtseinkünfte reichen aus.

Die neugewonnene Zeit nutzte sie dazu, sich in unterschiedlichen Institutionen zu engagieren. Seit 2009 ist Koch eine von 13 Vertreterinnen und Vertretern des Schwarzbubenlands im Solothurner Kantonsrat. Dort präsidiert sie bis 2021 die Finanzkommission. Vor vier Jahren kandidierte sie für den Nationalrat, hatte gegen den Amtierenden Stefan Müller-Altermatt aber keine Chance. «Ich will auch bei den nächsten Nationalratswahlen im Herbst wieder antreten», sagt sie. Im Bundeshaus möchte sie sich vor allem mit dem Themen Gesundheit und Energie beschäftigen. Die Nomination in der Amtei wird Ende Februar, diejenige der kantonalen CVP Ende März stattfinden.

Für die Anliegen ihrer Wohnregion setzt sich Koch als Vorstandspräsidentin der Kreisschule Thierstein West und als Finanzverantwortliche der Gemeinnützigen Gesellschaft Schwarzbubenland ein. Bis Ende 2018 war sie in gleicher Funktion im Verein Forum Schwarzbubenland tätig.

Dessen einstige Geschäftsführerin Gelgia Herzog arbeitete jahrelang mit Susanne Koch zusammen. Die vielen Engagements ihrer Freundin erklärt sie sich durch «ihr gutes Herz und ihre Liebe zum Dorneck-Thierstein». Ihr sei aufgefallen, dass es der Erschwilerin schwerfalle, Nein zu sagen. Mehrfach seien die verschiedenen Hüte kritisiert worden. «Ihr gelang es aber gut, die Angriffe zu kontern.»

In den meisten Gremien ist Koch für die Finanzen verantwortlich. Ihr Flair für Zahlen rühre daher, «weil Zahlen eine Faktenwelt abbilden und deren Interpretation spannend ist». Dabei handle es sich um den besten Weg, um einem Sachverhalt auf die Spur zu kommen. Sie aber als trockenen Zahlenmenschen abzustempeln, wäre falsch. Zu ihren Leidenschaften gehören auch die Arbeit im Garten, das Nähen und das Lesen. Derzeit liegt ein Roman des deutschen Autors Hanns-Josef Ortheil auf dem Nachttisch.

Im Jahr 2021 kommt es in Erschwil zu Erneuerungswahlen des Gemeinderats. Ob Susanne Koch noch einmal antreten wird, weiss sie nicht. Aber selbst wenn sie dereinst nicht mehr Gemeindepräsidentin sein sollte, wird es ihr bestimmt nicht langweilig.