Thomas Meier beobachtete am vergangenen Donnerstag in Dornach die zehn Demonstranten um den Architekten John C. Ermel aus sicherer Entfernung. Inhaltlich geht er mit ihnen einig: «Bauverwalter Martin Zweifel misst mit unterschiedlichen Ellen. Er behandelt nicht alle gleich.» Meier war als Vertreter von Gerd-Mari Savin vor Ort, die von «den Machenschaften», wie es Meier formuliert, von Zweifel ebenso betroffen ist. Vor Savins Haus an der Luzernerstrasse 14 ist ein Gebäude geplant, das laut Meier vom Bauvolumen her grösser ist, als dies die Parzelle zonenrechtlich hergebe.

Zweifel habe beide Augen zugedrückt, kritisiert Meier. Er kenne den Bauverwalter aus den Zeiten, als er die Bauadministration beim Goetheanum leitete. «Es gab sehr viele schlechte Zustände und Unkorrektheiten unter ihm.» Er habe auch dann nicht eingegriffen, als man ihn auf die Missstände aufmerksam machte.

Harscher Umgangston

Der bz liegen weitere Beanstandungen gegenüber der Dornacher Bauverwaltung vor. Im Zentrum steht Martin Zweifels Umgangston. Unter anderem von einem Handwerker aus dem Birseck, der aus Angst vor finanziellen Einbussen anonym bleiben möchte. Er wirft Zweifel «Unehrlichkeit und eklige Methoden» vor. Ein Dornacher Immobilienverwalter meint, Zweifel habe sich öfter nicht im Griff.

Davon berichtet auch Mario Peter. Er wollte bei seiner Wohnung in Dornach die Fenster austauschen. Eine einfache Anfrage bei Zweifel sei am Telefon ausgeartet. «Er schrie mich an. Er sagte beim zweiten Telefonat, ich nehme ihn zu viel in Anspruch.» Zweifel habe sich später entschuldigt: Er sei gestresst gewesen.

Ähnlich vehement sei Zweifel gegen einen Dornacher Unternehmer vorgegangen, als es um eine Gartengestaltung ging. Dieser beschreibt Zweifels Auftreten als «regelmässig unhöflich, unangebracht und womöglich rechtswidrig». Kürzlich sei Zweifel an einem Samstagnachmittag unangemeldet auf seiner Baustelle aufgetaucht, habe das unvollendete Bauvorhaben ausgemessen und dieses mit «markigen Worten» unter Androhung von Abbruch beanstandet. «Bereits bis zum Erhalt der Baugenehmigung verkam das kleine Baugesuch zu einem kosten- und äusserst zeitintensiven Spiessrutenlauf, inklusive Verzögerungsschaden.»

«Sehr engagierter» Bauverwalter

Für Behördenmitglieder sind solche Anschuldigungen schwierig zu entgegnen. Sie sind oft an Amtsgeheimnisse gebunden. Bei laufenden Verfahren dürfen sie nichts sagen. Gemeindepräsident Christian Schlatter und Bauverwalter Zweifel sehen sich immer wieder Kritik ausgesetzt, wie Schlatter verrät. «Die beiden Rollen sind sehr exponiert. Kritik und der Umgang damit gehören quasi zum Stellenbeschrieb.»

Nicht einverstanden ist Schlatter mit den «Kampagnen», die gegen Zweifel gefahren würden. «Er ist für Gewisse halt schuld an allem, was anders läuft als geplant.» Der Bauverwalter habe einen «extrem undankbaren Job», weil er Gesetze und Vorschriften umzusetzen hat. «Jeder, der sich nicht daran halten will, ist automatisch schlecht auf den Bauverwalter zu sprechen.» Schlatter beschreibt Zweifels Auftreten als «sehr engagiert». Er sei jeweils voll bei der Sache.

Rückendeckung erhält Zweifel von Urs Kilcher, Präsident der Bau-/Werk- und Planungskommission der Gemeinde. Im Fall des anthroposophischen Architekten John C. Ermel sei nicht der Bauverwalter schuld am Baustopp, sondern Ermel. «Er hat nicht das gebaut, was er eingegeben hat. Das ist Tatsache, und nur deswegen wurde von der Bauverwaltung her ein Baustopp verfügt.» Ein Entscheid der Baukommission, wie sie Ermel fordert, sei gar nicht möglich, solange das Verfahren in Solothurn hängig ist, stellt Kilcher klar.