Psychiatrie
Uniklinik der Psychiatrie richtet neue Station für Jugendliche ein

Die Uniklinik der Psychiatrie UPK Basel richtet für straffällig gewordene Jugendliche eine forensische Station ein – die erste in der Schweiz. Ende Oktober wird die neue Jugendforensische Station eröffnet. Vorgesehen sind 12 bis 14 Plätze.

Bea Asper
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Blick auf das Hauptgebäude der UPK: Ende Oktober wird eine Jugendforensische Station eröffnet.

Blick auf das Hauptgebäude der UPK: Ende Oktober wird eine Jugendforensische Station eröffnet.

Martin Töngi

Damit wird eine Versorgungslücke geschlossen in der Behandlung von psychisch kranken Jugendlichen, die straffällig geworden sind. Diese wurden bisher im ambulanten Rahmen behandelt.

Diese Behandlungsform sei nicht befriedigend gewesen, erklärt Oberarzt Peter Tischer, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie. «Bei schweren psychischen Störungen straffälliger Jugendlicher stellt eine ambulante Behandlung oft eine Überforderung dar und in anderen Einrichtungen wie Heimen oder Gefängnissen ist die Behandlung ebenfalls nicht optimal möglich.» Die schweizweit zuweisende Behörde, in der Regel ist es die Jugendanwaltschaft, garantiert jeweils eine Kostengutsprache – oft kommen Leistungen der Krankenkasse zum Tragen.

Da im deutschsprachigen Raum nicht mehr als ein paar spezialisierte Einrichtungen bestehen und es in der Schweiz keine ähnliche Einrichtung gibt, hat die Uniklinik ein neues Behandlungskonzept erstellt.

Sicherheitssystem hinterfragt

Laut Tischer beinhaltet dies eine Psychotherapeutische und -pharmakologische Behandlung durch Fachärzte und Fachpsychologinnen. Ihnen zur Seite steht ein multiprofessionelles Betreuerteam, im Kern bestehend aus Fachpflegekräften und Sozialpädagoginnen. Vorgesehen sind Einzel- und Gruppentherapieangebote sowie eine Beschulung durch zwei Lehrpersonen, verbunden mit berufsvorbereitenden Massnahmen durch Ergo- und Arbeitstherapeuten.

«Eine behandelbare psychische Störung ist Eintrittskriterium, nicht alleine die Gewalttätigkeit», erklärt Tischer. «Bei einigen psychiatrischen Störungsbildern besteht durchaus Hoffnung auf Heilung, bei anderen zumindest auf Besserung.»

Nachdem vor kurzem ein Ausbruch eines erwachsenen Straftäters Aufsehen erregte, hat die Klinik ihr Sicherheitssystem hinterfragt, Verbesserungen vorgenommen und auf die neue Station ausgerichtet.

Bruchfestes Glas

Gemäss Tischer ist «die personelle Ausstattung der Jugendstation komfortabel und gewährt dadurch mehr Sicherheit». Alle Türen seien verschlossen und könnten nur von den Mitarbeitenden geöffnet werden. Die Fenster sind aus bruchfestem Glas und lassen sich nicht öffnen. Ausserdem zählt man auf das klinikinterne Alarmsystem und auf den bewährten Sicherheitsstandard der beiden forensischen Stationen für Erwachsene im Haus.

Auf die Frage, wie es für die Jugendlichen nach dem Austritt der Station weitergeht, sagt Tischer: «Je nach Funktionsniveau werden geeignete Heimplätze für sie gesucht oder die Jugendlichen gehen wieder von zu Hause aus in die Schule, an einen geschützten Ausbildung- oder Arbeitsplatz.» Sie werden dann ambulant durch die Jugendforensische Ambulanz weiterbetreut und -behandelt.

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