Arbeitslosigkeit
Trotz mehr Arbeitslosigkeit ist die Wirtschaft der Region gut aufgestellt

Die Arbeitslosenzahlen in beiden Basel nehmen zu, aber viel weniger stark als befürchtet. Die leichte Zunahme erfolgt aus saisonalen Gründen. Für die kommenden Monate ist ein weiterer leichter Anstieg zu erwarten. Grundsätzlich schätzen Experten die Lage aber recht positiv ein.

Stefan Schuppli
Merken
Drucken
Teilen
Der «Hammering Man» steht als Symbol für die Arbeit bereits seit 1989 am Aeschenplatz.

Der «Hammering Man» steht als Symbol für die Arbeit bereits seit 1989 am Aeschenplatz.

Keystone

Eine ganze Serie von Hiobsbotschaften musste die Region in den vergangenen Monaten hinnehmen: Zahlreiche Firmen kündeten einen Arbeitsplatzabbau an, es gab Betriebsschliessungen. Prominentestes Beispiel: das Grounding der Fluggesellschaft Hello. Gestern sind die mit leichtem Bangen erwarteten November-Arbeitslosenzahlen publiziert worden.

Sie sind mit einer Zunahme von 67 Personen in Basel und 228 im Kanton Baselland erstaunlich tief ausgefallen. Die Arbeitslosenquote stieg um jeweils 0,1 Prozentpunkte auf 3,7 (BS) respektive 2,7 Prozent (BL). Schweizweit lag die Zunahme bei 0,2 Prozentpunkten und liegt nun bei 3,1 Prozent.

Konjunkturelle Gründe

«Die Konjunktur kühlt sich ab, aber nur sehr gemächlich», sagt Prof. George Sheldon, Dozent für Arbeitsmarkt und Industrieökonomie an der Uni Basel. Deutschland, der wichtigste Handelspartner der Schweiz, spüre zwar auch eine Abkühlung, aber auch dort sei die Abwärtsbewegung moderat. Die Krise in Europa beschränke sich im Wesentlichen auf den Süden. Andere Regionen seien weniger oder gar nicht betroffen. Insgesamt sei die Schweizer Wirtschaft «gut aufgestellt». Probleme bereite der Exportindustrie hingegen der hohe Schweizer Franken.

Saisonale Abschwächung

Ein weiterer Faktor spielt eine Rolle: die Saison. Gegen den Winter steigt die Arbeitslosigkeit immer an, dies vorab wegen der Bauwirtschaft. Im Frühling/Sommer werden dann wieder mehr Leute eingestellt. Sheldon rechnet mit einem Saisonfaktor von rund 0,1 Prozentpunkten. Hansjürg Dolder, Leiter des Arbeitsamtes Basel-Stadt, schätzt diesen sogar auf 0,2 bis 0,3 Prozentpunkte. Mit anderen Worten: Eliminiert man den Saisoneffekt, ist die Arbeitslosigkeit stabil bis sinkend. «Das ist ein gutes Zeichen», sagt er. Die Region profitiere von einer starken Life-Science-Industrie, und diese sei etwas weniger empfindlich auf Konjunkturschwankungen und auch die Frankenstärke wirke sich nicht so dramatisch aus.

Wird Arbeitslosigkeit nicht einfach exportiert, indem bei den Grenzgängern – in der Region Basel sind das immerhin 70 000 Personen – abgebaut wird? Dolder verneint. Die Zahl der französischen Grenzgänger stagniere, die der deutschen nehme sogar leicht zu.

Aussichten durchzogen

Die Aussichten für den Arbeitsmarkt sind etwas durchzogen. Dolder erwartet in den kommenden Monaten eine weitere Zunahme der Arbeitslosenzahlen. Dies sei aber wiederum der Saison und nicht der Konjunktur geschuldet. Der Beschäftigungsbarometer für die Region zeige nach wie vor nach oben. Die Nordwestschweiz weist als einzige Region im Jahresvergleich einen positiven Wert aus, wenn auch nur einen kleinen.

Basel als Sonderfall

Warum hat Basel eine höhere Arbeitslosenquote, wenn doch hier die erfolgreiche und wachstumsverwöhnte Life-Science-Industrie ansässig ist? Die Antwort fällt relativ einfach aus: 30 Prozent der Wohnbevölkerung sind ausländisch. Diese sind oftmals ungelernt, haben Sprachprobleme und sind deshalb schwieriger vermittelbar. «Ungelernte haben auf dem Arbeitsmarkt ein dreimal höheres Risiko als Menschen mit einem Abschluss», sagt Dolder.

Ein Wermutstropfen sind gemäss Dolder die Zahlen der jüngeren Arbeitslosen, die nicht, wie saisonal üblich, nach einer Spitze im Sommer (Ausbildungsabschlüsse) zurückgegangen sind. Warum das so ist, kann Dolder momentan nicht erklären.

Rekord: Teuerung zum 13. Mal im Minusbereich

Im November haben die Basler Konsumentenpreise auf breiter Front nachgegeben. Der Index sank gegenüber dem Vormonat um 0,3 Prozentpunkte auf 99,2 Punkte. Die Jahresteuerung, das heisst die Teuerung zwischen November 2011 und November 2012, ist damit zu 13. Mal in Folge rückläufig. Man muss in der Statistik bis 1949/1950 zurückgehen, bis man eine vergleichbare Situation antrifft. Damals war die Teuerung fast zwei Jahre negativ. Ein Grund für den Rückgang ist beim starken Franken zu finden. Das macht die Importe billiger. Nur: Viele Importeure gaben die Währungsgewinne nur sehr zögerlich an die Konsumenten weiter. Das hat sich jetzt möglicherweise etwas gebessert. Die etwas abgekühlte Konjunktur bremst die Teuerung ebenfalls: Der Konkurrenzdruck ist gross, Konsumentinnen und Konsumenten reagieren empfindlich auf Preiserhöhungen.

Im Einzelnen wurden günstiger: Benzin (-4,6 Prozent), Heizölpreise (-4,2 Prozent) Nahrungsmittel und alkoholfreie Getränke (-0,8Prozent) und Bekleidung (-0,4 Prozent). Teurer wurden Wein und vor allem Bier (+0,6 Prozent).

Nicht im Index erfasst sind die Krankenkassenprämien. Das ist ein Dauerärgernis, aber es ist erklärbar. Im Index werden nur Preise erfasst. Krankenkassenprämien sind aber ein Produkt von Menge mal Preis, oder anders ausgedrückt: Steigende Prämien enthalten auch eine Mengenausweitung. Spital- und Arzttarife sowie Medikamentenpreise werden jedoch erhoben und finden im Index Eingang. (sts)