Kultur
Zeiträume in der Basler Markthalle: Flirrende Klänge, träge Farben

Das Zeiträume-Festival findet mit «La Coupole» einen ambitionierten Abschluss. Die Basler Markthalle wird dabei zum Klangkörper.

Stefan Strittmatter
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Die Beleuchtung der Markthallendecke erinnerte an einen wohligen Trip.

Die Beleuchtung der Markthallendecke erinnerte an einen wohligen Trip.

Zur Verfügung gestellt

Am Sonntagabend bot sich in der Basler Markthalle ein einmaliger Anblick: Überall warten Menschen in Liegestühlen oder liegen auf Matten zwischen den geschlossenen Essständen. Gekommen sind sie, um sechs Flügeln zu lauschen, die in der Mitte des 1929 erbauten Betonkolosses im Kreis angeordnet sind. Zum Abschluss des zehntägigen Zeiträume-Festivals, bei dem Musik und Architektur in Dialog treten, werden Werke von Iwan Wyschnegradsky aufgeführt – einem Pionier der mikrotonalen Musik.

Wie sehr die Markthalle selber ein Klangkörper ist, zeigt sich schon bei der Begrüssung. Die Bitte um «aufmerksame Ruhe» droht im eigenen Echo zu ertrinken. Gleiches zeigt sich bei den sechs Stücken des russisch-französischen Komponisten: Einzelne Noten erklingen doppelt bis dreifach. Das verstärkt zwar den Effekt der um Zwölfteltöne gegeneinander verstimmten Flügel, jedoch beraubt es die Arrangements auch ihrer Luftigkeit und Finesse. Das Resultat ist ein eher gleichförmiger Klangteppich, bei dem keine Notenreibung verklingen kann, ehe das nächste Motiv einsetzt. Insbesondere das Stück «Dialogues op. 51» (1973–74) hätte mit seinen dichten Trillern und Akkord-Clustern von mehr Trennschärfe profitiert.

Ein bisschen wie ein kleiner LSD-Trip

Nun kann man freilich argumentieren, dass der Komponist den halligen Klang in seine Arbeiten mit eingerechnet habe. Schliesslich entwarf er 1943 einen der Markthalle ähnlichen Kuppelbau als Aufführungsort für seine Werke. Dabei hatte er aber vor allem die visuelle Umsetzung seiner ultra-chromatischen Farbskalen vor Augen, die er zur Verbildlichung seiner Kompositionen anfertigte. In der Markthalle kommen am Sonntag neun Projektoren zum Einsatz – und der Effekt ist anfangs berauschend. Wer am Boden liegend in die 28 Meter hohe Kuppel blickt, der wähnt sich auf einer Reise zum Mond, oder auf einem schwach dosierten LSD-Trip.

Leider greifen die visuellen und die klanglichen Eindrücke in Folge nur selten ineinander. Während die Kompositionen hochgradig vertrackt sind, bleiben die Projektionen eher träge. Nur selten wird ein Forte durch eine beschleunigte Bewegung aufgegriffen. Auch ist irritierend, dass ein und dieselbe Note einmal rot und einmal grün erscheint. Technisch wäre eine engere Anbindung der Bilder an den Klang durchaus möglich, doch fehlen hierzu wohl auch die genauen Überlegungen von Wyschnegradsky. Die Aufführung in der Markthalle dürfte der Vision des 1979 verstorbenen Komponisten dennoch so gerecht geworden sein, wie es ohne sein Beisein nur möglich ist.