Cargo Sous Terrain
Umstrittenes unterirdisches Gütertransport-System: Kantonalbank investiert in Vision

33 Milliarden soll das unterirdische Gütertransport-System Cargo Sous Terrain kosten. Dieses aber ist umstritten.

Daniel Ballmer
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So könnte das unterirdische Gütertransportsystem «Cargo sous terrain» aussehen. (Archiv)

So könnte das unterirdische Gütertransportsystem «Cargo sous terrain» aussehen. (Archiv)

KEYSTONE/LOGLAY/NITIN DESIGN

Das Projekt erscheint visionär, fast schon utopisch. Doch mittlerweile hat es einen beachtlichen Reifegrad erreicht: In der Schweiz soll mit Cargo Sous Terrain (CST) ein unterirdisches Netz erstellt werden, in dem kleine autonome E-Fahrzeuge Güter transportieren.

Unterhalb der Staus auf Strassen und Schienen sollen die Waren in Tunnels von Logistikzentren in die Städte geführt und von dort fein verteilt werden. Vorgesehen ist, dass bereits 2025 mit dem Bau einer ersten Teilstrecke zwischen Härkingen und Zürich gestartet wird.

Anfangs April hat das 33-Milliarden-Projekt eine wichtige Hürde genommen: Der Bundesrat will ein «Gesetz über den unterirdischen Gütertransport» schaffen, das den Bau von CTS erleichtern würde. Selber aktiv werden will der Bund allerdings nur, wenn die private Finanzierung gesichert ist.

Und diese scheint auf gutem Weg zu sein: An ihrer Generalversammlung von vergangener Woche konnte die Cargo Sous Terrain AG mittlerweile über 50 Aktionäre aus zahlreichen Branchen begrüssen. Neben Coop, Migros, der Post, Swisscom oder der Mobiliar will neu auch die Credit Suisse mithelfen, die Finanzierung des Projekts sicherzustellen. Und auch die Basellandschaftliche Kantonalbank (BLKB).

Gewinn nicht im Vordergrund

«Die von Forbes als beste Bank in der Schweiz prämierte BLKB sieht mit ihrem Engagement die Chance, sowohl die schweizerische Wirtschaft als auch die Zukunftsfähigkeit des Landes zu stärken», wirbt die CST AG in einer Medienmitteilung.

Das wird von der Baselbieter Bank im Grundsatz bestätigt: «Bei der Investition in Cargo Sous Terrain steht für die BLKB nicht der finanzielle Ertrag im Vordergrund», erklärt Sprecherin Deborah Jungo. Es gehe vielmehr um die von CST genannten Gründe. Zudem unterstütze die BLKB so ihre Position «als nachhaltige, zukunftsorientierte Bank».

Bei der Investition in Cargo Sous Terrain steht für die BLKB nicht der finanzielle Ertrag im Vordergrund.

(Quelle: Deborah Jungo Basellandschaftliche Kantonalbank)

Das visionäre Projekt stösst allerdings auch auf grosse Skepsis. Etwa beim Verband des öffentlichen Verkehrs (VöV), der 130 Transportfirmen vertritt. «Wir glauben nicht, dass sich das Projekt eigenwirtschaftlich betreiben lässt», lässt sich VöV-Direktor Ueli Stückelberger in der NZZ zitieren. Die Volumina seien dafür schlicht zu klein.

Auch spreche die zerstreute Siedlungs- und Produktionsstruktur der Schweiz gegen das Projekt. Sie mache den Bau vieler Hubs nötig, was aufwendig und teuer sei. Transportunternehmer Nils Planzer wiederum zweifelt daran, dass sich mit den Gütertunnels die Engpässe auf der Strasse beseitigen liessen: «Die Stauproblematik stellt sich vor allem in den Agglomerationen um die Städte herum. Dort schafft CST aber keine Abhilfe, da es vor allem die Pendler sind, die für die Verkehrsüberlastung sorgen.»

Auch Bund zeigt gewisse Skepsis

Sogar Peter Füglistaler scheint von dem Projekt nicht restlos überzeugt zu sein. Die Realisierung von CST werde sicher länger dauern als angenommen, hatte der Direktor des Bundesamtes für Verkehr (BAV) kürzlich an einem Branchenanlass erklärt. Auch müsse die Wirtschaftlichkeit erst noch erwiesen werden, zitiert ihn die NZZ. Fazit des BAV-Chefs: Die Bahn könnte schneller die nötigen Kapazitäten herstellen als CST – zumal bisher der Güterverkehr gegenüber dem Personenverkehr benachteiligt werde, was naturgemäss die Konkurrenzfähigkeit der Bahn beeinträchtige.

Die Basellandschaftliche Kantonalbank aber scheint sich von diesen Bedenken nicht beeindrucken zu lassen: «Die Investition der BLKB bewegt sich im tiefen einstelligen Prozentbereich der bis jetzt finanzierten Projektsumme», sagt Sprecherin Jungo. Konkret: 450'000 Franken. Der Bundesrat hatte gegenüber den Initianten klargestellt, dass CST bis Mitte Juli verbindliche Finanzierungszusagen von insgesamt mindestens 100 Millionen Franken vorweisen muss.

Kein Geld gibt es von der Basler Kantonalbank: «Ein Engagement bei der Cargo Sous Terrain AG liegt zurzeit nicht in unserem strategischen Fokus», schreibt die BKB auf Anfrage. Die BLKB hingegen habe bewusst entschieden, vor der Baubewilligungsphase in das Projekt zu investieren. «In der jetzigen Phase schätzen wir die Unterstützung als am wertvollsten für das Projekt ein», sagt Jungo.

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