Projekte zur Aufwertung
Weil am Rhein und Huningue wollen ihr Rheinufer attraktiver gestalten

Weil am Rhein und Huningue haben millionenteure Projekte in Angriff genommen, um das Rheinufer für Erholungssuchende aufzuwerten.

Alexandra von Ascheraden
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Der Rheinpark in Weil ist derzeit eine Baustelle, soll aber im Frühsommer 2021 umgestaltet wiedereröffnet werden.

Der Rheinpark in Weil ist derzeit eine Baustelle, soll aber im Frühsommer 2021 umgestaltet wiedereröffnet werden.

Erich Meyer

«Ich glaube, eine Menge Anwohner sind froh, dass die Spundwandprofile des Rheinbalkons fertig sind», meint Christian Renner, Amtsleiter des Stadtbauamts Weil am Rhein. Die Stadt und das mit ihr über die Dreiländerbrücke verbundene Huningue sind gerade dabei, ihre Ufer für die Naherholung aufzuwerten.

Die französische Seite ist bereits fertig. Weil und Huningue haben für ihre Aufwertungen der Ufer je eine Million Euro Subventionen von Interreg für die Arbeiten erhalten. In Weil am Rhein sind zumindest die groben Arbeiten abgeschlossen. Der Rheinpark mit seinem schönen alten Baumbestand liegt gegenüber des bei Baslern fürs Shopping geschätzten Rheincenters am Grenzübergang Friedlingen. Er wird im Zuge der Baumassnahmen deutlich auf rund 15'000 Quadratmeter vergrössert. Die Chance bot sich, als der südliche Rheinhafen nach Norden verschoben wurde. Nur der extra belassene Portalkran wird an die Vergangenheit als Hafengelände erinnern. Im Frühsommer 2021 soll der neu gestaltete Park eröffnet werden.

In Basel selbstverständlich, in Deutschland unmöglich

Auf deutscher Seite war das Rheinufer bisher kaum zugänglich. Nun wurde also mit lärm intensiven Spundarbeiten ein «Rheinbalkon» direkt in die Uferlinie an der Dreiländerbrücke gesetzt. So kann man erstmals fast auf Höhe der Wasseroberfläche sitzen. Aus dem von den Landschaftsarchitekten angedachten Schwimmsteg dagegen wurde nichts. Renner winkt ab: «Was in Basel so selbstverständlich ist, geht in Deutschland nicht. Hier gilt der Rhein als Schifffahrtsstrasse und da dürfen wir rein rechtlich kein Badevergnügen zulassen.» Die Weiler tragen es vermutlich mit Fassung und radeln mit ihrem Wickelfisch einfach wie gewohnt nach Basel.

Der Rheinpark bekommt zusätzlich einen Kleinkinderspielplatz mit Wasserspielen. Dazu kommen entlang der Colmarer Strasse Mehrgenerationenspiele wie Schach, Boules und Trainingsgeräte und weiter nördlich werden Kletterfelsen und Seilspielgeräte für ältere Kinder platziert.

Schlechte Kommunikation zwischen zwei externen Büros

Alles wunderbar – der dicht bebaute Stadtteil Friedlingen hat diese gut gestaltete Erholungsfläche mit Sicherheit nötig. Einziger Wermutstropfen: die Kostenrechnung für das Rheinufer. Statt der errechneten 2,1 Millionen Euro werden es etwa 3,2 Millionen sein. Renner erklärt das mit schlechter Kommunikation zwischen zwei in die Planung involvierten externen Büros. Das habe dazu geführt, dass der Rheinbalkon, der mit 177'000 Euro angesetzt war, satte 400'000 Euro zu tief kalkuliert worden sei.

Das Geld aufbringen muss die Stadt Weil am Rhein aber nun doch. Renner weiter: «Weitere Kosten entstanden, weil die Kosten für die Prüfstatik für den Rheinbalkon nicht berücksichtigt waren, im alten Hafen belastetes Material und Fundamentreste entsorgt werden mussten, auch die ökologische Baubegleitung sowie Massnahmen wie das Vergrämen von Eidechsen nicht mit im Budget waren und die Kampfmittelsondierung aufwendig war.» Das und Weiteres summierte sich auf weitere 600'000 Euro.

Daher muss er nun sehen, wo er sparen kann. Auf die in der Bürgerbeteiligung so dringend gewünschte Toilettenanlage wird vorerst verzichtet. 210'000 Euro konnten zudem durch gute Ausschreibungsergebnisse eingespart werden. Der Rest muss sich finden.

Huningue macht Geschichte sichtbar – mit Rostband

Auf französischer Seite ist die Umgestaltung des Ufers schon seit dem Sommer abgeschlossen. Liegestühle mit kleinen Tischchen und lange Picknickbänke laden zum Aufenthalt ein und waren an sonnigen Wochenenden längst rege in Benutzung, als der Bauzaun noch stand. Eine Lücke fand sich immer.

Wenn man die Dreiländerbrücke von deutscher Seite aus überquert, ist das Bemühen, die Geschichte der Stadt wieder sichtbar zu machen, unübersehbar. Entlang des Ufers zieht sich rechts und links der Brücke neuerdings eine enorme, Dutzende Meter lange rostige Brüstung aus Cortenstahl. «Das Stahlband dient als Fallschutz. Es steht exakt auf den ehemaligen Festungsmauern, die wir im Rahmen der Neugestaltung des Ufers wieder freigelegt haben», erläutert Richard Horn, Direktor des Service Technique von Huningue.

Festung wurde auf Wunsch der Basler geschleift

Die ehemalige Festungsstadt Huningue verdankt ihre Existenz in ihrer heutigen Form schliesslich der Tatsache, dass Louis XIV die Grenzen seines Reiches mit 150 Festungen seines königlichen Baumeisters Sébastien Le Prestre de Vauban (1633-1707) sichern liess. Die sternförmigen Anlagen hatten durch geschickt zueinander angeordneten Zacken keine toten Winkel für die Verteidiger und standen daher im Ruf, uneinnehmbar zu sein. Die Festung von Huningue wurde schliesslich 1815 auf Wunsch der Basler geschleift, denen wenig behagte, dass von dort Kanonen auf sie gerichtet waren.

Liegestühle wie auf Kreuzfahrtschiffen

In den vergangenen zweihundert Jahren wurden die verbleibenden Mauerreste in der wachsenden Kleinstadt weitgehend getilgt. Nun besinnt man sich wieder auf das Erbe. Noch sind die restaurierten Mauern behelfsmässig mit schwarzer Folie abgedeckt, da der spezielle Stahl noch dabei ist, die Patina zu bilden, die ihn vor weiterer Korrosion schützen wird. Die im Prozess entstehenden Chemikalien könnten den Stein schädigen. Im Frühling wird man die Folie entfernen können.

Die Möblierung des für 2,5 Millionen Euro aufgewerteten Rheinufers spielt mit dem Thema Schifffahrt – von Liegestühlen, die an Deckchairs von Kreuzfahrtschiffen erinnern, bis zu den Mülleimern, die den typischen Windhutzen von Schiffen nachempfunden sind.

Letztere haben sich sehr schnell zwar dekorativ aber deutlich zu klein dimensioniert erwiesen, weil der Park rege für Picknicks genutzt wird. «Wir suchen bereits nach Abhilfe. In Rotterdam habe ich Abfalleimer gesehen, die den Müll mittels Solarstrom komprimieren. Das könnte ich mir hier gut vorstellen», sagt Horn abschliessend.