Coronavirus

Schulen in der Region mit viel Spielraum: Spuckschutz, Absperrbänder und Ritterburgen

Augenschein an der Sek De Wette: Das Reinigungspersonal putzt viel öfters.

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Die Baselbieter und Basler Primarschulen haben viel Freiraum bei der Ausgestaltung der Abstands- und Hygiene-Regeln – und sie wissen ihn zu nutzen. Eine Unschärfe gibt es bei den Distanzregeln für die Schulkinder untereinander.

Die Vorgaben sind klar – und doch wieder nicht. Zwei Meter Abstand müssen Lehrkräfte untereinander unbedingt einhalten. So schreibt es das Bundesamt für Gesundheit (BAG) vor. Aber schon bei den Distanzregeln, die für die Kinder definiert werden, gehen die Auslegungen auseinander.

Die Reinacher Primarschulen zum Beispiel teilen in einem Elternbrief mit: «Auch im Klassenzimmer achten wir darauf, dass die Kinder mit genügend Abstand zueinander sitzen, speziell in Kreissequenzen.» Schon wenige Kilometer weiter westlich nimmt man es lockerer mit dem Social Distancing. Die Allschwiler Primarschulen schreiben: «Der empfohlene Mindestabstand von zwei Metern gilt nicht für Kinder. Sie können ohne Einschränkung miteinander spielen, den Schulweg gemeinsam bestreiten und im Schulzimmer am gleichen Pult sitzen.»

Ja, was denn nun? Die bz hat nachgefragt. Oliver Sprecher, Gesamtschulleiter der Primarstufe Reinach: «Dass sich die Kinder innerhalb einer Klasse nahe kommen, können wir nicht unterbinden – nur schon aus Platzgründen. Es sitzen zum Beispiel nach wie vor zwei Kinder an einem Pult.» Man versuche jedoch zu vermeiden, dass sich die Klassen untereinander vermischen. «Alle klassenübergreifenden Angebote haben wir eingeschränkt. Ebenso gibt es eine Ein- und Auslaufzeit, gestaffelte Pausenzeiten und spezielle Zonen im Pausenhof.»

In Basel bauen Lehrer Mauern um ihr Pult

Martin Münch, Gesamtschulleiter der Primarschulen Allschwil, sagt: «Wir verzichten gleich ganz auf Vorgaben zur Distanzhaltung für die Kinder. Sie können sich normal bewegen, im Klassenzimmer, aber auch in den Pausenzonen.» Die Zwei-Meter-Regel sei für Kinder untereinander schlicht unrealistisch.
Die Lehrkräfte müssen sich jedoch vor den Kindern separieren.

Das Baselbieter Amt für Volksschulen schreibt für den Neustart des Präsenzunterrichts, neben zahlreichen anderen Regeln zu Abstand und Hygiene, «persönliche Schutzzonen» vor. Im Binninger Konzept gibt es eine Art Bastelanleitung für Lehrerreservate: «Mit Klebeband am Boden Linie auf ein Meter Abstand zum Lehrerpult». Im Laufner Schutzkonzept heisst es, es stünden Absperrbänder zur Verfügung – ebenso Plexiglaswände und Helme mit Gesichtsschutz.

Auch Basel-Stadt überliess den Schulen viel Freiheiten bei der Ausformulierung der Regeln. Bildungsdirektor Conradin Cramer berichtete bei der Schulbesichtigung bei Wieder-Schulbeginn am Montag von einer speziellen Schutzzone, die er in der Primarschule Schorenweg gesehen habe: «Dort haben die Lehrer einer Klasse eine Ritterburg aus Karton um ihren Schreibtisch herum gebaut. Wenn ein Schulkind sie sprechen wollte, konnte es sich anmelden und dann einzeln die Burg betreten.»

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