Sterbehilfe

Bewilligung erteilt: Sterbevilla in Hofstetten-Flüh nimmt eine wichtige Hürde

Im Februar stellte Erika Preisig der Bevölkerung von Hofstetten-Flüh ihr Projekt vor.

Im Februar stellte Erika Preisig der Bevölkerung von Hofstetten-Flüh ihr Projekt vor.

Die Gemeinde Hofstetten-Flüh gibt grünes Licht für die Sterbevilla von Erika Preisig. Kritiker ziehen derweil die Einsprache weiter.

Die Chancen, dass Erika Preisig in Hofstetten-Flüh künftig Menschen in den Tod begleiten darf, stehen gut. Die Bau- und Planungskommission der Gemeinde im Solothurnischen Leimental hat dem Projekt die Bewilligung erteilt. Die Sterbehelferin plant, mit ihrer Stiftung Eternal Spirit in einer Villa im Ortsteil Flüh ein Bed & Breakfast mit Sterbezimmer einzurichten. In trockenen Tüchern ist das Projekt jedoch noch nicht. Einige Kritiker ziehen ihre Einsprachen weiter an den Kanton Solothurn.

In Wohnzone hätte es keine Bewilligung gegeben

Einfach hat es sich die Bau- und Planungskommission von Hofstetten-Flüh bei der Bewilligung des Projektes nicht gemacht. «Wir haben uns intensiv mit dem Vorhaben beschäftigt und nicht leichtfertig entschieden», betont Kommissionspräsident Benjamin Haberthür. Bei einem derart sensiblen Thema sei es umso wichtiger, sich Zeit zu nehmen und sich sachlich damit auseinanderzusetzen.

Acht Einsprachen gegen das Sterbezimmer seien eingegangen. «Einige betrafen die Zonenkonformität, in anderen wurden ethische Bedenken geäussert.» Sieben Einsprachen habe man abgelehnt, diejenige der Gemeinde gutgeheissen, was zu einer Modifizierung des Projektes führte. Haberthür stellt klar: «Wenn das Projekt in einer Wohnzone geplant gewesen wäre, hätten wir es nicht genehmigt.» Da sich die Villa aber in einem Industriegebiet befindet, wurde die Nutzung als Bed & Breakfast und Sterbezimmer bewilligt. «Die Störung für die Bevölkerung wird gering sein. So können die Polizistinnen und Polizisten, welche den Tod der Verstorbenen feststellen müssen, in die Garage fahren.»

Zahlreiche Einsprachen und viel Emotionen

Das Sterbezimmer in Hofstetten-Flüh ist im Dorf umstritten. Das zeigt sich an den zahlreichen Einsprachen, kam aber auch an einer emotionalen Infoveranstaltung im Februar zum Vorschein. Damals äusserten sich viele kritisch zu den Plänen von Erika Preisig. Mehrere Personen, die nicht weit von der Villa entfernt leben, sprachen sich deutlich gegen die Umnutzung der Liegenschaft aus.

Nach dem Entscheid der Bau- und Planungskommission ist es möglich, die Einsprache weiterzuziehen. «Ich sowie zwei weitere Parteien haben dies getan», sagt Eveline Heim, die rund 100 Meter von der geplanten Sterbevilla entfernt wohnt. Zum Inhalt ihrer Einsprache will sie sich nicht äussern. Die Instanz, die nun über die Einsprachen befindet, ist das Bau- und Justizdepartement des Kantons Solothurn. Es besteht die Möglichkeit, die Einsprache bis ans Bundesgericht zu ziehen.

Sterbehelferin glaubt an die Realisierung des Projektes

So weit möchte Initiantin Erika Preisig noch nicht denken. «Wir nehmen es so, wie es kommt», sagt die Sterbehelferin. Die Bewilligung der Bau- und Planungskommission habe man mit Freude zur Kenntnis genommen. «Für uns war wichtig, das Gespräch mit der Gemeinde sowie der Firma Recticel Bedding AG zu suchen, die beide eine Einsprache gemacht haben.» Es sei gelungen, sich zu einigen.
Auch wenn ein langes Hin und Her droht, zeigt sich Preisig optimistisch: «Ich denke, dass wir das Projekt realisieren können. Aber wir werden viel Schnauf brauchen.»

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