Als eigentlicher Star des Abends wird keiner der 16 Musiker – oder muss man Artisten sagen? – angekündigt, sondern eine Trommel. Beim zweiten Teil des Abends im gut besetzten Musical-Theater Basel ist sie da: Ein fürwahr mächtiges Instrument, gut 500 Kilogramm schwer soll sie sein und mit einem Fell-Durchmesser von 1,70 Metern ein massiger Fels im Meer der vielen Trommeln unterschiedlicher Grösse.

Sie ist ein Trommel-Superlativ, das auch in den hinteren Reihen des Theaters die Zwerchfelle der Zuschauer mitschwingen lässt, wenn sie mit riesigen Schlegeln und auch mal mit einer Keule mit den Ausmassen eines kleinen Baumstamms bearbeitet wird.

Taiko werden die Trommeln und die Trommelkunst genannt, die vor vielen hundert Jahren als archaische Riten von Korea nach Japan gelangten und dort als Kunstform perfektioniert wurden. Vorzeigetruppen wie Yamato sorgen dafür, dass dieser Trommelzirkus über den ganzen Erdball hinweg seine Fans gefunden hat.

Die urtümlich-archaische Schlag- und Wirbelkraft, gespiesen aus fernöstlicher Tradition und vollzogen von Artisten und Artistinnen mit stählernen Muskeln fasziniert auch in der Trommelstadt Basel.

Doch die zuweilen an fernöstliche Kampfkunst erinnernden Auftritte führen auch an Grenzen: So faszinierend die unbändige Kraft, die stupende Technik und Präzision auch ist, fällt das Repetitive der Rhythmen mit der Zeit etwas in die Langeweile. So wie ein auf eine Stunde ausgedehnter Shaolin-Stockkampf.

Fulminantes Wechselspiel

Das gilt vor allem für den ersten Teil des Abends. Nach der Pause vermag das in bunten Kostümen herumwirbelnde Ensemble aber den archaischen Grundton zu durchbrechen. Das gelingt vor allem mit leiseren und feineren Schlagfolgen auf kleineren Instrumenten. So auch beim letzten Stück des Abends, wenn sechs Trommlerinnen und Trommler an der Bühnenrampe auf unterschiedlich gestimmten kleinen Instrumenten zum fulminanten Wirbel-Wechselspiel antreten.

Das ist grossartige Trommelkunst, hier könnten auch die ganz anders gearteten Lokalmatadore von Top Secret durchaus noch etwas von den japanischen Trommlerinnen und Trommlern lernen.

Höhepunkt des Abends ist aber dennoch das leiseste Stück: Eine Gruppe von Männern formiert sich mit kleinen Bronze-Zimbeln zu einer hinreissend humorvollen Travestie – eine hell klingende Fliegenfängergeschichte mit pantomimischen Tanzeinlagen. Diese Nummer wurde vom Publikum denn auch zurecht mit dem stärksten Applaus belohnt.

«Yamato» - The Drummers of Japan.
Weitere Vorstellungen bis 27. Januar 2019 im Musical-Theater Basel