Universität Basel
Psychische Belastung wegen Corona bleibt gross: Am schwersten wiegt bei Jugendlichen der Schuldruck

Die Pandemie macht den Jugendlichen weiterhin schwer zu schaffen. Dies zeigt eine Umfrage der Universität Basel unter Gymnasiasten. Nebst dem schulischen Druck sind auch Ansteckungen von nahestehenden Personen ein Thema.

Larissa Gassmann
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Der schulische Druck ist gross: 46 Prozent der Befragten gaben an, deswegen stark oder sehr stark gestresst zu sein. (Symbolbild)

Der schulische Druck ist gross: 46 Prozent der Befragten gaben an, deswegen stark oder sehr stark gestresst zu sein. (Symbolbild)

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Nach wie vor bleibt die psychische Belastung im Zuge der Pandemie unter den Jugendlichen gross. Gar unter schweren depressiven Symptomen leiden dabei 27 Prozent. Dies zeigt eine Umfrage, die Forschende der Universität Basel zusätzlich zur Swiss Corona Stress Study durchgeführt haben. Befragt wurden dabei 400 Gymnasiastinnen und Gymnasiasten, mehrheitlich zwischen 16 und 19 Jahren alt.

Schwer wiegt dabei vor allem der empfunden Leistungsdruck an der Schule. Er wird als «gewichtigster Belastunsgfaktor» aufgeführt. So gaben 46 Prozent der Befragten an, deswegen stark oder sehr stark gestresst zu sein. Verstärkt unter depressiven Symptomen leiden dabei Schülerinnen und Schüler, welche berichteten, dass der schulische Druck durch die Pandemie grösser geworden sei. Dafür verantwortlich ist unter anderem der verpasste Stoff wegen Schliessungen und Quarantäne.

29 Prozent der Befragten haben Angst vor Long Covid

Die zwischenzeitliche Umstellung auf den Fernunterricht kam für 41 Prozent der Schüler einer Entlastung gleich, 46 Prozent gaben wiederum an, es sei eine Belastung. Des Weiteren quälten die Jugendlichen Sorgen um eine schlechtere Ausbildung oder schlechtere berufliche Chancen. Dazu kommt die Angst vor einer Beschädigung des sozialen Netzwerks aufgrund der Pandemie.

«Die psychische Belastung bei Jugendlichen ist nach wie vor sehr hoch», wird Prof. Dr. Dominique de Quervain zitiert. Tatsächlich seien kinder- und jugendpsychiatrische Praxen und Institutionen seit Herbst schweizweit voll ausgelastet und zum Teil gar überlastet. Die nun fertiggestellte Umfrage sollte dabei helfen, mehr über mögliche Faktoren depressiver Symptome zu erfahren. So wurden zusätzliche Fragen zu den Themen Schule, Massnahmen und soziales Leben gestellt. «Die gewichtigsten Stressfaktoren haben mit der Schule zu tun, insbesondere mit Schuldruck. Diese Erkenntnis ist wichtig, um Jugendlichen bestmöglich helfen zu können», so de Quervain.

Gleichzeitig förderte die Umfrage weitere Erkenntnisse zu Tage. So würden sich 69 Prozent der Befragten impfen lassen. 29 Prozent haben dazu eine «mittlere bis starke Angst», nach einer Ansteckung an Long Covid zu leiden. Auch die Sorge um das Umfeld ist gross. So fürchten sich nur 4 Prozent nicht davor, ihre Eltern, Grosseltern oder andere nahestehende Personen, welche zur Risikogruppe gehören, anzustecken.

Am stärksten betroffen ist die jüngste Gruppe der 14- bis 24-Jährigen

Durchgeführt wurde die anonyme Umfrage zwischen 8. und 24. März an verschiedenen Gymnasien der Nordwestschweiz. 383 der 393 anwesenden Gymnasiastinnen und Gymnasiasten haben sie letztendlich vollständig ausgefüllt abgegeben. «Alle berichteten Zusammenhänge der Stressfaktoren mit depressiven Symptomen sind statistisch hoch signifikant», heisst es dazu. Erhoben wurden die Symptome mit dem sogenannten PHQ-9 Fragebogen. Dieser wird oft zur Diagnose verwendet.

Bereits die Befunde der Swiss Corona Stress Study zeigten, dass die psychische Belastung im Verlauf des Coronajahres gestiegen ist. Laut der letzten Erhebung im November betrug der Anteil von Befragten mit schweren depressiven Symptomen 18 Prozent. Davon am stärksten betroffen ist die jüngste Gruppe der 14- bis 24-Jährigen, dort sind es 29 Prozent.