Dealer

Baselbieter Polizei behält Gelterkinder Drogen-Schule im Auge

Schulleiterin Barbara Zwygart auf dem Pausenhof der Sekundarschule Hofmatt in Gelterkinden.

Schulleiterin Barbara Zwygart auf dem Pausenhof der Sekundarschule Hofmatt in Gelterkinden.

Der Sekundarschule Gelterkinden steht ein spezieller erster Schultag an, seit bekannt geworden ist, dass auf dem Pausenhof der Schule 12-jährige mit Drogen dealen. Als eine Massnahme verstärkt die Schulleitung nun unter anderem die Pausenaufsicht.

Sie gehe nächsten Montag nach den Sommerferien «zuversichtlich» in die Schule, sagt Barbara Zwygart, die Leiterin der Sekundarschule Gelterkinden. «Ich habe die Zuversicht in dieser schwierigen Situation immer behalten.» Damit spricht sie die Zustände an, die seit letzter Woche von verschiedenen Medien bekanntgemacht worden sind: Jugendliche handeln an der Schule mit Drogen (die bz berichtete). Übermorgen Freitag ist Eröffnungskonvent, an welchem die ganze Geschichte besprochen wird. Zum Schulbeginn schauen die Lehrerinnen und Lehrer mit den Klassen erneut die Schulordnung genau an. «Unser Motto ist: Hinschauen statt wegschauen», betont Zwygart.

Verstärkte Pausenaufsicht

Die Lage mit dem Dealen und Konsumieren von Drogen unter Schülern hat sich laut der Schulleiterin schon vor den Sommerferien deutlich beruhigt. «Wir haben intern nochmals das ganze Disziplinarwesen überprüft und die Pausenaufsicht mit Lehrpersonen verstärkt.» Zu Beginn der Ferien wurde die Situation an der Sekundarschule Gelterkinden mit Fachstellen und der Gemeinde reflektiert.

«Wir arbeiten sehr eng mit dem Jugenddienst der Baselbieter Polizei zusammen, der die ganze Prävention im Suchtbereich abdeckt», erklärt Barbara Zwygart. Diese will sich auch bald darüber informieren, wie sich die Situation im Dorf und in der Umgebung des Bahnhofs präsentiert. Auch sei die Schulleitung regelmässig mit Eltern betroffener Schüler in Kontakt. «Wir haben viele offene Gespräche geführt und zuverlässig diskutiert, um die nächsten Schritte mit Einbezug der Fachstellen zu besprechen.»

Von den Schülern, die zu diesem Drogen-Netzwerk gehören, ist die Schulleiterin nicht enttäuscht. «Aber es macht mich sehr betroffen, dass sie ihr Potenzial nicht mehr nutzen können.» Zwygart gibt zu bedenken, dass die Jugendlichen in zahlreichen Sachen gefordert seien und ihnen die digitale Welt viel ermögliche, was die Gruppendynamik stark unterstütze.

Der Jugenddienst der Baselbieter Polizei führe dieses Jahr in allen ersten Sekundarschulklassen des Kantons einen Präventionskurs zum Thema Sucht durch, erklärt Kurt Frei, Leiter des Jugenddienstes. Die Ausarbeitung der Kurse geschehe in enger Zusammenarbeit mit der Baselbieter Jugendanwaltschaft. Der Kurs sei aber nicht eine Reaktion auf den Fall Gelterkinden, sondern bereits zuvor so geplant gewesen. Möglicherweise werde man nun den Fokus noch stärker auf Drogenmissbrauch legen.

Strafverfolgung und Prävention

Die Baselbieter Polizei stehe in engem Kontakt mit der Schulleitung in Gelterkinden, betont auch Adrian Gaugler, Mediensprecher der Polizei. Dies, um die Entwicklung in den ersten Wochen des neuen Schuljahres zu beobachten. «Die erhöhte Sensibilität aller beteiligten Behörden bleibt aufrecht», schreibt er.

Die Polizei führe in Gelterkinden regelmässig Personenkontrollen durch. Vor allem um den Bahnhof, bei der alten Turnhalle im Gebiet Bützenen und beim betroffenen Schulhaus Hofmatt. Ob es auch während der Ferienzeit zu Personenkontrollen gekommen sei, möchte er aus «ermittlungstaktischen Gründen» nicht sagen. Ähnliche Aktionen seien im gleichen Ausmass auch an anderen Schulstandorten durchgeführt worden.

«Die Problematik von steigendem Konsum und zunehmender Kleindealerei unter Jugendlichen ist nicht nur in Gelterkinden feststellbar, sondern kantons- wenn nicht sogar schweizweit», so Gaugler. Im Baselbiet würden sich die zunehmenden Betäubungsmittelverzeigungen der letzten Jahre auf die Statistik niederschlagen. Bei dieser Thematik handle es sich um eine wellenförmige Kurve, die mit den Jahren mal ansteige und dann wieder abfalle.

Zu den Konsequenzen, mit denen straffällige Schülerinnen und Schüler zu rechnen hätten, schreibt Adrian Gaugler: «Polizei und Jugendanwaltschaft unterscheiden strikte zwischen reinen Konsumenten, wo die Reaktion der Strafverfolgungsbehörden primär auf präventive Arbeit zu legen ist, und Kleindealern beziehungsweise Verkäufern, die auch repressiv abgeschreckt werden.»

Die Beobachtung zunehmenden Drogenkonsums bei Jugendlichen bestätigt auch Corina Matzinger, Leitende Jugendanwältin Baselland. Die Präventionskurse für betroffene Jugendliche seien bis vor kurzem durch Elternabende begleitet worden. «Diese Option mussten wir aus Kapazitätsgründen einstellen, weil die Fälle von jugendlichem Drogenkonsum derart zugenommen haben.»

Auf der Jugendanwaltschaft unterscheide man strikt zwischen Jugendlichen ab
15 Jahren und Kindern. Drogendeal-Fälle von Kindern seien bisher nicht bekannt. «Jedenfalls ist es bei uns noch nie zu so einer Anzeige gekommen», sagt Matzinger. «Die Jugendanwaltschaft setzt vor allem auf Prävention und prüft die Suchtgefährdung bei Jugendlichen in den Kursen und bei Kindern primär in Gesprächen mit Eltern und Sozialarbeitern.»

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