Stücki-Center
Stücki vor dem Ruin? Vertreter des Centers setzen sich zur Wehr

Der bekannte Unternehmer Walter Fust sagt öffentlich, das Stücki sei nicht profitabel. Jan Tanner, Geschäftsführer des Shopping-Centers und die Besitzer-Firma widersprechen und sehen einen positiven Trend.

Moritz Kaufmann
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Kann das Stücki direkt an der Grenze zu Deutschland bestehen? Das fragt sich Basel seit drei Jahren.

Kann das Stücki direkt an der Grenze zu Deutschland bestehen? Das fragt sich Basel seit drei Jahren.

Keystone

Das ist dicke Post für das Stücki-Center: In einem Interview mit der Wirtschaftszeitung «Finanz und Wirtschaft» nennt Walter Fust, der Gründer der Elektronik-Waren-Kette «Dipl. Ing. Fust», den Basler Einkaufstempel eine «Shopping-Center-Ruine». Für den bekannten Unternehmer und Investor ist das Stücki in der gegenwärtigen Form «nicht erfolgreich zu betreiben.»
Fust macht diese harten Aussagen nicht einfach aus dem Stegreif. Bis vor kurzem hielt er fast fünf Prozent an der Immobilien-Firma Swiss Prime Site (SPS), der das Stücki gehört. In der «Finanz und Wirtschaft» wirft Fust der SPS vor, den Wert der Stücki-Liegenschaft mit 325 Millionen Franken viel zu hoch auszuweisen. Diese habe höchstens einen Wert von 140 bis 168 Millionen Franken. Fust schliesst daraus, dass wegen Immobilien wie der Stücki die SPS-Aktien zu hoch bewertet seien. Deshalb habe er beschlossen, seine SPS-Anteile zu verkaufen.

«Talsohle durchschritten»

Die schlechte PR, die Fust über das Stücki-Center verbreitet, kommt dort ganz schlecht an. Insbesondere, weil Geschäftsführer Jan Tanner glaubt, die Talsohle durchschritten zu haben: «Wir hatten in den Monaten August und September 20 Prozent mehr Besucher gegenüber dem Vorjahr. Es geht wieder aufwärts», sagt er auf Anfrage. Die Bezeichnung «Shopping-Center-Ruine» kann er nicht nachvollziehen. «Die Handelszeitung hat das Stücki-Center vor zwei Jahren zum schönsten und modernsten Center der Schweiz gekürt. Ein Kommentar erübrigt sich deshalb von selbst», sagt er spürbar genervt. Das ewige Totreden seines Einkaufscenters störe ihn, gibt er zu. Doch Tanner will sich nicht irritieren lassen: «Wir vom Center-Management haben den Auftrag, das Shopping-Center vorwärtszubringen. Da sind wir auf einem guten Weg.»

Stücki-Besitzerin widerspricht

Bei der SPS, die ihren Firmensitz in Olten hat, widerspricht man Unternehmer Fusts Einschätzungen: «Das Stücki-Center ist in Anbetracht unseres heutigen Wissensstands richtig bewertet», sagt Sprecher Peter Wullschleger. Die Immobilienfirma hat das Stücki 2009 mitübernommen, als sie Liegenschaften der Jelmoli Holding gekauft hat, zu denen auch das Stücki gehörte. Man sei sich im Klaren gewesen, worauf man sich mit dem Stücki einlasse. «Wir wussten, dass ein Shopping-Center in Grenznähe besonders unter dem tiefen Euro-Kurs leidet», sagt Wullschleger deshalb.

«Die Aussagen von Herrn Fust stimmen nicht, weil er den Wert einer Liegenschaft nach dem Umsatz berechnet. Das ist nicht üblich», erklärt der SPS-Sprecher weiter. Er macht ein Beispiel: «Wenn ein Shopping-Center in einem Jahr einen Einbruch von 20 Prozent hat, heisst das nicht, dass die Liegenschaft plötzlich 20 Prozent weniger Wert ist.» Wullschleger betont aber, dass das Stücki-Center keinen solchen Umsatzeinbruch hatte.

So oder so: Walter Fust hat sich seines Risikos entledigt und die Swiss Prime Site glaubt weiter an den Erfolg ihres Basler Shopping-Centers an der Landesgrenze zu Deutschland. Die Zukunft wird zeigen, wer recht behält.

Das Interview der «Finanz und Wirtschaft» mit Walter Fust finden Sie hier.

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