Vesper
Weihnachtliche Musik – als sässen wir in San Marco

Das «La Cetra Barockorchester und Vokalensemble Basel» führt morgen Claudio Monteverdis «Vespro di Natale» in der Leonhardskirche auf.

Christian Fluri
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Die italienische Traeri-Orgel, die in Monteverdis Vesper erklingt: Hier steht sie für ein Konzert in der Theodorskirche – umrahmt von der dortigen Organistin Nicoletta Paraschivescu, Andrea Marcon und der Geigerin Eva Saladin.

Die italienische Traeri-Orgel, die in Monteverdis Vesper erklingt: Hier steht sie für ein Konzert in der Theodorskirche – umrahmt von der dortigen Organistin Nicoletta Paraschivescu, Andrea Marcon und der Geigerin Eva Saladin.

La Cetra

Morgen singen die Engel wieder auf Erden und lassen Posaunen und Zinken erschallen – in der Leonhardskirche in Basel. Unter der Leitung von Chefdirigent Andrea Marcon führt das «La Cetra Barockorchester und Vokalensemble Basel» Claudio Monteverdis «Vespro di Natale» zum zweiten Mal auf.

Zwar gibt es keine von Monteverdi als geschlossenes Werk komponierte Weihnachtsvesper. Aber der aus Treviso stammende Andrea Marcon, der grosse Kenner der venezianischen Barockmusik, erklärt: «Als Maestro di Capella di San Marco stellte Monteverdi zu den grossen kirchlichen Feiertagen – wie Weihnachten – Vespern zusammen.» Das war gängige Praxis im Frühbarock. Marcon hat in dieser Tradition aus Monteverdis sakraler Musik, vor allem mit Stücken der 1640 in Venedig herausgegebenen Sammlung «Selva morale e spirituale» ein Vespro di Natale zusammengestellt. Die Vesper hat eine fixe Abfolge von Instrumentalteil, Psalm, Antifon und dem Magnificat. Marcon formte Monteverdis sakrale Gesangsstücke im Wechsel mit Instrumentalmusik und Orgelintonationen – vor allem von Giovanni Gabrieli – zu einer tief bewegenden Vesper.

Der Wunsch des Publikums

Wir fühlten uns bei der ersten Aufführung vor einem Jahr versetzt in die Stadt Venedig zwischen 1613 und 1643 – in die Basilica di San Marco, wo Monteverdi damals Hauptkomponist war. Marcon und La Cetra mit dem 16-köpfigen, solistische besetzten Vokalensemble machten die frühbarocke Musik in ihrer Spiritualität und ihrer klanglichen Sinnlichkeit neu lebendig.

An der Weihnachtsvesper hat Marcon, der Musikforscher, Dirigent, Organist und Cembalist, gegenüber dem vergangenen Jahr nichts verändert. Eröffnet wird sie wiederum mit «Deus in auditorium» aus Monteverdis genialem «Vespro della beata vergine» (1610); die Instrumentalmusik mit Zinken und Posaunen ist mehr noch bekannt als Ouvertüre zu «L’Orfeo». Der zweite Teil der Vesper wird dominiert vom Magnificat aus «Selva morale e spirituale», einer wahrhaft göttlichen Musik.

Marcon berichtet von Dutzenden von Mails, die er und La Cetra nach der Aufführung vor einem Jahr erhalten haben. «Von einer Sternstunde zur Weihnachtszeit war da die Rede. Konzertbesucherinnen und -besucher schrieben uns, wie ergriffen sie waren, und dankten uns sehr.» La Cetra erfülle mit der zweiten Aufführung morgen den Wunsch des Publikums. Konzertort ist wieder die Leonhardskirche mit ihrer für diese Musik geeigneten Akustik.

Italienische Originalorgel

Eine Neuerung gebe es gegenüber dem letzten Jahr, freut sich Marcon. «Wir konnten für das Basso Continuo eine originale italienische Orgel auftreiben, auf der Johannes Keller spielt.» Es handelt sich beim Instrument aus einer Sammlung in Nürnberg um eine Traeri-Orgel, die auch bei Prozessionen gespielt und getragen wurde: eine Orgel des späten 17. Jahrhunderts. Andrea Marcon spricht von einer grossen klanglichen Bereicherung.

Die Intonationen zwischen den Gesängen werden auch dieses Jahr vom Spanier Joan Boronat Sanz auf der grossen Kirchenorgel gespielt. Der Wechsel erzeuge auch Spannung. Die Intonationen erklingen wie von oben. Und zum Gesang kommen die Engel zu uns: «Hodie in terra canunt Angeli.»

Monteverdi: Vespro di Natale La Cetra Barockorchester und Vokalensemble Basel, Leitung: Andrea Marcon, Leonhardskirche Basel, 17. Dezember, 19.30.

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