Birsfelden

Baselland nimmt 3er die Vorfahrt: Tram soll Spur mit Autos teilen

In Basel ist geplant, dem Tram an diversen Stellen die exklusive Spur streitig zu machen. Genau das hat nun auch das Baselbieter Tiefbauamt in Birsfelden vor. Die BVB sind gar nicht erfreut.

Grün und luftig kommt sie auf den Visualisierungen daher, die neu gestaltete Birsfelder Ortsdurchfahrt. Wenn es um die neue Situation fürs Tram geht, ist es bei der öV-Lobby aber rasch vorbei mit dem Lob für das Umbauprojekt. Stephan Appenzeller, Präsident der Interessengemeinschaft öffentlicher Verkehr (IGöV) Nordwestschweiz, sagt auf Anfrage: «Es wird leichtfertig in Kauf genommen, dass es auf der wichtigen Tramlinie 3 regelmässig zu schweren Verspätungen kommt. Dabei wäre das mit relativ einfachen Massnahmen zu beheben.»

Hauptkritikpunkt der IGöV ist das Mischtrassee. Geht es nach den Plänen des Baselbieter Tiefbauamts, muss das Tram nach dem Umbau seine Fahrbahnen mit Autos und Lastwagen teilen, zumindest auf dem Abschnitt der Hauptstrasse zwischen Zentrum bis zur Grenze zu Basel bei der Birsbrücke. Kommt es auf diesen 300 Metern zu Staus, kann das Tram heute die Blechkarawane langsam überholen. Künftig wäre das nicht mehr möglich, das Tram bliebe stecken.

Neugestaltung für 40 Millionen Franken

Das Umgestaltungsprojekt steht bei der Landratssitzung übermorgen Donnerstag auf der Traktandenliste. Das Kantonsparlament hat über den Projektierungskredit von 3,2 Millionen Franken für die Erneuerung und Umgestaltung von Haupt- und Rheinfelderstrasse zu entscheiden. Insgesamt würde die Neugestaltung 40 Millionen Franken kosten. Der Baustart ist für 2024 vorgesehen.

Auch in Basel-Stadt müssen Trams, aber auch Busse wohl immer häufiger ihre exklusiven Spuren abgeben. Die bz machte vergangenen Dienstag Geheimpläne des Basler Bau- und Verkehrsdepartements (BVD) publik, wonach bei 15 Umbauprojekten das Eigentrassee des öffentlichen Verkehrs zurückgebaut werden könnte. Das wäre etwa bei der Markthalle, beim Theater oder beim Spalenring der Fall. Teilweise würden Inselhaltestellen durch Kaphaltestellen ersetzt: Bei diesem Typ müssen die Autos hinter einem haltenden Tram warten.

BVB verlangte eigene Spur «im Überlastungsfall»

In Birsfelden sind ebenfalls Kaphaltestellen vorgesehen. Die Stationen «Bären», «Schulstrasse» und «Salinenstrasse» würden entsprechend umgebaut. Darum geht man beim Kanton Baselland davon aus, dass es trotz Mischtrassee im Vergleich zum Ist-Zustand nicht zu bedeutend grösseren Verspätungen kommt. In der Landratsvorlage heisst es, die Verlustzeiten würden auf dem Abschnitt Schulstrasse–Zentrum in Richtung Stadt zwar zunehmen. Weil jedoch die Fahrgäste wegen der neu ebenerdigen Niveaus bei den Stationen rascher ein- und aussteigen könnten, werde die Reisezeit unter dem Strich gleichbleiben – «oder sogar leicht kürzer».

Anderer Meinung ist man bei den Basler Verkehrs-Betrieben (BVB). Neben dem Zentrumsabschnitt würde das Tram auch zwischen Zentrum und Endstation Birsfelden-Hard das Eigentrassee verlieren. Nur in der Rheinfelderstrasse hätte es weiterhin freie Fahrt, aber auch da nur einseitig in Richtung Stadt. Bei der Vernehmlassung machten die BVB auf die drohenden Verspätungen aufmerksam. Das Tram solle wenigstens im Überlastungsfall eine eigene Spur erhalten. In der Landratsvorlage heisst es, diese Möglichkeit sei geprüft worden – offensichtlich ohne Ergebnis.

Tiefbauamt: Velostreifen hätte sonst keinen Platz

Das Baselbieter Tiefbauamt schreibt in der Vorlage, «eigentrassierte Lösungen» würden zu viel Platz verbrauchen und etwa die neu vorgesehenen Velostreifen verdrängen. Stephan Appenzeller sieht den folgenden Vorschlag als Kompromiss: Stadtauswärts könne auf das heutige Tram-Eigentrassee verzichtet werden – stadteinwärts sei es hingegen zwingend nötig. «Es braucht aber nicht noch, wie geplant, zusätzliche Parkplätze. Würden die weggelassen, wäre genügend Platz vorhanden.»
In Basel-Stadt sind wegen der vorgesehenen Mischtrassees Vorstösse im Grossen Rat hängig. Auch im Landrat dürfte es zu kritischen Voten kommen.

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