Institution

Auf Erfolgskurs – denn das bikantonale Gymi Laufen ist schweizweit einzigartig

Die erste Klasse im Jahr 1969. An der Wand steht der damalige Rektor Eugen von Arb. zvg

Die erste Klasse im Jahr 1969. An der Wand steht der damalige Rektor Eugen von Arb. zvg

Vor 50 Jahren wurde das Gymnasium Laufen gegründet. Die Institution ist mit ihrer Ausrichtung in der Schweiz einzigartig.

Der in Breitenbach aufgewachsene Olivier Borer moderiert Sportsendungen im Schweizer Fernsehen. Vor der Kamera macht er eine gute Figur und führt souverän durch die Show.

Für seinen Job in Leutschenbach hat Borer einst in der Region die Weichen gestellt. Wie tausende andere Schülerinnen und Schüler besuchte er das Regionale Gymnasium Laufental-Thierstein. «Noch heute profitiere ich von dem, was ich in Laufen gelernt habe: selbstständiges Arbeiten, die Freude an der Sprache, an Fremdsprachen, und mit offenen Augen und mit wachem Geist durch die Welt zu gehen», erinnert er sich. Der Schwarzbube ging jahrelang ans Gymi und machte vor zwei Jahrzehnten dort die Matur.

Das Zitat des prominenten Abgängers ist neben vielen anderen in einem Jubiläumsband zu finden, der vor wenigen Tagen erschienen ist. Die an der Schule tätigen Lehrer Linard Candreia, Peter Hellinger und Martin Meury haben sich intensiv mit der Geschichte der Einrichtung auseinandergesetzt. In diesem Jahr feiert das Gymnasium sein 50-jähriges Bestehen. Die Bildungsinstitution geniesst im Raum Basel ein hohes Ansehen. Bevor das Gymi zu seinem guten Ruf kam, galt es jedoch viele Hürden zu überwinden.

Zuerst war man in Breitenbach

In den Jahren vor der Gründung des Gymnasiums erlebte die Wirtschaft einen Aufschwung. Für die Jugendlichen in der Region Laufental-Thierstein waren die Bildungsmöglichkeiten aber bescheiden. Schüler, die eine Mittelschule besuchen wollten, konnten an ein innerschweizerisches Kollegium oder an ein Basler Gymnasium gehen. Für die Mehrheit im vorwiegend ländlichen Raum blieb der Weg zu einer akademischen Laufbahn verwehrt. Die Regionale Raumplanungsgruppe Laufental-Thierstein nahm sich deshalb dem Thema an. Am Ende der langen Verhandlungen stand ein Staatsvertrag zwischen den beiden Kantonen Bern und Solothurn.

Vorerst noch in einem Provisorium in Breitenbach untergebracht, nahm die Schule mit 25 Schülerinnen und Schülern am 28. April 1969 ihren Betrieb auf. Als erster Rektor, der die Entwicklung der Institution in den kommenden Jahrzehnten stark prägte, wurde Eugen von Arb angestellt. Der Schulleiter, der bisher an der Kantonsschule in Solothurn tätig gewesen war, wechselte auf die andere Seite des Passwangs. Zwei Jahre nach der Gründung zogen die Jugendlichen vom Thiersteiner Hauptort in einen Erweiterungsbau der Sekundarschule in Laufen.

Zu Beginn noch als reines Progymnasium konzipiert, stellte sich bald die Frage nach den Anschlussmöglichkeiten. Die beiden Kantone entschlossen sich, die Einrichtung zu einer Maturitätsschule auszubauen. Dafür waren die vorhandenen Räumlichkeiten aber viel zu klein, weswegen am Steinackerweg im Jahr 1979 ein roter Neubau errichtet wurde. In diesem Gebäude ist das Gymnasium noch heute untergebracht.

Schüler aus rund 25 Gemeinden

Die folgenden Jahre waren geprägt von einer konstanten Zunahme der Schülerzahl. René Moser, zweiter Rektor des Gymnasiums, schreibt in der Publikation über die Herausforderungen, welche die bikantonale Schule mit sich brachte: «Der komplizierten politischen Geografie entsprechend stammten die Schülerinnen und Schüler aus rund 25 verschiedenen Gemeinden und hatten zum Teil enorme Schulwege mit diversen Verkehrsmitteln, auf deren Fahrpläne zu achten war.» Die grossen Distanzen zu den beiden Bildungsdirektionen in Bern und Solothurn hätten zu einer gewissen Abgeschlossenheit der Schule geführt.

Der Kantonswechsel des Laufentals brachte für das Gymnasium wiederum einige Veränderungen. Ein Knackpunkt war dabei die Ferienregelung. Hatten bisher die Verantwortlichen der Schule die Ferienpläne selbstständig festgelegt, musste sich das Laufental nun an den einheitlichen Ferienplan beider Basel halten. Um die Klassenzahlen im Gymnasium anzupassen, wurden einzelne Schüler von Laufen nach Münchenstein und umgekehrt verschoben.

Der Laufentalvertrag, der die Modalitäten der Integration des Tals in den Kanton Baselland regelte, hatte eine Gültigkeit von zehn Jahren. Anschliessend ging es darum, festzulegen, ob die Schule weiterhin die progymnasiale und gymnasiale Stufe unter einem Dach vereinen oder der im Kanton Baselland gültigen Schulstruktur angepasst werden soll. «Leider versuchten Exponenten aus Politik und den Sekundarschulen Laufen und Zwingen diesen Moment zu nutzen, um das Progymnasium vom Gymnasium Laufen abzuspalten und den Sekundarschulen anzugliedern», so Rektor Moser. Ein neuer Staatsvertrag, der im Juni 2007 vom Baselbieter Landrat mit grosser Mehrheit angenommen wurde, hatte eine Fortführung der Schule in der bisherigen Form zur Folge.

Das Gymnasium in Laufen konnte sich seinen Exotenstatus bis zum heutigen Tag bewahren – und verdankt ihm auch einen Teil seines Erfolgs. Die Einrichtung hat als einzige weit und breit eine bikantonale Trägerschaft und vereint Progymnasiasten und Gymnasiasten. Aktuell besuchen rund 600 Schülerinnen und Schüler die Unter- und die Oberstufe.

Bilinguale Matur ist beliebt

Seit dem Jahr 2012 ist mit dem Jura sogar ein dritter Kanton involviert. Die bilinguale Matur, bei der die Jugendlichen zwei Jahre in Laufen und zwei Jahre in Porrentruy die Schulbank drücken, erfreut sich grosser Beliebtheit. Selbst Schüler aus dem restlichen Baselbiet entschliessen sich deshalb, das Laufner Gymi zu besuchen. Beim einzigartigen Angebot handelt es sich um das Ergebnis langjähriger Bemühungen des derzeitigen Rektors Isidor Huber. Der Ostschweizer, der an der Schule Französisch unterrichtet, leitet das Gymnasium seit 2007.

Das Regionale Gymnasium Laufental-Thierstein befindet sich auf Erfolgskurs, und ein Ende ist derzeit nicht abzusehen. Oder wie es die Baselbieter Bildungsdirektorin Monica Gschwind in ihrem Prologtext im Jubiläumsband formuliert: «Diese kantons-, sprach- und kulturüberschreitende Zusammenarbeit darf durchaus als Leuchtturm in der schweizerischen Bildungslandschaft bezeichnet werden.»

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