Ausstellung

Schwimmer aufgepasst! Es befindet sich Kunst auf dem Rhein

Kunstprojekt "Water Yump" von Benedikt Wyss und Thomas Geiger

Das Teaserbild verspricht zumindest schon mal einiges.

Kunstprojekt "Water Yump" von Benedikt Wyss und Thomas Geiger

Die nächsten sechs Tage findet in Basel eine Ausstellung der besonderen Art statt – auf dem Rhein.

Der Rhein ist für vieles gut. Anschauen, Baden, Sport machen, auf Postkarte drucken. Auch in der Kunst hatte er das eine oder andere Mal schon seinen Auftritt. Nichts davon steht aber im Vergleich zu dem, was ihn kommenden Montag erwartet: Eine Brigade von Besuchern wird ihn mit Kunstwerken bevölkern und ihn fröhlich schwimmend in einen temporären Ausstellungsraum verwandeln.

«Water Yump» heisst das Projekt, initiert von Kurator Benedikt Wyss und ausgerichtet vom Lörracher Künstler Thomas Geiger. Gastgeber ist das Museum Tinguely – hier, im Solitude-Park, werden sich die Besucher der Vernissage am Montag auch treffen. Anders als bei einer üblichen Eröffnung wird aber nicht rumgestanden und Sunnereedli geknabbert, sondern sich schwimmfertig gemacht: Jeder Besucher kriegt ein Kunstwerk, das vom Rhein inspiriert ist und transportiert es den Rhein runter. Schwimmend, versteht sich.

Kunst ohne Künstler

Die elf involvierten Künstler sind dabei nicht anwesend, ebenso wenig wie ein Ausstellungsraum mit vier Wänden. Die Idee des Water Yumps beruht auf der Arbeit «Water Yam» (1962) des US-amerikanischen Künstlers George Brecht: Eine Box mit Kärtchen, auf denen «Scores» stehen, kleine Anweisungen, die der Betrachter ausführen soll.

Was darauf steht, ist gar nicht so wichtig, es geht ums Konzept: Alltägliches soll zum Ereignis werden. Kunst braucht weder Künstler noch Ausstellungsraum um Kunst zu sein. Sie braucht eigentlich nicht mal ein Kunstwerk. Viel wichtiger, ist das, was im Zusammentreffen mit dem Betrachter passiert und passieren kann. Diese Kunst wird durch den Besucher aktiviert, nicht durch die üblichen, kunstmarktgetriebenen Umstände.

Synchronschwimmer aufgepasst

Genau das soll jetzt also auch auf dem Rhein passieren. Ausgangspunkt ist zwar das Museum Tinguely – was danach im Rhein zwischen Besucher und Werk geschieht, ist jedoch komplett offen. Es sei denn, das Kunstwerk verlange nach einer gewissen Verhaltensweise. So wie die Arbeit des Costa Ricaners Sergio Rojas Chaves: Der Künstler hat von der Rostgans inspirierte Badekappen genäht, die sich die Besucher aufsetzen müssen. Ist man damit erst mal im Rhein, werden die Flugformationen dieser Wildgänse nachempfunden, beziehungsweise -geschwommen.

Der Basler Künstler Florian Graf hat eine ganz andere Auseinandersetzung gewählt: Er bietet Basels Kunstinstitutionen Werbeflächen auf einem schwimmenden Schild an. Die Französin Rafaela Lopez wiederum beschäftigt sich mit LSD, das 1938 in Basel synthetisiert wurde. «Es wird sehr körperlich», kommentiert Geiger ihren Beitrag.

Er versteht das Ganze als ein Ensemble, in dem die Besucher die Hauptakteure sind. Geiger geht es nicht um das Individuum, auch nicht um einzelne Stücke, sondern um das soziale Gefüge, das durch die Kunstwerke im Rhein entstehen wird.

Wer es am Montag nicht schafft, hat noch an fünf weiteren Tagen die Gelegenheit, sich ins Gefüge zu begeben: Sechsmal wird der «Water Yump» durchgeführt werden, danach kommen die Werke in den neuen Projektraum von Waldburger Wouters & ShanghART über der Cargobar. Dort werden sie trockengelegt und sind für zwei Wochen zu sehen – als wieder ganz zahme Ausstellungsobjekte.

«Water Yump» 9.-14. Juli, jeweils 17 Uhr. Treffpunkt beim Museum Tinguely.

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