Fasnacht
Vier Basler erhalten in Boston den Ehrendoktor in «Schnitzelbankologie»

Der Basler Schnitzelbank «Die Aabrennte» sei natürlich bewusst, dass dieser Doktor keinen wissenschaftlichen Hintergrund habe – er gelte nämlich nur während der Fasnacht und beziehe sich lediglich auf sie, nicht auf die Personen dahinter.

Silvana Schreier
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Der Schnitzelbank «Die Aabrennte» besuchten bereits 2013 den «Mardi Gras» in New Orleans: Ihre Larven seien für die Amerikaner aussergewöhnlich.

Der Schnitzelbank «Die Aabrennte» besuchten bereits 2013 den «Mardi Gras» in New Orleans: Ihre Larven seien für die Amerikaner aussergewöhnlich.

Nelson Mandela erhielt über 50 Ehrendoktorate. Der Dalai Lama wurde 43-mal zum Ehrendoktor ernannt. Den weltweiten Rekord mit 150 Ehrendoktorwürden hält seit Jahrzehnten der amerikanische Theologe Theodore Hesburgh. Einen Ehrendoktor erhält man für besondere akademische oder wissenschaftliche Verdienste. Nun erhält erstmals ein Schnitzelbank einen solchen Titel: Er geht an den vierköpfigen Basler Schnitzelbank «Die Aabrennte».

Schnitzelbänke auf Englisch

«Bei dem Ehrendoktor in Schnitzelbankologie handelt es sich um einen Jux der Schnitzelbänkler», erklärt Nicole Sütterlin, Professorin für Germanistik an der Harvard University Cambridge in Boston. Sütterlin ist eine gute Freundin der «Aabrennte». Ein Besuch in Cambridge lag für die Fasnächtler, die sich auf eine kleine USA-Reise begeben, auf der Hand.

«Wir werden am Mittwoch ein Referat über die Fasnacht halten und mehrere Schnitzelbänke vortragen», sagt Sebastian, einer der vier Schnitzelbänkler, die traditionsgemäss anonym bleiben möchten. Den Studierenden möchten «Die Aabrennte» die Basler Kultur näher bringen. Deshalb schrieben sie eigens für diesen Vortrag neue Verse auf Englisch und Schriftdeutsch. «Das war ungewohnt. Wir merkten, dass es auf Baseldeutsch halt schon besser klappt.» Hauptsächlich würden sie internationale Themen ansprechen. So gehe es beispielsweise um die Abhörmethoden der NSA oder um den Super-Bowl-Gewinn der New England Patriots. Mit kurzen Einleitungen zu den einzelnen Schnitzelbänken versuchen die vier Basler, den Studierenden die Art und Weise ihres Sprechgesangs zu erklären.

«Die Aabrennte»

Dialekt

Es seit e Rössli zue sym Partner dört in Ängland z mittst im Klee:

„Listen, I feel old und gwagglig und my Rossgebiss duet wee.

Wenn my finale Ussritt kunnt und ich mi leg zur letschte Rue,

Denn degg mi bitte sanft mit eme Blatt Lasagne zue.“

Hochdeutsch

Es spricht ein Pferdchen mit dem Partner dort in England tief im Klee:

“Listen I feel old und wacklig und mein Rossgebiss tut weh.

Wenn mein finaler Ausritt kommt und ich mich leg zur letzten Ruh,

Dann deck mich bitte sanft mit einem Blatt Lasagne zu.”

Englisch

In England on a meadow stands a horse and speaks to its best friend:

“Listen I feel old and weak i guess my life comes to its end.

When I do my final stride and then forever rest my feet,

Would you cover my remains with a lasagna sheet.”

«Wir sind sehr stolz»

Im Anschluss an die Präsentation der Schnitzelbänkler folgt die Übergabe des Ehrendoktors in Schnitzelbankologie: «Es bedeutet uns alles, diesen Titel verliehen zu bekommen. Wir sind sehr stolz», erzählt Sebastian. Ihnen sei natürlich bewusst, dass dieser Doktor keinen wissenschaftlichen Hintergrund habe – er gelte nämlich nur während der Fasnacht und beziehe sich lediglich auf «Die Aabrennte», nicht etwa auf die einzelnen Personen dahinter. Trotzdem würden sie sich geehrt fühlen, als erster Schnitzelbank eine solche Auszeichnung zu erhalten.

Die Reise nach Boston ist für die Basler keine Arbeit: «Wir machen das aus Spass und finanzieren darum auch alles selber.» Nach dem Vortrag und der Verleihung machen die vier noch einen kurzen Trip: Mit einem Mietwagen wollen sie zuerst nach Memphis und anschliessend weiter nach New Orleans. Am 17. Februar findet dort der «Mardi Gras», wörtlich der «Fette Dienstag», statt. Der letzte Tag des Karnevals in New Orleans wird mit grossen Umzügen durch die Stadt gefeiert. Vor zwei Jahren haben die Schnitzelbänkler schon einmal teilgenommen. Eindrücklich sei es gewesen: «Die Amerikaner waren fasziniert von unseren Larven. So was kennen sie dort nicht», erzählt Sebastian. Drei Tage vor dem Morgestraich reisen die vier dann wieder zurück in die Heimat – mit ihrem Ehrendoktor im Gepäck.