Auf den ersten Blick wirkt es wie ein hundskommuner Golfplatz. Auf der auf 5 Zentimeter Höhe gehaltenen Swingolf-Wiese nördlich der Herrenmatt sind am späten Vormittag drei Gruppen unterwegs. Über dem Gelände, das wie ein Landschaftsgarten wirkt, kreist majestätisch ein Milan. Der Blick schweift über das Birseck, hinaus zum Flughafen, zu den verschleierten Vogesen, zum Schwarzwald. Wer hier ein Haus bauen dürfte, wäre ein König. Herr über dieses wunderbare Fleckchen Erde ist aber Hansruedi Vögtli, der vor kurzem 80 Jahre alt geworden ist. Da die Kniegelenke nicht mehr so richtig wollen, fährt er heute mit seinem Auto die Swingolf-Anlage ab. Sohn René, der sich um das Organisatorische kümmert, muss an diesem Tag aus gesundheitlichen Gründen kürzertreten.

Englisches Flugzeug stürzt ab

Seit 1957 lebt Hansruedi Vögtli mit seiner Familie auf der Herrenmatt. Der Weiler liegt in einer Senke im äussersten Westen der Gemeinde Hochwald, wo das waldige Gelände steil nach Duggingen abfällt. Nur dreihundert Meter von hier stürzte am 10. April 1973 ein englisches Propellerflugzeug ab, wobei 108 Menschen ihr Leben verloren. Die Tragödie ist bis heute das schwerste Flugunglück in der Schweiz geblieben. Wenn Vögtli von jenem Tag spricht, wird das Grauen spürbar, das die Helfer beim ersten Betreten des Unglücksorts überfallen haben muss. «Ein schönes Erlebnis gab es für mich trotz allem», erzählt er, «als nämlich ein 12-jähriges Bübchen, das zwischen zwei Toten lag, plötzlich die Augen aufschlug und sich als unverletzt erwies.»

Noch im selben Jahr entschlossen sich Vögtlis, ein Restaurant zu eröffnen. Sie bauten ihre Wohnung zur Gaststube um und ein Jahr später fielen die Eröffnung und der 50. Geburtstag von Hansruedi Vögtli beinahe zusammen. Nachdem es für die Bauern mit Milchwirtschaft neue Vorschriften gab und die Standplatzbreite für die Kühe im Betrieb nicht mehr konform war, musste nach einer Lösung für die Nutzung des Landes gesucht werden. Hansruedi Vögtli las Anfang des Jahrtausends in einer Bauernzeitung etwas über Swingolf und besuchte gleich die Anlage im jurassischen La Caquerelle.

«Vierzehn Tage später spielte die ganze Familie dort und wir entschlossen uns, mit dem Patenthalter in Lausanne Kontakt aufzunehmen.» Von der Eingabe für einen
9-Loch-Swingolf-Parcours bis zur Eröffnung verstrichen dann aber nochmals zwei Jahre. Aus der Landwirtschaftszone wurde eine Freizeitzone. Heute blickt die Anlage auf 11 Betriebsjahre zurück.

Geheimtipp für Outdoor-Fans

Wenn Hansruedi Vögtli über sein ereignisreiches Leben, den Tag des Flugzeugabsturzes und seine Erfahrungen mit dem Swingolf erzählt, wirkt der Schwarzbube mit seinem schelmischen Humor trotz seines fortgeschrittenen Alters wie ein Fels in der Brandung. «Swingolf ist ein Sport, der vor allem für Gruppen geeignet ist: Familien, Schulen, Vereine, Firmen und Gesellschaften», erklärt er, «wir können etwa mit sieben Monaten Betrieb im Jahr rechnen, aber das Ganze ist sehr wetterabhängig.»

An guten Tagen besuchen bis zu 100 Leute die Anlage, manchmal sind es aber auch nur fünf bis zehn. «Während der Woche dürften es noch etwas mehr sein.». Er und sein Sohn geben sich Mühe, das Gelände attraktiv zu gestalten. Neben einem Materialwagen, wo Schläger und Bälle gelagert sind, gibt es einen gedeckten Sitzplatz mit gekühlten Getränken und einen Grillplatz für Schulen. «Natürlich verlieren sich immer wieder Bälle im Wald», sagt Vögtli, «aber zum Glück haben wir eine Dame, deren Schäferhund jede Woche einmal die Bälle zusammensucht. Einmal waren es 45 Stück.»