Es ist eine der drängendsten politischen Fragen im Baselbiet: Wie kann das angeschlagene Kantonsspital Baselland (KSBL) nach der gescheiterten Spitalfusion mit Basel-Stadt erfolgreich in die Zukunft geführt werden? Die KSBL-Verantwortlichen haben Anfang Juli ihre Antwort gegeben: Sie möchten Liestal als Spital mit umfassender Grundversorgung beibehalten, auf dem Bruderholz eine spezialisierte Klinik einrichten und in Laufen das stationäre Spital schliessen. Abschliessend entscheiden wird der Kanton als Eigentümer. Der Regierungsrat wird sich im Herbst äussern, wie er sich die Zukunft des KSBL vorstellt.

Viele Baselbieter Patienten im Spital Dornach

Mitten in den Verhandlungen lanciert CVP-Landrat Simon Oberbeck eine neue Idee: Das KSBL soll eine Kooperation mit dem Spital Dornach prüfen. Den Vorstoss wird Oberbeck an der Landratssitzung vom 29. August einreichen. Dornach ist einer von drei Akutspital-Standorten der Solothurner Spitäler AG und verfügt über ein breites medizinisches Angebot mit 80 stationären Betten und 24-Stunden-Notfall.

2018 wurden in den Solothurner Spitälern 2698 Patienten aus dem Baselbiet behandelt; eine deutliche Mehrheit in Dornach. Details zu den Standorten veröffentlicht das Spital nicht. Für viele Birstaler fungiert Dornach als erste medizinische Anlaufstelle. Das kleine, feine Spital befindet sich im Gegensatz zu den KSBL-Standorten auf Erfolgskurs, die Fallzahlen steigen.

Eine Kooperation des KSBL mit Dornach liege auf der Hand, sagt Oberbeck, der seit kurzem in der landrätlichen Volkswirtschafts- und Gesundheitskommission sitzt. Dennoch ist die Idee öffentlich bisher kaum diskutiert worden. Laut Oberbeck brächte eine Kooperation zwischen dem KSBL und Dornach eine Win-win-Situation: Der Kanton Baselland könnte teure Standorte aufgeben, das KSBL Eigenkapital äufnen. Die Solothurner Spitäler bekämen Investitionssicherheit für die 2016 angekündigte, aber wegen Finanzengpässen auf Eis gelegte Erweiterung des Spitals Dornach. Die Kooperations-Idee steht nicht im Widerspruch zu der vom KSBL favorisierten Strategie. Im Gegenteil: «Bei einer Schliessung bestehender Standorte – Laufen und/oder Bruderholz – könnte das Spital Dornach eine tragende Rolle in der Gesundheitsversorgung des Laufentals und Unterbaselbiets spielen.»

Investitionsgelder sparen für späteren Neubau

Selbst bei der von der Ärztegesellschaft favorisierten Variante mit einem Neubau in Salina Raurica unter Aufgabe der bisherigen drei KSBL-Standorte wäre eine Kooperation mit Dornach sinnvoll, ist Oberbeck überzeugt. Kommt noch hinzu: Dank einer Kooperation könnte das KSBL jene Investitionsmittel einsparen, die längerfristig helfen könnten, einen Spitalneubau – in Pratteln oder anderswo – zu finanzieren.

Der Vorstoss ist nicht aus der Luft gegriffen. Zwar gibt man sich beim KSBL zugeknöpft: «Sie werden verstehen, dass wir im Strategieprozess zu allfälligen Gesprächen mit potenziellen Partnern keine Stellung nehmen», sagt Sprecherin Anita Kuoni. Sie betont aber auch, dass der KSBL-Verwaltungsrat von der Regierung explizit angehalten worden sei, Kooperationen zu prüfen. Ausweichend zu konkreten Gesprächen äussert sich auch die Solothurner Spitäler AG.

Olivier Kungler, Generalsekretär der Volkswirtschafts- und Gesundheitsdirektion (VGD), bestätigt: «Zwischen dem KSBL und diversen Spitälern der Region haben Gespräche stattgefunden.» Die VGD begrüsse das. «Eine zentrale Vorgabe des Kantons an das KSBL besteht darin, dass die künftige Strategie auch bei einem Alleingang funktioniert und nicht existenziell von einer Kooperation mit Dritten abhängt», fügt Kungler an.

Bisher keine Gespräche mit der privaten Birshof-Klinik

Das KSBL steht also mit mehreren Spitälern in Gesprächen. Auch mit der privaten Birshof Klinik Hirslanden in Münchenstein, die fürs KSBL eine ähnliche Rolle spielen könnte wie Dornach? Direktorin Beatriz Greuter verneint: «Mit dem KSBL haben bisher keine Gespräche stattgefunden.» Die Hirslanden Klinik Birshof sei an Kooperationen interessiert, auch mit öffentlich-rechtlichen Anbietern. Es gebe in der Schweiz mehrere erfolgreiche Beispiele. «Wir gehen aber nicht von uns aus aufs KSBL zu», sagt Greuter.