Seewen

Dorf will Abwasserchaos in Griff kriegen

In der Gemeinde Seewen herrscht ein Abwasser-Chaos.

In der Gemeinde Seewen herrscht ein Abwasser-Chaos.

In Seewen sind viele Liegenschaften nicht an die Kanalisation angeschlossen. Die Aufarbeitung bereitet der Gemeinde einige Mühe.

Die Abwassersituation in Seewen ist unhaltbar. Bei dutzenden Liegenschaften in der Schwarzbuben-Gemeinde ist nicht klar, ob und wie sie an die Kanalisation angeschlossen sind. Der Gemeinderat will nun das Chaos aufarbeiten. Die Stimmbürger machten der Exekutive jedoch einen Strich durch die Rechnung. An der letzten Gemeindeversammlung wiesen sie ein Entwässerungskonzept knapp zurück.

Dabei ist die Situation in der Schwarzbuben-Gemeinde, wie sich nun zeigt, viel dramatischer als bisher angenommen. «Bei rund 120 Liegenschaften sind wir nicht scharf», räumt Gemeindepräsident Simon Esslinger (SP) ein. Im Mai 2019 deckte die bz die Missstände in Seewen auf. Damals war allerdings «nur» von 30 Gebäuden die Rede. Seit langer Zeit ist bekannt, dass in der Gemeinde viele Behausungen existieren, bei denen die Behörden nichts oder wenig über die Abwassersituation wissen.

Für den Kanton ist Zahl der Gebäude «ungewöhnlich»

Die Verantwortlichen des Kantons sind im Bild über die Lage im 1000-Seelen-Dorf. «Dass im Gemeindezentrum so viele Liegenschaften nicht an die öffentliche Kanalisation angeschlossen sind, ist sehr ungewöhnlich», schreibt Philipp Staufer, Abteilungsleiter Wasser beim Solothurner Amt für Umwelt. Der Kanton begleite die Gemeinde bei den Anstrengungen rund ums Abwasser seit Jahren und stehe in Kontakt mit den Behörden in Seewen. Eine Beurteilung der Arbeit im Schwarzbubenland möchte Staufer aber nicht abgegeben. Man beteilige sich nicht an Spekulationen und greife auch nicht in die Gemeindeautonomie ein.

Verantwortlich für die unübersichtliche Lage im Dorf ist vor allem die kommunale Baukommission. Die Meinungen, ob die Gründe dafür bei Überforderung oder Vetternwirtschaft zu suchen sind, gehen in der Gemeinde weit auseinander. Gemeindepräsident Esslinger will niemandem einen Vorwurf machen. «Wir müssen nach vorne schauen», sagt er.

Bei den betroffenen Liegenschaften handle es sich um Ferienhäuschen und um Gebäude, die sich ausserhalb der Bauzone befinden. «Aber auch bei vielen Einfamilienhäusern ist nicht klar, wie sie an die Kanalisation angeschlossen sind.» Bei den Einfamilienhäusern liege dies an unklaren Sammelleitungen. Andernorts laufe das Abwasser in eine Sickergrube.

Konzept soll sich auf die Betroffenen beschränken

Die Situation ist alles andere als ein Ruhmesblatt für die Gemeinde. Diese hat nun vor, die Misere aufzuarbeiten. Doch weshalb gibt es in der Ortschaft Widerstand gegen das Vorhaben? Der Antrag, die Vorlage zurückzuweisen, stammte von Einwohner Francis Cardinaux. Auf Anfrage erklärt er: «Grundsätzlich begrüsse ich es, dass sich der Gemeinderat der Sache angenommen hat. Das Ganze ist aber falsch aufgegleist.» Es brauche jetzt nicht ein aufwendiges Gesamt-Entwässerungskonzept, sondern zielgerichtete Einzelmassnahmen.

Der Gemeinderat wisse, bei welchen Liegenschaften unklar ist, wie sie angeschlossen sind. «Es geht darum, die Eigentümer dieser Gebäude so rasch wie möglich zu verpflichten, ihre Häuser anzuschliessen und Gebühren zu bezahlen.» Mit der Stelle des Bauverwalters seien dafür die Voraussetzungen geschaffen worden.

Als Massnahme zur Professionalisierung hat Seewen einen Bauverwalter eingestellt. «Der Gemeinderat wird der Gemeindeversammlung ein überarbeitetes, besser dokumentiertes Entwässerungskonzept vorlegen», betont Esslinger und er fügt an: «Weil ich überzeugt bin, dass wir den nötigen Rückhalt haben, bringen wir das Konzept nochmals.»

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