Nähkästchen
Wachtmeister Daniel Vogt über seine grösste Passion: «Das Basler Polizeimuseum ist mein Baby»

Daniel Vogt ist Kurator des Basler Polizeimuseums. Seit 30 Jahren sammelt, pflegt und präsentiert er Trouvaillen der Basler Polizeiarbeit.

Lea Meister
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Daniel Vogt ist stolz auf das Lager, welches er über die Jahre mit historischen Trouvaillen aus der Baselstädtischen Polizeiarbeit bestücken konnte.

Daniel Vogt ist stolz auf das Lager, welches er über die Jahre mit historischen Trouvaillen aus der Baselstädtischen Polizeiarbeit bestücken konnte.

Kenneth Nars

Herr Vogt, worüber reden wir?

Daniel Vogt: Über Passion. Wenn man eine Passion hat, verfolgt man etwas, das einem Freude bereitet, sehe ich das richtig?

Ja. Schön ist doch eigentlich, wenn man sich wirklich mit seiner Passion auseinandersetzen kann. So wie Sie.

Das Polizeimuseum ist mein Baby, das ist etwas, wovon ich sehr stark zehren kann. Ich mache das für all meine Kolleginnen und Kollegen, die einmal bei der Polizei gearbeitet haben. Die meisten sind schon pensioniert oder verstorben. Das Polizeimuseum ist das Vermächtnis der Polizei. Ich habe damals 1990 bei Null angefangen, es gab zuvor bei der Polizei leider keine Sammlung. Vieles hätte man früher viel einfacher haben können als heute. Ein Beispiel: Ich habe in einer Carrosserie beim Dreispitz am «Znünitisch» drei alte Holzstühle gesehen. Als ich sie umdrehte, bemerkte ich das Brandzeichen der Staatsmöbel, den Baslerstab, man sagte mir, sie seien vom Polizeiposten Wieland. Ich habe der Carrosserie die Stühle abgekauft. Ich kaufe also eigentlich unser eigenes Inventar zurück.

Haben Sie ein Budget?

Ja. Ich habe einen bestimmten Rahmen, in welchem ich mich bewegen kann. Er wird von der Kantonspolizei festgelegt.

Vor 10 Jahren durfte ich dann einen Tag pro Woche für das Museum arbeiten, dann wurden es schon bald zweieinhalb Tage.

Wie sind Sie damals, 1990, zum Kurator der Basler Polizeigeschichte geworden?

Ausschlaggebend waren zwei Motorräder. Ich bin bis vor zwei Jahren passioniert Töff gefahren. 1990 sollten dann die letzten beiden damals noch schwarz-weissen Polizeimotorräder verkauft werden, wie alle anderen zuvor auch. Wir haben uns dann mit dem damaligen Kommandanten in Verbindung gesetzt und gefragt, ob wir sie nicht behalten könnten. Auch die Idee eines Museums haben wir ihm offengelegt. Er gab uns dann das OK, unter einer Bedingung: Das Museum dürfe kein Geld kosten. Vor 10 Jahren durfte ich dann einen Tag pro Woche für das Museum arbeiten, dann wurden es schon bald zweieinhalb Tage.

Fehlten Sie dann nicht im Dienst?

Ich fehlte nicht auf der Liste der Ausrückenden, da ich wegen eines Motorradunfalls ab 2013 nicht mehr draussen im Dienst war. Der Verlust war also nicht so gross, Glück im Unglück sozusagen.

Waren Sie denn schon immer Polizist?

Ich habe ursprünglich Maschinenmechaniker gelehrt (heute Polymechaniker). Im Militär habe ich dann den Feldweibel gemacht und hatte stets den Wunsch, etwas in Uniform zu tun. Das Ziel war dann eigentlich, Berufssoldat zu werden. Ich hatte aber eine Freundin, von welcher ich mich hätte trennen müssen, da ich in eine Instruktorenschule in Thun hätte gehen müssen und wir uns zu selten gesehen hätten. Die naheliegendste Alternative für mich war deshalb die Polizei, wo ich dann auch angenommen wurde und die Polizeischule 1981/1982 machen konnte. Ein Jahrgang vor uns konnten erstmals Frauen die Ausbildung für den bewaffneten Dienst machen. Basel-Stadt war der erste Kanton, der dies ermöglichte.

Die Idee mit dem Polizeimuseum hatten Sie allein?

Zusammen mit einem Kollegen, der nach ein paar Jahren aber abgesprungen ist. Die Ursprungsidee war ein Motorradfahrer-Museum der Kantonspolizei Basel-Stadt. Da aber zu diesem Aufruf so viel Material aus allen anderen Abteilungen zusammenkam, entschlossen wir uns ein Polizeimuseum Basel-Stadt zu realisieren. Dann habe ich mit zwei solchen Schränken angefangen (haut mit der flachen Hand auf einen Metallschrank im Lager).

Für mich hat diese Sammlung einen unersetzbaren Wert, ich kenne da unten jeden Gegenstand.

Was gewichten Sie stärker, den monetären oder den ideellen Wert ihres Fundus?

Das ist schwierig, denn bei vielen Gegenständen kann man gar nicht sagen, welchen finanziellen Wert sie haben. Bei Waffen ist das möglich, bei den meisten Gegenständen geht es aber um den ideellen Wert. Für mich hat diese Sammlung einen unersetzbaren Wert, ich kenne da unten jeden Gegenstand. Ich habe schon Dinge von Witwen von Polizeibeamten erhalten, die mir die Erinnerungen weinend übergaben. Da hängen dann sehr viele Emotionen daran.

Geht es Ihnen auch darum, Basel zu erhalten?

Ich bin halt im St. Johann in Basel aufgewachsen und habe natürlich eine Beziehung zur Stadt. Ich hätte mir nicht vorstellen können, im Baselbiet Polizist zu sein, weil es einfach nicht mein Gebiet ist. Als «Töfflibueb» kenne ich Basel wie meine eigene Westentasche. Der Bezug zur Stadt, in welchem man den Polizeidienst ausübt, ist mir sehr wichtig. Deshalb denke ich bei all diesen Gegenständen, sie gehören eben zur Stadt und es ist ein Stück Basler Stadtgeschichte. Gewisse Gegenstände sind für mich so lebendig und erzählen eine scheinbar endlose Geschichte.

In welchem Moment haben Sie so richtig gespürt, wohin Ihr Weg Sie gebracht hat?

Früher als Kinder mussten wir immer auf dem St. Johanns-Posten unsere Velos zeigen gehen, um das neue Schildlein zu erhalten. Die alten Polizisten wirkten damals wahnsinnig eindrücklich und mächtig auf uns. Dann musste der Posten irgendwann schliessen und ich habe die Laterne abgeschraubt für das Polizeimuseum. Als Junge hätte ich nie gedacht, dass ich einmal derjenige sein würde, der diese Laterne mit der IWB zusammen abschraubt. Das ist mir damals ziemlich eingefahren. Heute habe ich alle Laternen von geschlossenen Posten eingelagert.

Wenn Sie einen Wunsch frei hätten, was würden Sie sich wünschen?

Ich würde mit einer Videokamera ins Jahr 1817 reisen wollen und beobachten, wie die Basler Polizei damals aufgebaut wurde und alle Beteiligten dabei filmen, wie sie vorgegangen sind. Das wäre wahnsinnig toll.