Steuerhinterziehung
Basler verstecken 685 Millionen Franken im Ausland

Dank dem automatischen Informationsaustausch flogen 319 Baslerinnen und Basler auf.

Leif Simonsen
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Insgesamt flossen der Basler Steuerbehörde dank internationalem Datenaustausch knapp zehn Millionen Franken zu.

Insgesamt flossen der Basler Steuerbehörde dank internationalem Datenaustausch knapp zehn Millionen Franken zu.

Bild: Alessandro Crinari / Keystone

Der automatische Informationsaustausch (AIA) macht es Steuerbetrügern schwer, ihr Vermögen im Ausland zu verstecken. Seit 2017 ist das AIA in Kraft. Dieses sieht vor, dass Informationen über ausländische Bankkonti von Schweizern direkt zur eidgenössischen Steuerverwaltung gelangen. Der Datensatz ist enorm: 2017 übermittelte der Bund allein Basel-Stadt 79'000 Meldungen – so viele Bankkonti hatten die Baslerinnen und Basler also insgesamt im Ausland. Die Basler Steuerverwaltung stellte daraufhin rund 900 Verdachtsfälle fest und eröffnete in 319 Fällen ein Nachbesteuerungsverfahren, wie aus einer gestern publizierten Medienmitteilung des Finanzdepartements hervorgeht.

Straflose Selbstanzeigen: Vermögen von rund einer Milliarde

Daraus resultierte fette Beute: Insgesamt stiess die Steuerbehörde auf Vermögen und Einkommen in der Höhe von 685,4 Millionen Franken. Marc Enz, der Stellvertretende Leiter der Steuerverwaltung Basel-Stadt, sagt, dass die immense Zahl relativiert werden müsse, da die Untersuchung zehn Jahre zurückreicht.

Ein Rechenbeispiel: Ein Konto, auf dem 200'000 Franken liegen, schlägt somit mit 2 Millionen Franken zu Buche, da jede Steuerperiode addiert werde. Insgesamt mussten die Baslerinnen und Basler aber 9,9 Millionen Franken Nachsteuern, Bussen oder Verzugszinsen bezahlen, welche auf die Steuerperiode 2020 zurückgehen. Allmählich zurückgehen hingegen die Steuererträge aus den Nachsteuerverfahren durch die straflosen Selbstanzeigen.

Das AIA umfasst lediglich Bankkonti

Dieses Instrument ermöglicht den Baslerinnen und Baslern seit zehn Jahren, eine Steuerhinterziehung vergangener Jahre zu melden, ohne dafür gebüsst zu werden. 2017 gingen bei der Basler Steuerverwaltung noch 1'700 Selbstanzeigen ein, diese Zahl sank jedoch kontinuierlich auf 208 im vergangenen Jahr. Trotz des Rückgangs wurden 2020 immerhin Vermögen sowie Einkommen von rund einer Milliarde Franken nachbesteuert.

Die Vermögenswerte setzten sich aus Bankkonti, Wertschriftendepots, Stiftungsvermögen und vor allem ausländischen Liegenschaften zusammen. Anzunehmen ist, dass die Baslerinnen und Basler noch einige undeklarierte Vermögenswerte im Ausland versteckt haben. Das AIA deckt nämlich keine Liegenschaften ab, sondern garantiert lediglich den Austausch von Bankkonto-Informationen.