Jahreswechsel
Vom zarten Funken Optimismus an einem bescheidenen Silvester – so startete Basel ins neue Jahr

In der Baseler Innenstadt wurde kein grosses Aufhebens um den Start ins neue Jahr gemacht. Diejenigen, die da waren, feierten im engsten Kreis, wie die Reportage der bz zeigt. Und die meisten haben einen Wunsch, erst noch den gleichen.

Tanja Opiasa-Bangerter
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Juri Junkov

Ganz im Zeichen des ungewöhnlichen Jahres, sitzt Robert Lauber vor den Toren des Basler Münsters auf einer Campinggarnitur. An dem gedeckten Tischchen, mit Kerzenlicht und Schaumwein führe er die Neujahrstradition seiner verstorbenen Frau weiter, sagt er kurz vor Mitternacht gegenüber der bz. «Corona ist für alle eine Herausforderung», meint Lauber, der mit seiner Partnerin auf den Stadtposaunenchor wartet. Die Turmbläser spielen jedoch am Silvesterabend bereits um fünf Uhr nachmittags zu einem unangekündigten Ständchen auf.

Nur die Lämpchen am Notenständer der Posauner brennen. Die Absage des mitternächtlichen Turmblasens wurde schon vor Wochen kommuniziert. Vom spontanen Einsatz wissen nur Eingeweihte. Im Kreuzgang herrscht andächtige Stille. Diese komme ihnen gerade Recht, meinen zwei Grossbasler, die den ausgefallenen Festivitäten auch Positives abgewinnen. «Wir feiern im kleinsten Kreis», meint er. Eine Tischbombe werde trotzdem gezündet, betont sie. «Traurig», findet eine Baselbieterin die melancholische Stimmung in den verlassenen Gassen. Beim Pisonibrunnen prosten sich vier Wetterfeste mit Plastikgläsern zu – in den Prosecco mischen sich Regentropfen. «Wir beenden das Jahr so ungemütlich, wie es war», sagt eine der Damen.

Jazz und Silvestersegen

In der offenen Kirche Elisabethen kommt bei Jazzklängen und einem Kerzenmeer, Wärme auf. Statt der geplanten musikalischen Lesung, empfängt eine Kirchengängerin von Pfarrer Frank Lorenz einen Silvestersegen. An der Kirchenpforte heisst man einen Bedürftigen willkommen: «Schön, dass du da bist», raunt ihm jemand zu.

Vereinzelt wummern Feuerwerkskörper, während sich die Strassen zunehmend leeren. Silvester in intimem Rahmen sei auch etwas Besonderes, betonen zwei Basler, die wir samt Sorbetjus im Einmachglas auf dem Weg zu Freunden treffen. Die rote Salve, die ein Familienvater zündet, erhellt den Himmel und die Kinder jauchzen. Und gleich legt sich wieder Stille übers Rheinufer. Im neu-eröffneten Hotel Volkshaus wird das Dessert serviert – rund 50 Hotelgäste geniessen ein kostspieliges Stück Normalität. Die Zimmer seien fast ausgebucht, betont der Leiter Gastronomie Cyrill Lang. Für den Countdown habe man nur einzelne Tischbomben geplant – «ganz rudimentär», betont er.

Bescheidene Neujahrswünsche

Beim Tinguely Brunnen feiern drei Brüder den Jahreswechsel: «Hauptsache wir sind zusammen», sagen die jungen Männer. «Eine Katastrophe», findet die 19-jährige Praktikantin Francesca den diesjährigen Silvester. «Wir sind nass und können nirgends hin», stimmen ihre schlotternden Kollegen, die in der Unterführung im Partyoutfit auf dem Trockenen sitzen, mit ein. Der Frust über das einschneidende Jahr sitzt besonders bei der Jugend tief. Neujahrswünsche? «Kein Corona», sagen sie im Chor.

Vor dem Münster treffen wir auf ein betagtes Paar. «Wir machen das Beste draus», betonen die beiden und ringen sich ein Lächeln ab. «Es ist, wie es ist», sagen sechs Engländer, die sich am Glühwein wärmen. Noch drei Minuten bis Mitternacht. In das Glockengeläut versunken und die Regenjacke tief ins Gesicht gezogen, zählt eine junge Frau die Sekunden. Ein Gebetsspruch wird an die Kirchenmauer projiziert. Von der mittleren Brücke steigen Feuerwerke auf, ein Goldregen rieselt vom St. Alban her auf den Rhein. «Damit hätte ich nicht gerechnet», schwärmt jemand. Freunde liegen sich kurz in den Armen. Die Magie eines neuen Anfangs – sie ist für einmal greifbar nah.