Ausstellung

Wald und Widerstand im Cartoonmuseum Basel

Mit «Congo» folgt Tirabosco dem englischen Schriftsteller Joseph Conrad in das Herz der Finsternis. (zvg)

Mit «Congo» folgt Tirabosco dem englischen Schriftsteller Joseph Conrad in das Herz der Finsternis. (zvg)

Das Cartoonmuseum Basel widmet dem ökologisch engagierten Genfer Comiczeichner Tom Tirabosco eine eindrückliche Retrospektive.

Die Vögel kommen. Sie ballen sich nicht zu bedrohlichen Wolken zusammen wie bei Hitchcock. Trotzdem verkünden sie Unheil: Mit verdrehten Köpfen liegen die «Dreissig toten Vögel» da. «Wozu sollte ich sie lebend zeichnen», sagt Tom Tirabosco, der die Tiere an seiner Retrospektive im Cartoonmuseum Basel zeigt und auf Besuch ist. «In der heutigen Zeit ...»

Der 1966 in Italien geborene und in Genf aufgewachsene Tirabosco zeichnet nicht nur mit dem Stift, sondern auch mit dem Gewissen. So führte er in einem Interview mit «Le Temps» aus: «Ich hätte nie gedacht, dass ich das jemals sagen würde, aber es geht um unser Überleben.» Tirabosco fährt nicht Auto, isst kaum mehr Fleisch und schlägt Einladungen aus, wenn sie mit einer Flugreise verbunden sind.

«Mein neues Buch ist ein Buch der Wut», erklärt der gross gewachsene Genfer höflich, als der letzte Raum auf dem Rundgang durch das Museum erreicht ist. Diese Wut richte sich gegen die rücksichtslose Zerstörung der Natur und das Patriarchat, «ohne allzu militant zu werden», wie er hofft.

Die gesamte Seite.

Die gesamte Seite.

Malerei und Monster vermischen sich

In «Femme sauvage» flüchtet eine junge Frau aus einer heruntergewirtschafteten Welt in die Wildnis, wo es zur Aussöhnung mit der Natur kommt. «Die Natur ist heilig», sagt der Künstler, der das italienische Wort für Wald («bosco») augenfällig im Namen trägt.

Seine Arbeit drehe sich im Wesentlichen immer um die Kindheit und sein Verhältnis zur Natur. «Am Anfang ist da ein Wald», heisst es in «Wunderland», dem autobiografischen und umwerfend komischen Werk Tiraboscos: «Der Wald Schneewittchens. Oder der Caspar David Friedrichs.» Der Sprung von Disney zum deutschen Malerfürsten irritiert, tatsächlich aber vermischt Tirabosco gerne E und U, «Malerei mit Monstern». Die Stile von Hergé und Holbein («J’adore!») im selben Panel? Für den technisch versierten Künstler kein Problem!

Wer vom Zeichnen leben wolle, müsse diversifizieren, erklärt der Genfer während des Rundgangs. «Ich hatte schon immer Lust, alles einmal auszuprobieren.» Und so gestaltet
er nicht nur aufwendige Graphic Novels wie den frei nach Joseph Conrad erzählten Dschungeltrip «Congo», der koloniale Gräuel und geschändete Natur thematisiert. Er malt auch Cartoons mit einer komischen Ente – und Kinderbücher.

Was alle seine Werke aber gemein haben, das ist die Technik. Die so genannte Monotypie, bei der Farbe auf eine Platte aufgetragen und das von Hand gezeichnete Motiv seitenverkehrt abgezogen wird, produziert – anders als die Drucktechnik – nur Originale. «Es ist ein echtes Handwerk», schwärmt Tirabosco. «Und meine Art, der Digitalisierung Widerstand zu leisten.»

 

Tom Tirabosco – Wonderland

Cartoonmuseum Basel

bis 8. März 2020

cartoonmuseum.ch

Verwandte Themen:

Meistgesehen

Artboard 1