Die Wälder beider Basel sind Lebensraum für etwas 20 000 Tier- und Pflanzenarten. Für rund 500 000 Menschen bieten sie Erholungsraum und liefern nachhaltig den Rohstoff Holz. Doch die Grundlage für das Wachsen eines gesunden Waldes bildet der Boden. «Dort haben wir alarmierende Veränderungen festgestellt», sagt Ueli Meier vom Amt für Wald beider Basel.

Neben der mechanisch-physikalischen spielt auch die Belastung der Böden mit Luftschadstoffen eine Rolle. Die zentrale Erkenntnis lautet: «Der Wald leidet an der zu hohen Belastung mit Stickstoff», sagt Andrea von Känel, Amtsleiter des Lufthygieneamt beider Basel. Denn die führt zur Versauerung der Waldböden. «Dabei werden Nährstoffe ausgewaschen», sagt Sabine Braun, Leiterin Institut für angewandte Pflanzenbiologie. Bei Mangelernährung werden Bäume anfälliger für Krankheiten und Parasiten.

Ammoniak wegen Viehzucht

«Die Waldwirtschaft ist gezwungen, auf die zu hohen Stickstoffemissionen zu reagieren», fügt Meier hinzu. Vielerorts leidet der Wald nämlich unter schleichenden Veränderungen, die hauptsächlich vom Menschen verursacht sind. Gemäss Erkenntnissen des Lufthygieneamtes beider Basel stammt die Stickstoffbelastung nämlich aus zwei Quellen: «Zu zwei Dritteln ist es Ammoniak, das bei der intensiven Tierhaltung entsteht», erklärt Känel.

«Der an sich bekannte Düngeeffekt des Stickstoffes führt auch zu einer Veränderung in der Pflanzenwelt», erklärt Braun. Dieser erhöhte Stickstoffeintrag schädigt hingegen stickstoffempfindliche Ökosysteme. Dieser übermässige Eintrag führt zu schlecht verankerten Wurzeln, was die Nährstoffversorgung erschwert. Stickstoffliebende Pflanzen wie die Brombeere profitieren davon und breiten sich zu Lasten anderer Pflanzen stark aus.

Das restliche Drittel sind Stickoxide, die hauptsächlich vom Strassenverkehr stammen. «Höhere Temperaturen, weniger oder anders verteilte Niederschläge und damit auftretende Schadorganismen belasten das Ökosystem Wald zusätzlich», sagt Braun. Thematisch und ursächlich lassen sich also Stickstoffbelastung und Klimawandel nicht trennen.

Die interkantonale Waldbeobachtung identifiziert zudem auch Ozonbelastung und Holznutzung für Heizzwecke als Faktoren für die Waldgesundheit. «Das Ozon verursacht nicht nur sichtbare Schäden an den Blättern, sondern führt auch zu Wachstumsreduktionen», so Braun.

Weniger Fleisch verzehren

Was tun, wenn der Waldboden bereits schlecht mit Nährstoffen versorgt ist? Vor allem in der Landwirtschaft seien Massnahmen gegen die Stickstoffbelastung vorgesehen. «Bei bereits belasteten Böden kann die Waldwirtschaft ihre Tätigkeit anpassen», erklärt Meier. Dies sei indes meist Symptombekämpfung und bringe Zusatzkosten, die nicht die Verursacher tragen müssen, hiess es weiter. «Helfen würde auch, weniger Fleisch zu essen», sagt Meier. So würde man nämlich weniger davon produzieren und es fiele weit weniger Gülle an.