Enrico Marini

Batman trifft auf Waggis: Dieser Comiczeichner aus dem Baselbiet zeichnet den Superhelden

Eine kleine Sensation: Enrico Marini entwirft für DC Comics zwei Batman-Bände. Der erste ist jetzt auf Deutsch erschienen. Zu den Bösewichten gehört auch ein Basler Waggis.

Einem Waggis kann man dieser Tage überall begegnen: auf der Strasse, im Keller, im Glas. An einem Ort aber hätte man ihn nicht erwartet: in Gotham City, Heimatstadt von Batman. Diese Stadt wird noch immer vom kriminellen Joker terrorisiert. Ein skrupelloser Typ, der zu allem bereit ist und niemanden verschont, auch nicht seine eigene Gang. Unter diesen bösen Clownmaskenträgern kommt uns einer überraschend bekannt vor: der Waggis.

Nanu, wie ist ein Basler Waggis in einen Batman-Comic hineingerutscht? Durch seinen Zeichner, Enrico Marini. Dieser ist italienischer Abstammung, aber im Baselbiet aufgewachsen. Marini ist die Ehre zuteilgeworden, einen Batman-Band zu zeichnen, der soeben auch auf Deutsch erschienen ist: «Der dunkle Prinz». Damit nicht genug: Seit Wochen arbeitet Marini unter Hochdruck am zweiten Band, der noch in diesem Frühling erscheinen soll.

Marini erreicht Millionen Leser

Wie es zur kleinen Sensation gekommen ist, dass sich ein Comiczeichner aus der Schweiz Batman annehmen darf, einem der bekanntesten Comichelden überhaupt, schildert der 48-Jährige in einem Interview so: «Eigentlich war es ein Gag.» Bei einem Abendessen mit seinem Verleger habe er erfahren, dass Dargaud-Lombard auch die Bücher von DC Comics herausbringe. Sprich: Sein Verleger brachte Batman, Superman und Co. in die Buchregale der französischsprachigen Regionen. Marini zündete ihn an: «Du bist doch der Boss. Lass mich mal ran.» Was halb im Scherz gemeint war, wurde ernst, als die Batman-Zentrale in den USA davon erfuhr und Interesse signalisierte.

Das kam nicht von ungefähr: Marini hatte sich in der Comic-Welt längst einen Namen und seinen Traum zum Beruf gemacht.

Schon als Teenager, mit vierzehn Jahren, nahm er an Zeichnungswettbewerben teil. Und noch ehe er in Basel seine Ausbildung zum Grafiker abschloss, veröffentlichte er 1990 seinen ersten Comic: «Les dossiers d’Olivier Varèse», wofür er Abenteuer eines Genfer Journalisten auf Papier brachte. Aus einem Band wurde eine erste Serie. Und diese wiederum markierte den Start einer Karriere, die in der Schweiz ihresgleichen sucht.

Marinis Name steht mittlerweile auf 35 Comicbüchern, die insgesamt eine Millionenauflage erreichen. Manche Geschichten, wie etwa jene von «Der Skorpion», hat Marini nicht nur illustriert, sondern auch als Ideengeber begleitet. Während er aber lange Zeit mit Szenaristen zusammenarbeitete, so nahm er für die Reihe «Die Adler Roms» (ab 2007) alle Fäden selbst in die Hand. «Das ist zwar mehr Arbeit, aber auch ein bisschen wie Gott spielen», sagt er über die Möglichkeit, nicht nur Bilder, sondern auch Handlung und Texte zu steuern.

Batman schlägt man nichts ab

Marini hatte gerade mit dem fünften Band von «Die Adler Roms» begonnen, als Batman an seine Tür klopfte und zu ihm sagte: «Enrico, ich möchte, dass Du eine Geschichte über mich schreibst», wie er im Vorwort scherzt. «Man schlägt Batman nichts ab, vor allem nicht, wenn er direkt vor einem steht. Und da ich sowieso geplant hatte, als Nächstes eine Kriminalgeschichte zu schreiben, war ich schon in der richtigen Stimmung.»

So kam es, dass Marini nicht einfach nur an einem Batman-Abenteuer mitzeichnete, wie das andere Europäer vor ihm schon durften, sondern von DC Comics den Auftrag erhielt, sich eine eigene Geschichte auszudenken und den «Crime Noir», wie er ihn nennt, zu illustrieren.

Dass Marini seine eigene Handschrift hineinbringen wollte, war durchaus gefragt. In Batmans Zentrale wollte man nicht noch einen Zeichner im klassischen DC-Stil, sondern etwas ganz Neues ausprobieren, im grossen Format, wie Marini verrät. Seine Bildsprache erinnert an einen Film. Und sie wurde wie die Geschichte selber ohne Änderungen bewilligt – inklusive Waggis in einer Nebenrolle.

Marini brauchte an der Umsetzung einer Seite im Schnitt zwei Tage. Zuerst kam Bleistift und Tusche, danach die Farben, alles auf Papier. An digitaler Technik habe er kein Interesse, er setzt auf traditionelles Handwerk.

Auch wenn er das Rampenlicht scheut und seine Werke in den Vordergrund rückt: Für sein Publikum wird er im Frühjahr greifbar, wenn der zweite Batman-Band abgegeben ist. Für die Fantasy Basel hat er nicht nur das diesjährige Plakat gestaltet. Er wird an der Messe, die vom 10. bis 12. Mai stattfindet, eine Werkschau seines Schaffens präsentieren und Comics signieren.

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