Strafgericht

Berufschauffeur ärgert sich über Radar und hinterlegt eine 47 Meter lange Pneu-Abriebspur

. «Entschuldigung, aber der ist doch nicht ganz sauber im Kopf, bei einer Verkehrskontrolle eine Waffe zu ziehen. Ich bin kein Drogenhändler und kein Mafioso», ärgerte sich der 57-Jährige Angeklagte.

. «Entschuldigung, aber der ist doch nicht ganz sauber im Kopf, bei einer Verkehrskontrolle eine Waffe zu ziehen. Ich bin kein Drogenhändler und kein Mafioso», ärgerte sich der 57-Jährige Angeklagte.

Nach dem Blitz sorgte er selbst für den Donner: Autofahrer legte sich bei Radaranlage in Liesberg mit der Polizei an.

Es war früher Nachmittag im August 2017, als es bei Liesberg blitzte: Ausserorts in Fahrtrichtung Laufen wurde der heute 57-jährige Mann mit seinem Ford Mustang mit 96 Stundenkilometern (km/h) gemessen, nach Abzug der Toleranz sind das netto 91 und damit 11 km/h zu viel. Mit einer Ordnungsbusse von 160 Franken wäre die Geschichte erledigt gewesen.

Doch danach wendete der Mann sein Fahrzeug, hielt beim Blitzer an und hinterliess beim Beschleunigen eine 47,5 Meter lange schwarze Pneu-Abriebspur. Der Gerichtspräsident Daniel Schmid sagte dazu am Montag im Strafgericht in Muttenz, er habe beim Lesen der Anklage zuerst gedacht, dass der Staatsanwaltschaft ein Kommafehler unterlaufen sei. Der 57-Jährige bestätigte im Gerichtssaal, dass er damals umgekehrt sei, um zu sehen, ob er wirklich von einer Blitzanlage erwischt worden war. Einen «Schwarzen» habe er aber nicht bewusst hinterlassen wollen: Beim Anhalten habe er sicherheitshalber den Warnblinker eingeschaltet, der Schalter für die Traktionskontrolle befinde sich direkt daneben.

«Raubritter-Methoden»: Autofahrer kritisiert Polizei

Erst beim Anfahren habe er bemerkt, dass er diese wohl unabsichtlich ausgeschaltet habe. «Ich war selber überrascht, dass die Räder durchdrehen», meinte er. «Aber die 47 Meter lange Spur ist von Ihnen?», fragte Gerichtspräsident Daniel Schmid. «Ja, die sieht man heute noch», bestätigte der Angeklagte. Er ist Berufschauffeur, auf einen Ausweisentzug verzichtete die Polizei damals. Er gab zu, dass er zuvor zu schnell unterwegs gewesen war. «Dieser Blitzer dort dient nicht der Verkehrssicherheit», betonte er und sprach von «Raubritter-Methoden». Der Gerichtspräsident erwiderte, es stünden an jener Strecke bereits einige Kreuze am Waldrand.

Nach dem pneuabreibenden Start wendete der Autofahrer erneut, diesmal stieg er aus und machte warnende Handbewegungen. Ein Polizist in Zivil zeigte seinen Ausweis und wollte jenen des Autofahrers sehen, doch der stieg in seinen Mustang. Als er wegfahren wollte, stoppte ihn der Polizist mit gezogener Dienstwaffe. «Entschuldigung, aber der ist doch nicht ganz sauber im Kopf, bei einer Verkehrskontrolle eine Waffe zu ziehen. Ich bin kein Drogenhändler und kein Mafioso», ärgerte sich der 57-Jährige. Den Polizeiausweis habe er ohne Lesebrille nicht entziffern können, er sei davon ausgegangen, dass da ein falscher Polizist aufgetaucht sei.

Polizist spioniert Facebook-Gruppe aus

Dazu kamen Beiträge in der Facebook-Gruppe «Aktuelle Verkehrslage Region Basel», die heute unter diesem Namen nicht mehr existiert. 2017 zählte sie 11000 Mitglieder. Der Mann warnte vor «bewaffneter Trachtengruppe am Tunnelausgang» oder «roten Lichterscheinungen». «Ich hab mit keinem einzigen Wort ‹Radar› erwähnt», verteidigte er sich. «Die Beiträge sind fantasievoll», räumte Schmid ein. An der Strafbarkeit ändere das aber nichts.

Für Diskussionen sorgte, dass sich ein Polizist mit richtigem Namen in die Facebook-Gruppe einladen liess, um die Warnungen zu dokumentieren. «Er hat sich mit Werbefotos von schnellen Autos eingeschleimt», meinte der Angeklagte. Dann habe er als Denunziant die Gruppe ausspioniert. Das sei aufgrund des Polizeigesetzes zulässig, befand das Gericht. Schmid verurteilte den Mann wegen mehrfacher Verkehrsregelverletzungen, Hinderung einer Amtshandlung sowie öffentlichen Warnens vor einer Radarkontrolle und verhängte eine bedingte Geldstrafe von acht Tagessätzen zu 110 Franken. Dazu kommt eine Busse von 900 und Verfahrenskosten von 2000 Franken. Der Fall wird wohl weitergezogen und bald das Kantonsgericht beschäftigen.

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