Baloise Session
Stress bringt mit Partyanimation von Weltrang den Saal zum Kochen

Nach eher hilflosem Start zeigte Rapper Stress Hip-Hop auf höchstem Niveau. Unterstützung erhielt er dabei von Bastian Baker und Noah Veraguth von Pegasus. Gemeinsam setzten die drei Musiker zu einem mitreissenden Finale an.

Tumasch Clalüna
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Das Publikum erfüllte Stress den Wunsch, sich von den Stühlen zu erheben.

Das Publikum erfüllte Stress den Wunsch, sich von den Stühlen zu erheben.

Georgios Kefalas/Keystone

Vor dem grossen Zampano der Schweizer Hitparade durfte Iyeoka mit Band das Publikum in ihren Bann ziehen. Die aus Boston Massachusetts stammende Apothekerin hat eine Stimme, die zwar an Amy Winehouse und Sade erinnern mag, mit ihrer Kraft und Souligkeit aber durchaus eigenständig daher kommt.

Satt und makellos dominiert sie ihre Band, die leider nicht immer mit der Qualität ihrer Frontfrau mithalten kann. Einmal misslingt ein Übergang, ein andermal groovt die Geschichte nicht ganz, wie sie sollte.

Doch Iyeoka hat viel zu erzählen und tut dies mit der betörenden Inbrunst, die ihr den Titelsong der US Show Fairly Legal mit «The Yellow Brick Road Song» eingebracht hat. Allerdings ist diese Intensität auf Dauer kaum auszuhalten. Man vermisst ab und an ein gehauchtes Wort, die leisen Töne, die danach ein erneutes Aufblättern der Stimme erlauben würden. Dabei ist ihre Ausstrahlung so herzerfrischend und sympathisch, man würde ihr alles abkaufen.

Genialer Liveperformer

In dieser Hinsicht den Dreh raus hat der Star des Abends, «Stress», Mainstream Hip-Hopper, achtfacher Swiss Music Award Gewinner und, wie Mr. Baloise Session Mathias Müller betonte: genialer Liveperformer. Kurz nach 21 Uhr stürmte Stress die Festivalbühne und heizte dem Publikum zusammen mit seinem Rap Comparsen M.A.M und der Sängerin Karolyn heftig ein. Keine zwei Minuten waren vergangen, da reckten die Gäste bereits ihre Hände in die Höhe und wippten rhythmisch mit.

Charmant forderte der Romand die Leute auf Deutsch mit Accent auf, sich von ihren Stühlen zu erheben denn: «Das war meine einzige Angst: Als mein Manager mich anrief und sagte, du spielst an der Baloise Session, aber die Leute sitzen.» Natürlich liess sich das Publikum nicht lumpen und erfüllte ihm seinen Wunsch.

Um es den Leuten etwas zu erleichtern, brachte er Frauenschwarm Bastian Baker mit, der plötzlich mitten aus dem Publikum auftauchte und kräftig mitsang. Genauso geschah es mit Noah Veraguth von Pegasus, der mit seiner beeindruckenden Stimme bei zwei Songs mittun durfte. Natürlich sind beide auch Gäste auf Stress' letzter Platte Noëls Room.

Doch irgendwie wirkten die ganzen Aktionen etwas hilflos statt dramaturgisch durchdacht, geschweige denn musikalisch. Bis zu diesem Zeitpunkt war das Ganze eher eine billige Partyanimation, denn ein ernst gemeintes Konzert.

Eine verdammt schnell Zunge

Glücklicherweise änderte sich das, je länger der Abend dauerte. Stress bewies, dass er halt wirklich ein sensationelles Händchen für eingängige Songs und eine verdammt schnelle Zunge hat. Auch die Band durfte endlich mehr auspacken, als ein monotones Bumbum und allmählich wurde aus der bemühten doch noch eine richtige Party.

Natürlich musste Stress noch die Damen im Saal auf die Bühne bitten, doch inzwischen war das gar nicht mehr peinlich. Und dann folgte ein Song, den er als «Tourlied» ankündigt, wobei diese Lieder meistens nicht die Intelligentesten seien. Was dann kam, war aber um Welten intelligenter als der ganze Schmäh, den er zu Anfang präsentiert hatte.

Der absolute Höhepunkt war dann das Schlussbouquet - die Zugabe, als Veraguth und Baker noch einmal zusammen auf die Bühne kommen und alle gemeinsam den Saal zum Kochen brachten. Vielleicht ist auf der Bühne angekommen, dass man das Publikum nicht unbedingt zwingen muss, Begeisterung zu zeigen, es geht auch über Verführung und gute Musik.