Porträt
Tadesse Abraham: Der Seriensieger am Basler Stadtlauf

Am traditionellen Basler Stadtlauf begeistert vor allem die Atmosphäre, da stehen sportliche Leistungen hinten an. Nicht aber für Tadesse Abraham. Einst ging er als Unbekannter an den Start – inzwischen ist er Seriensieger.

Jörg Greb
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«Ich möchte meine Serie fortsetzen, will zum sechsten Mal gewinnen.»

«Ich möchte meine Serie fortsetzen, will zum sechsten Mal gewinnen.»

KEYSTONE

Die November-Reise mit seiner Familie vom Wohnort Genf nach Basel ist für Tadesse Abraham mittlerweile Tradition. Der Halbmarathon-Europameister und Olympia-Siebte von diesem Sommer hat eine innige Beziehung zum Stadtlauf aufgebaut. Zehn Mal ist der 34-Jährige schon gelaufen, seitdem er sich 2004 zusammen Simon Tesfay (auch er läuft in Basel) vom eritreischen Cross-WM-Team abgesetzt hatte und als Flüchtling in die Schweiz kam. Und seit 2011 ist Abraham ungeschlagen – was ihn zum Rekordsieger macht. «Nach Basel komme ich immer besonders gerne», sagt er und verweist auf die geliebten Basler Läggerli. Das Ziel am heutigen Basler Stadtlauf ist klar: «Ich möchte meine Serie fortsetzen, will zum sechsten Mal gewinnen.»

Einen gewichtigen Unterschied zu den letzten Triumphen lässt sich allerdings ausmachen. Zuerst gewann der Bescheidene praktisch als Unbekannter. Sodann wurde er als Vorjahres- und Gewinner seit 2011 begrüsst. Und 2014 erstmals als Schweizer.

Doch jetzt blickt er auf eine Glanzsaison zurück. Zuerst verbesserte er den Schweizer Marathonrekord des Europameisters von 2010, Viktor Röthlin, um 43 Sekunden auf international beachtliche 2:06:40 Stunden. Mitte Juli wurde er seiner Favoritenrolle an den Europameisterschaften in Amsterdam über die Halbmarathon-Distanz eindrücklich gerecht. Abraham gewann Gold und leistete den Hauptpart zum Schweizer Team-EM-Titel. Und –
vielleicht das Meisterstück überhaupt: Im Marathon bei den Olympischen Spielen in Rio lief er als klar bester Europäer auf Position 7.

Diese Taten galt es zu feiern. Im privaten Kreis tat er dies. Vor einer Woche wurde er zum Schweizer Leichtathleten des Jahres gekürt. Beim Fanclub-Treffen am letzten Sonntag spürte er, für welche Freude er bei seinen engsten Anhängern gesorgt hat. Solche Honorierungen begleiten ihn. Er sagt: «Die Vorweihnachtsläufe wie in Basel inspirieren mich.» Er tritt in eine Art Dialog mit seinen Anhängern am Strassenrand. Und sportlichen Profit schlagen will er auch. Er nutzt die Rennen zum Formaufbau. Der London-Marathon nächsten April bildet sein nächstes grosses Ziel. Den Europarekord (2:06:07) will er in der britischen Metropole angreifen.

Premieren zum Schluss

Neben Favorit Abraham ist beim Stadtlauf mit Julien Lyon ein weiterer Team-EM-Goldmedaillengewinner am Start. Spannung angesagt ist ebenso bei den Frauen (21.11 Uhr – 2 Minuten vor den Männern). Die Hauptfrage: Machen Tola Bekele (Äth), Martina Strähl und Lucy Sekanova (Tch) die Podestplätze erneut unter sich aus? Vor allem die Solothurnerin Strähl blickt auf einen hervorragenden Herbst zurück - mit Siegen am Jungfrau-Marathon und beim Murtenlauf und ihren glänzenden 2:30:58 Stunden beim Frankfurt-Marathon. Ebenfalls am Start sein wird die Berner Marathon-Rekordhalterin Maja Neuenschwander. Wegen einer Terminüberschneidung verzichtet die letzte Schweizer Siegerin Fabienne Schlumpf. Die Stadtlauf-Erste von 2014 läuft am Sonntag in Tilburg (Ho) das Qualifikationscross für die Cross-EM.

Erstmals in die beiden Elite-Rennen integriert sind zwei Nachwuchselite-Rennen über eine Teildistanz. Läuferinnen und Läufer des Regionalen Leistungszentrums Nordwestschweiz erhalten so die Gelegenheit, sich dem Heimpublikum in ganz speziellem Rahmen zu präsentieren.

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