Wer sich vor 20 Jahren zu den Basler Star-Wars- oder Star-Trek-Fans zählte, kam kaum an der damals 24-jährigen Melanie Frick vorbei. Einerseits wortwörtlich, da sie im selbst genähten Kostüm als Jedi-Ritter verkleidet an der Kasse des Kinos Küchlin für den Einlass verantwortlich war. Andererseits, weil sie für andere Fans Kleider nähte und Star-Trek-Conventions organisierte. Ihre Lieblingsfigur war Spock. An Star Trek interessiert sie, «dass es nicht hier ist, dass es so ganz anders ist.» Wer Frick nun aber in die Science-Fiction-Schublade steckt, befindet sich im falschen Film: Mit der gleichen Begeisterung spricht sie über ruhigere, dokumentarischere Filme wie etwa «Il senso della bellezza» (Cern und der Sinn für Schönheit), der kürzlich in den kult.kinos lief.

Mechanik und Magie

Seit über 20 Jahren arbeitet Frick als Filmvorführerin für die kult.kinos. Dass sie das Küchlin – trotz Star Trek und Star Wars – 1997 verliess, lag daran, dass sie Lust hatte, die Rolle(n) zu wechseln: von der Kasse in den Filmvorführungssaal.

Sie war bereits drei Jahre als Kassiererin im Küchlin beschäftigt, als der Operateur sie in den Projektionsraum mitnahm. «Als ich diese Maschinen sah, wusste ich: Wow, damit will ich arbeiten.» Sie war fasziniert davon, wie ein einfaches Prinzip eine so komplexe Welt erschaffen konnte. «Mich begeisterte, dass diese Filmstreifen mit winzigen Bildern durch Licht und Bewegung eine Welt zaubern, in die man komplett eintauchen kann, wie in einen Traum.»

Hier in der Kammer die Mechanik. Und dort – sie blickt durch das Operateurfenster – an der Leinwand die Magie. Dazwischen der Operateur, der dafür sorgte, dass diese Verwandlung korrekt abläuft. Sie erkundigte sich nach der Möglichkeit, im Küchlin als Operatrice tätig zu sein. Frauen möchten sie für diese Aufgabe nicht einstellen, war die Antwort. Unter anderem, weil eine volle Filmrolle bis zu 30 Kilo wiege und nichts für schwache Arme sei. Frick, geübt im Krafttraining, sah darin mitnichten ein Hindernis. Sie schickte eine Blindbewerbung ans kult.kino und wurde dort sofort eingestellt. An vier Wochenenden erlernte sie das Handwerk der Operatrice. 14 Jahre lang kontrollierte, schnitt, klebte und spulte sie 35-Millimeter-Filme.

Mit der Umstellung 2012 von der analogen auf die digitale Projektion änderte sich Fricks Tätigkeit grundlegend. Statt dem dunklen Rattern des Projektors hört man in der Kabine nun das Rauschen der Lüftung des Servers und des Projektors. Die verschiedenen Programme, die in den fünf Sälen laufen, werden alle über einen Computer programmiert. Wenn der Techniker Roman Weiss im Urlaub ist, gehört auch das zu ihren Tätigkeiten.

Als Teamleiterin Kasse macht sie unter anderem die Arbeitspläne für die neun Mitarbeitenden. «Ohne Melanie wäre die Arbeit im Kino viel anstrengender», sagt die langjährige Mitarbeiterin Laura Salathe, «sie ist mit vollem Herzblut fürs Kino dabei und denkt an alles. Als wichtige Schnittstelle zwischen Verwaltung und Kinokasse sorgt sie für einen reibungslosen Ablauf.»

Nach einem Jahr des Übergangs, während dem sowohl analog wie digital projiziert wurde, verschwanden die Projektoren aus den Vorführungssälen. Frick, die in ihrer Freizeit künstlerisch anspruchsvolle Porträts von Menschen zeichnet, arbeitet gerne mit den Händen. Die manuelle Arbeit fehlt ihr seit der Umstellung. Ob sie deshalb mit Hammer- und Diskuswerfen angefangen hat? Sie lacht.

Tatsächlich gibt es einen Zusammenhang zwischen der Veränderung ihrer Arbeitstätigkeit und dem schwungvollen Hobby, das sie mit Begeisterung mehrmals in der Woche ausübt. Geblieben ist die Leidenschaft für den Film. Hat Frick einmal keine Gelegenheit, einen Film bereits frühzeitig zu sehen, tauscht sie sich mit den andern Mitarbeitenden aus.

Oder sie hört den Zuschauern zu. Zurzeit schwärmen viele von dem Film über Papst Franziskus. An ein Abendessen mit Spock und Franziskus würde sie gerne noch die Coen-Brothers, Kate Winslet und die Animationsfigur Mulan einladen. Mulan bewundert sie für den Mut, Winslet für die Wandelbarkeit und Ethan & Joel Coen für den skurrilen Humor.

Viel mehr Kundenkontakte

Verbrachte Frick vor 2012 bis zu sechs Stunden täglich in der Operateurkabine, sind es nun noch drei Stunden. Dafür arbeitet sie nebst der Verwaltung ebenfalls an der Kasse, hat viel mehr Kundenkontakt. An diese Verschiebung des Arbeitsfeldes – weg von den Maschinen, hin zu den Menschen – musste sie sich zuerst gewöhnen. Im Gespräch aufmerksam, offen und humorvoll, bezeichnet sie sich selbst als eher schüchtern.

Dass sie mehr mit Menschen über Filme sprechen kann, gefällt ihr. Und was sagen die denn so? «Zuschauer kommen an die Kasse und erzählen, dass ein Film sie berührt hat. Negatives Feedback bezieht sich etwa auf die Temperatur oder wenn ein Fehler passiert ist.» Die Anzahl der Unterbrüche ist ungefähr gleich wie zu Zeiten der Filmrollen. Damals konnte eine Spule blockiert, ein Bildstrich versetzt oder ein Objektiv verrutscht sein. Es gab ganz unterschiedliche Fehlerquellen und entsprechend spannend war das Lösen der Situation. Und heute? Da muss man zu 95 Prozent den Projektor neu starten.