Erwartungsvoll stehen Hunderte von Schaulustigen an der Hauptstrasse und rund um den Kronenplatz. Sie wollen sich nicht entgehen lassen, was sich die Fasnächtler haben einfallen lassen zum Geschehen im Dorf und in der grossen weiten Welt. Und sie wollen sich ergötzen an den prächtigen Kostümen und fantasievollen Larven, den Klängen der Pfeifer und Trommler und den kakofonischen Tönen der Guggen.

Gut 50 Gruppen sind es. Auffallend sind die vielen kleinen Binggis auf den Wagen und Schyssdräggzygli. Gönnerhaft streckt ein kleiner Clown in einem fasnächtlich geschmückten Leiterwagen seine Schleckstengel Altersgenossen am Strassenrand entgegen. Mit Genuss bewerfen sich zwei vielleicht Sechsjährige – einer im Sträflingskostüm, der andere als Bajass – mit Konfetti. Geduldig lässt sich anderer Bub vom Mami erklären, wie er in die Luftschlangen blasen muss, damit sie lustig durch die Luft wirbeln.

Die Cliquen haben sich vielfältig anregen lassen. Natürlich ist die Fusionsabstimmung ein Thema. Der Wagen der Dätschmaischter ist als uneinnehmbare Burg gestaltet. Darauf ist zu lesen:

Ade Fusion!

S’Baselbiet bliibt e Bastion.

Den Immobilienboom in Therwil vorgenommen haben sich die Bananen-Bieger, die als Immobilienhaie unterwegs sind. Die Sparwut der öffentlichen Hand haben die Vorstadt-Glunggi thematisiert, deren Wagen mit Sparsäuli, Pleitegeiern und Umsatzkurven drapiert ist. In die grosse Politik gewagt haben sich die Granate-Schnägge. Ihr Wagen ist eine Art Truppenfahrzeug, das am OSZE-Treffen in Basel zum Einsatz gekommen ist. Natürlich ist auch der ausgebliebene Sommer 2014 ein Thema. Die Kiwi-Frässer halten ihren Unmut darüber auf ihrem Wagen fest:

Au als guete Schwimmer,

blybsch im Summer im Zimmer.

Immerhin können sich Fasnächtler und Zaungäste am Samstag an mildem Wetter erfreuen. Das einzige, was über den Köpfen ausgegossen wird, sind Konfettiduschen. Manche Gruppen suchen sich junge Frauen am Strassenrand aus, um über ihnen gleich ganze Säcke von Konfetti zu leeren. Begehrt sind natürlich die diversen Bhaltis, die von den Wagen grosszügig unters Publikum geworfen werden: Süssigkeiten, Orangen, Plüschtiere. Galant werden aber auch Rosen und Mimosen verteilt.

Einige feiern auch Jubiläum, so die Wäie-Rämft, deren Kutsche von zwei Pferden gezogen wird. Von Kleinlützel nach Binningen gekommen sind die Litzler Chnertsch. Ein kleines Zügli bilden die Heimweh-Binniger aus Liesberg.

Nach einer guten Stunde ist der Umzug vorbei. Die Stände mit Wurst und Süssigkeiten haben wieder regen Zulauf. Andere begeben sich zum Aufwärmen in eine der Dorfbeizen. Zurück bleiben Dorfstrassen, übersät mit Millionen von Konfetti, zahllosen flachgetretenen Luftschlangen und einigen zerquetschten Orangen. Damit ist die Fasnacht 2015 – leider, werden sich viele sagen – schon vorbei.