Autofrei
Schneller, unkomplizierter und günstiger: Lörrach zeigt Basel, wie es geht

Seit 2005 fordert ein Anzug im Grossen Rat versenkbare Poller für die Basler Innenstadt. Ein Pilotprojekt soll Ende 2014 umgesetzt werden. Lörrach zeigt, dass es auch schneller geht. Innerhalb eines Jahres einigte man sich auf neun Polleranlagen.

Peter Schenk
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So wird Lörrach in diesem Herbst die Eingänge zur Fussgängerzone regulieren. Vorgesehen sind insgesamt neun Polleranlagen.

So wird Lörrach in diesem Herbst die Eingänge zur Fussgängerzone regulieren. Vorgesehen sind insgesamt neun Polleranlagen.

Visualisierung/Stadt Lörrach

Vor bald zehn Jahren forderte erstmals ein Anzug im Grossen Rat versenkbare Poller für die Basler Innenstadt. Der Vorstoss wurde zwar vier Mal stehen gelassen, passiert ist aber bisher nichts. Auch die ursprünglich für Anfang 2014 angekündigte Pilotanlage am Spalenberg lässt weiter auf sich warten (siehe Kasten rechts).

Dass es auch anders geht, beweist Basels südbadische Nachbarstadt Lörrach. Bis Ende September sollen neun Eingänge zum Kernbereich der Fussgängerzone mit versenkbaren Polleranlagen ausgestattet werden. Gedauert habe der Entscheidungsfindungsprozess dafür ein Jahr, erklärt Jürgen Nef, Fachbereichsleiter Strassen, Verkehr, Sicherheit. Er fährt fort: «Wir wollen dadurch die Lieferzeiten begrenzen, die Innenstadtzone vor unbefugten Einfahrten schützen, und die Aufenthaltsqualität für Besucher und Kunden verbessern.»

Die Poller waren im November 2013 vom gesamten Stadtparlament bei nur zwei Enthaltungen beschlossen worden. Ende Juli wollten die Freien Wähler die Einführung des Systems zwar auf einmal bis Ende 2015 zurückstellen, konnten sich damit aber im Parlament nicht durchsetzen. Die Detailhändler wurden bereits im Vorfeld über die Veränderungen informiert und zeigten sich einverstanden.

Anlieferzeiten werktags verlängert

Die Zeiten für Anlieferungen werden gleichzeitig unter der Woche am Morgen um eine halbe Stunde von 5 Uhr bis 10.30 Uhr verlängert. Am besucherstarken Samstag, an dem auch viele Schweizer in der Stadt sind, darf dafür nur noch bis 9.30 Uhr geliefert werden; also eine halbe Stunde kürzer als vorher. Am Abend liegen die Anlieferzeiten für die Innenstadtzone an den sechs Tagen jeweils von 18 bis 21 Uhr.

Wem das immer noch nicht reicht, der kann für den Vormittag für jährlich 300 Euro eine weitere Stunde Lieferzeit oder für den Spätnachmittag für 600 Euro zwei weitere Stunden Anlieferung beantragen. Nef kündigt dafür allerdings «akribische Prüfungen» an. Er erhofft sich so insbesondere für die Zeit von 12 bis 16 Uhr eine so gut wie autofreie Innenstadt. Für Notfälle, Krankentransporte und Handwerker gelten Ausnahmen.

Viel billiger als in Basel

Die Bauarbeiten für das Projekt werden Ende August beginnen. Die Kosten dafür betragen knapp 145 000 Euro, also umgerechnet rund 180 000 Franken. Ein versenkbarer Poller, von denen neben den wesentlich billigeren fixen, zehn oder elf geplant sind, kommt auf 10 000 Euro zu stehen. Warum in Basel allein der Pilotversuch am Spalenberg mit 300 000 Franken erheblich teurer ist als das gesamte Lörracher Innenstadtvorhaben, vermag auch Nef nicht zu erklären.

Romeo Di Nucci, beim Basler Amt für Mobilität Projektleiter für die Umsetzung des Verkehrskonzepts Innenstadt, führt dies darauf zurück, dass die Kosten des Pilotprojekts alles, also auch die Verlegung von Werkleitungen, Projektierung und Nachbearbeitung beinhalten.

Sorgen vor Unfällen mit den Pollern macht man sich in Lörrach nicht – auch wenn man dies natürlich nicht ausschliessen könne. «Die Poller bewegen sich erst wieder nach oben, wenn die Autos darüber gefahren sind», argumentiert Nef.

Poller auch schon in Liestal

Lörrach hat die Zufahrt zum Campus Rosenfels, einem Zentrum für weiterführende Schulen, wo sich auch Wohnhäuser befinden, bereits seit einem halben Jahr mit beweglichen Pollern geregelt. «Wir haben damit bisher gute Erfahrungen gemacht», so Nef.

Im Raum Basel hat auch Liestal seit Mitte Juni einen beweglichen Poller aufgestellt. Er befindet sich unmittelbar vor dem oberen Stadttor und kann mithilfe eines Funksignals versenkt werden.

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