Hochhaus
Zweiter Roche-Turm hat seine Höhe erreicht – Areal soll nach Corona zum Campus werden

Es wäre ein Grund zum Feiern gewesen: Der Bau 2 von Roche hat seine Höhe von 205 Metern erreicht. Anfang Dezember wurde der letzte Beton für den Rohbau gegossen. Eine entsprechende Medienorientierung in luftiger Höhe hätte dies veranschaulichen sollen. Doch sie wurde abgesagt.

Patrick Marcolli
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So hoch war der zweite Roche-Turm Mitte November.

So hoch war der zweite Roche-Turm Mitte November.

Roland Schmid

Die Roche will zeigen, wie ernst sie die Corona-Lage nimmt. Stattdessen: Ein Interview von Bildschirm zu Bildschirm. Jürg Erismann, der Standortleiter von Roche, ist nach wie vor fest vom Konzept überzeugt, das sein Konzern verfolgt: Das Roche-Areal soll in den Zeiten nach der Pandemie zum Campus werden, der persönliche Begegnungen und Austausch möglich macht und fördert.

Jürg Erismann, Standortleiter Roche, sieht die Bauvorhaben auf Kurs.

Jürg Erismann, Standortleiter Roche, sieht die Bauvorhaben auf Kurs.

zvg

Während der grosse Konkurrent Novartis sich allmählich von seinem Campus im St. Johann verabschiedet, schafft Roche einen solchen. Erismann berichtet davon, wie sich Mitarbeiter auf die Rückkehr ins Büro freuten, wie deutlich sich allmählich eine gewisse Telekonferenz-Müdigkeit breitmache.

Diese «Learnings» aus der Corona-Krise will Roche nun berücksichtigen

So dürfte sich der Bau 2 nach seiner Eröffnung in knapp zwei Jahren in seinem Innern deutlich vom älteren Bau 1 unterscheiden. Erismann sagt, Roche halte rund ein Viertel der geplanten Möblierung vorerst zurück, um neue räumliche Möglichkeiten zur Zusammenarbeit auszuloten. Er rechnet damit, dass sich eine Mischung zwischen Homeoffice und Präsenz am Arbeitsplatz durchsetzen wird. Dem wolle man gerecht werden.

Insgesamt, so Erismann, sei der Bau 2 auf Kurs: Man bewege sich im Budgetrahmen von 550 Millionen Franken und sei mit dem Rohbau gar zwei Monate früher als geplant fertig geworden. Rund 500 Bauarbeiter bewegen sich täglich auf der Baustelle, geleistet wurden über 1,5 Millionen Arbeitsstunden.

Auch bei den Arbeiten am Forschungszentrum sieht Erismann die Roche, trotz einer kurzen Corona-bedingten Verzögerung, im Fahrplan. Vor weniger als einem Jahr wurde der Grundstein gelegt für die vier neuen, treppenartig abgestuften Gebäude mit Höhen zwischen 114 und 18 Metern (Kostenpunkt: 1,2 Milliarden Franken). Diese Baustelle dominiert das Areal inzwischen deutlicher als jene für das zweite Bürohochhaus.

Roche bietet Erhalt eines Salvisberg-Baus an

Etwas unklarer präsentiert sich die Lage für die Roche auf dem Südareal. Vor wenigen Wochen hatte der Konzern seine Pläne für dessen Neugestaltung präsentiert. Kernpunkt der Erneuerung: Abriss der Rheinfront, Abriss des alten Hochhauses Bau 52 und Abriss des Laborbaus 27 bei der Solitude. An deren Stelle soll nach den Plänen von Herzog & de Meuron ein drittes, noch höheres Bürogebäude sowie ein Empfangspavillon inmitten einer Grünfläche entstehen.

Diese Pläne riefen vor allem Denkmalschützer auf den Plan: Es laufen auf Initiative des Basler Denkmalrats Anträge zur Unterschutzstellung einiger der historischen Gebäude. Jürg Erismann wollte sich nicht zum Zeitpunkt der Entscheidung äussern. In Fachkreisen wird kolportiert, dass der Regierungsrat noch in diesem Jahr beschliessen wird, die Gebäude unter Schutz zu stellen oder sie zum Abriss freizugeben.

Klar ist, dass sich die Roche zum Erhalt des Direktionsgebäudes Bau 21 von Otto-Rudolf Salvisberg bekennt und auch Millionen in dessen Sanierung investiert. Gleichzeitig erneuert Erismann das Bekenntnis, mit dem Produktionsbau 29 mindestens ein weiteres Werk von Salvisberg längerfristig erhalten zu wollen. Dies ist augenscheinlich eine Art Tauschgeschäft für den in Denkmalschutzkreisen so verehrten Laborbau 27, der Roche aber im Weg steht.