Basel
Wildparkierer bei Flohmi bringen 1400 Franken Bussengelder ein

Die Basler Polizei muss an Flohmärkten regelmässig Falschparker büssen. So auch an der Kinderartikel-Börse, die vergangenen Mittwoch im Schützenmattpark in Basel stattgefunden hat. Einige Verkäufer nehmen eine Parkbusse jedoch breitwillig in Kauf.

David Egger
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Nach Verkehrsproblemen beim beliebten Schützenmattpark-Flohmi im April 2014 wurde ein Verkehrskonzept erstellt. Die Wildparkierer bleiben. (Archiv)

Nach Verkehrsproblemen beim beliebten Schützenmattpark-Flohmi im April 2014 wurde ein Verkehrskonzept erstellt. Die Wildparkierer bleiben. (Archiv)

Kenneth Nars

Fussballspiele und Flohmärkte, vor allem jener beim Schützenmattpark, haben eines gemeinsam: Sie bringen der Polizei viel Arbeit. Doch nur bei den Flohmärkten holen die Ordnungshüter einen Teil der Kosten gleich vor Ort wieder rein. Jüngstes Beispiel: Letzte Woche hat die Polizei an der Kinderartikel-Börse im Schützenmattpark total 27 Fahrzeughalter gebüsst. Wohlgemerkt: Die Kinderartikel-Börse dauerte dreieinhalb Stunden, plus die Zeit fürs Auf- und Abräumen. Die meisten gebüssten Autofahrer mussten 40 Franken bezahlen, weil sie ihren Wagen im Parkverbot abgestellt oder die zulässige Parkierzeit überschritten hatten. Die Polizei zeigt sogar Kulanz, wenn sie diese Bussen verteilt: Zu langes Parkieren wird erst bestraft, wenn die erlaubte Parkierzeit um 20 Minuten oder mehr überschritten wird.

Martin Schütz, Mediensprecher des Justiz- und Sicherheitsdepartements, begründet den Einsatz vom letzten Mittwoch wie folgt: «Die Kinderartikel-Börse führt erfahrungsgemäss zu einem sehr hohen Verkehrsaufkommen mit Fahrzeugen aus allen Nordwestschweizer Kantonen und dem benachbarten Ausland.» Für die Veranstalter der Börsen sei dies sicher erfreulich. «Doch in den Strassen rund um den Schützenmattpark führt das hohe Verkehrsaufkommen zu vielen Behinderungen, auch des öffentlichen Verkehrs. Denn auch Tram- und Bushaltestellen werden bei solchen Anlässen als Parkfläche missbraucht.» Das sei mit ein Grund dafür, dass die Polizei in der Vergangenheit immer wieder Reklamationen aus der Bevölkerung erhalten hat.

Ein Parkplatz für 120 Franken

«Der Verkehrsdienst war daher in diesem Jahr vor Ort, um allzu grossen Verkehrsbeeinträchtigungen entgegenzuwirken», sagt Schütz. Ob die Bussen wirklich etwas nützen, hängt vom einzelnen Autofahrer ab. Vier der gebüssten Fahrzeughalter liessen sich nicht einmal von einer Busse über 120 Franken abschrecken: Sie parkierten auf dem Trottoir und liessen dabei weniger als die vorgeschriebenen eineinhalb Meter Raum für Fussgänger. Oder sie parkierten direkt vor einem Fussgängerstreifen. Beides wird aufgrund der eidgenössischen Ordnungsbussenverordnung härter bestraft als eine simple Missachtung eines Parkverbots.

Insgesamt führten die 27 Bussen, die der polizeiliche Verkehrsdienst vor einer Woche verteilte, zu Einnahmen in der Höhe von 1400 Franken. Zum Vergleich: Für 120 Franken kann man sein Auto auf einem der günstigeren Parkplätze des Euro-Airports zehn Tage lang stehen lassen.

Der Veranstalter der Kinderartikelbörse, der Basler Verein Robi-Spiel-Aktionen, hat Verständnis für das Durchgreifen der Polizei. «Es ist auch unser Ziel, diese Verkehrsbehinderungen und Regelverletzungen zu verhindern. Im Jahr 2014 hatte es sehr viele Wildparkierer, worauf Polizei und Allmendverwaltung uns aufforderten, ein Verkehrskonzept zu erstellen. Wir setzen dieses in Absprache mit der Polizei um», sagt Micha Stucky, Projektleiter für die Kinderartikelbörsen. Für den Verein bringt das grossen Personalaufwand mit sich: In der Brennerstrasse und beim Weiherweg stehen je zwei Mitarbeiter in orangen Westen, die den Autofahrern – es handelt sich vor allem um Verkäufer – die Regeln und den Weg zu den legalen Parkplätzen erklären. Damit sollen Verkehrsbehinderungen und Verspätungen im öffentlichen Verkehr vermieden werden.

Auch die Polizei ist auf die Kinderartikelbörse zugekommen: Laut Stucky dürfen die Verkäufer jeweils auf den Car-Parkplätzen an der Brennerstrasse anhalten und ihr Gut ausladen, um sich danach einen Parkplatz zu suchen. «Jemand von uns schaut in dieser Zeit, dass nichts geklaut wird. Manche Teilnehmer sagen uns aber ganz offen: ‹Das ist mir piepegal, dann zahle ich halt die Busse, wenn ich mein Auto hier stehen lasse.› Andere spekulieren darauf, nicht erwischt zu werden. Insofern sind wir machtlos.» Die Flohmi-Verkäufer nehmen die Bussen also bewusst in Kauf. Dafür spricht auch eine Zahl aus dem Justiz- und Sicherheitsdepartement: So bewegt sich die Einsprache-Rate bei Bussen, die im ruhenden Verkehr ausgesprochen werden, bei unter einem Prozent.

485 Verkäufer als neuer Rekord

Die Kinderartikelbörse auf dem Schützenmattpark gibt es nunmehr seit zwölf Jahren. In dieser Zeit ist die Börse stets gewachsen. Jene vom vergangenen Mittwoch war die bisher grösste: 485 Verkäufer präsentierten ihr Angebot. Auf mehr als 3000 schätzt Michael Stucky die Anzahl Besucher. Die 27 Wildparkierer machen insofern einen kleinen Teil aller Teilnehmer aus.

Künftig will sich der Verein Robi-Spiel-Aktionen noch stärker gegen Wildparkierer engagieren: «Nächstes Jahr werden wir die Teilnehmenden auf den Flyern ausdrücklich bitten, wenn möglich mit öffentlichem Verkehr oder dem Velo anzureisen», sagt Stucky.