Coronavirus
Schutzmasken sind die neuen Druckerpatronen

Der Onlineshop regio-handel.ch nutzt die Nachfrage nach Hygieneartikel mit altbekannten Methoden.

Christian Mensch
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Eine Ladung Schutzmasken für Unternehmen und Betriebe, die ab Montag wieder öffnen konnten. (Themenbild)

Eine Ladung Schutzmasken für Unternehmen und Betriebe, die ab Montag wieder öffnen konnten. (Themenbild)

KEYSTONE/ENNIO LEANZA

Eine Box mit fünfzig OP-Masken für 49.90 Franken steht im Angebot. Oder zehn Atemschutzmasken für 59.90 ohne Ventil für 69.90 Franken mit Ventil. Der neue Onlineshop regio-handel.ch ist exakt auf die aktuelle Bedürfnislage eingestellt. Desinfektionsmittel gibt es gleich literweise zum Preis von je 49.90 Franken zu kaufen.

Etwas schwieriger ist es, die Qualität des Angebots der gleichnamigen Birsfelder Firma zu prüfen. Die zunächst auf der Website abgebildete Atemschutzmaske hatte eine offensichtlich gefälschte Qualitätsdeklaration. Das Desinfektionsmittel, wie es angeboten wurde, stammte von einer Firma Cleanex, die mit dem abgebildeten Logo nicht identifizierbar ist.

Luz Simoni, der Geschäftsführer und Inhaber der Firma, sagt: «Was die Bilder betrifft, muss ich dies mit dem Webmaster besprechen.» Er gehe aber schon davon aus, «dass alles seine Richtigkeit hat». Einen Tag nach der Anfrage waren die Fotos verschwunden, beziehungsweise ersetzt.

«Beobachter» und «K-Tipp» hatten berichtet

Simoni verfügt über eine lange Erfahrung im Produktevertrieb. Über Jahre hinweg waren Druckerpatronen sein Geschäft, nun sind es coronabedingt die Hygieneartikel. Die Firmen, die nach immer gleicher Methode Druckerkartuschen vertrieben, waren zahlreich. Sie hiessen Swiss Print Group, Universal Print, Office Corners, Swiss Office Solutions, Europrinting oder Innova Print. Bei einigen der Gesellschaften war Simoni direkt involviert, bei anderen waren Partner oder sogar Nachahmer am Werk. Mit aggressivem und teilweise irreführendem Telefonmarketing wurde die Ware zwar meist günstig angeboten und war dennoch häufig den Preis nicht wert. Dies ist in verschiedenen Beiträgen von Konsumentenschutzpublikation von «K-Tipp» bis «Beobachter» nachzulesen.

Praktisch unverändert sind die Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) geblieben. Wer über die regio-handel.ch einkauft, hat etwa kein Gewähr, dass die angegebenen Preise auch tatsächlich verrechnet werden. Denn gemäss AGB können Preise «ohne vorherige Ankündigung geändert werden» und in Rechnung gestellt würden die «am Tag der Lieferung gültigen» Listenpreise. Die AGB wurden hastig umgeschrieben, sodass in einer Passage weiterhin von «Garantiefällen von Tonerkassetten» die Rede ist, obwohl solche gar nicht im Angebot von regio-handel.ch sind.

Schwerpunkt Belieferung «humanitärer Einrichtungen»

Bis zur Medienanfrage liess Simoni den Shop über die nach Oftringen verlegte Firma Regio Mauerwerk laufen. Seit der Medienanfrage ist im Impressum die Birsfeldner regio-handel.ch GmbH angeführt. Diese hiess bis Mitte März noch CompJur GmbH und gehörte der Basler Strafverteidigerin Susanne Marti und ihrem Mann.

Ziel der Firma war es einst, rechtliche Probleme im Bereich Internet und E-Commerce zu lösen, wie der weiterhin aktiven Website zu entnehmen ist. Nun bezweckt die Firma den «Import, Export und Handel mit persönlicher Schutzausrüstung, Spital-, Ärzte- und Apothekenbedarf». Ein Schwerpunkt, so heisst es, bilde die Belieferung «humanitärer Einrichtungen».