Was sich die ehemalige Kassierin erlaubt haben soll, entspricht nicht gerade den christlichen Grundsätzen. Sie steht im Verdacht, aus den Kassen der römisch-katholischen Kirchgemeinde Grellingen und der CVP Baselland, für die sie beide die Finanzen verantwortete, insgesamt rund 400'000 Franken für sich selbst abgezwackt haben. An den Anschuldigungen, die im vergangenen Dezember geäussert wurden, scheint etwas dran zu sein: Die Baselbieter Staatsanwaltschaft erhebt Anklage gegen die Frau. Für sie gilt die Unschuldsvermutung.

Veruntreuung und Urkundenfälschung

Die Taten, die der Laufentalerin zur Last gelegt werden, sind happig. «Die Staatsanwaltschaft Basel-Landschaft geht davon aus, dass die mutmassliche Täterin in den Jahren 2017 und 2018 jeweils Beträge von Konti der Kirchgemeinde und der CVP Basel-Landschaft auf ihr Privatkonto überwies, um diese für private Zwecke zu verwenden», schreibt die Staatsanwaltschaft in einer Mitteilung. Um die unrechtmässigen Überweisungen zu vertuschen, habe sie mutmasslich Protokolle, Rechnungen, einen Postcheckkontoauszug sowie die Buchhaltung einer Geschädigten gefälscht. Damit habe die Frau mutmasslich mehrere Urkundenfälschungen begangen.

Gegen die einstige Finanzverantwortliche wurde Anklage wegen Veruntreuung und Urkundenfälschung erhoben. Wann die Hauptverhandlung stattfinden wird, ist noch nicht bekannt. «Wir gehen davon aus, dass es erst im nächsten Jahr zur Verhandlung kommen wird», erklärt Thomas Lyssy, Sprecher der Baselbieter Staatsanwaltschaft, auf Anfrage. Bei der Anklage gegen die frühere Kassierin handle es sich um einen nicht alltäglichen Fall.

Den grösseren Schaden hat die Kirchgemeinde

Von den rund 400'000 Franken, die aus den beiden Kassen verschwunden sind, entfällt der grösste Teil auf die römisch-katholische Kirchgemeinde Grellingen. «Der Grellinger Kirchgemeinde wurden rund 300'000 Franken entwendet», sagt Dominik Prétôt, Informationsbeauftragter der römisch-katholischen Landeskirche Baselland. Um die Liquidität der Kirchgemeinde in der Laufentaler Ortschaft zu gewährleisten, hat die Landeskirche einen Überbrückungskredit von 400'000 Franken gewährt. Sprecher Prétôt zeigt sich erleichtert darüber, dass die Baselbieter Staatsanwaltschaft nun Anklage gegen die frühere Kassierin erhoben hat.

Nachdem die Verantwortlichen der römisch-katholischen Kirchgemeinde Grellingen Anfang Dezember auf die finanziellen Unregelmässigkeiten aufmerksam machten, untersuchten auch die Baselbieter Christdemokraten ihre Buchhaltung. Wenige Wochen später teilten sie mit, dass auch der CVP Baselland rund 90'000 Franken abhandengekommen sind.

Sie prüft noch immer die Grellinger Finanzen

Pikant ist, dass die ehemalige Finanzverantwortliche trotz der mutmasslichen Verfehlungen noch immer der Geschäfts- und Rechnungsprüfungskommission der Gemeinde Grellingen angehört. «In der Kommission hat sie nicht den Auftrag, Geld hin und her zu schieben, sondern die Finanzen von Grellingen zu kontrollieren», sagt der Grellinger Gemeindepräsident Alex Hein. Da die Staatsanwaltschaft aber Anklage erhoben hat, «wird der Gemeinderat die Situation neu beurteilen. Im Moment gilt für den Gemeinderat immer noch die Unschuldsvermutung.»

Vor einem Jahr hat die frühere Kassierin in Liesberg mit einer Kollegin den Saloon Little Nashville übernommen. Auf der Homepage des Lokals ist Stand gestern nur ihre Kollegin als Gastgeberin aufgeführt.