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Schwyzer Narren, vorwärts Marsch

Martina Rutschmann
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Trotz Corona feierte Einsiedeln am Montag seine Fasnacht.

Trotz Corona feierte Einsiedeln am Montag seine Fasnacht.

Bild: Leser Markus Liebich / Aargauer Zeitung

Es ist so ungerecht! Seit Tagen hacken alle wie die Irren auf den Einsiedlern herum. Dabei haben die Narren dort nur getan, was nach Monaten der Dunkelheit und Kälte dringend nötig war: Mit ihren pelzigen Gewändern und aufgesperrten Augen haben sie dem Winter einen derartigen Schrecken eingejagt, dass dieser das Land fluchtartig verliess und dem Frühling Platz machte. Wem sonst habt Ihr zu verdanken, dass Ihr im T-Shirt in der Sonne hocken könnt? Voilà! Aber die Restschweizer haben den Sinn für Traditionen verloren. Hörig, wie sie sind, würden für immer auf die Sonne verzichten, um Berset zu gefallen.

Da sind mir die Einsiedler lieber. Voller Ehrfurcht vor dem Berg, der ihre Sicht seit jeher trübt, lassen sie sich ihren Fasnachtsbrauch nicht vermiesen. Ungeachtet der Weltlage vertreiben sie seit Jahrhunderten böse Geister und den Winter. Pest, Cholera, Corona. Der Einsiedler überlebt alles. Er ist aus währschaftem Holz geschnitzt, ein richtiger Schwyzer eben. In ihm schlägt noch das Herz des stolzen Neandertalers. Und dieser, so konnten wir jüngst lesen, lacht müde, wenn er von Impfungen und dergleichen hört. Laut einer Studie schützt das Gen des Neandertalers nämlich vor einem schweren Covid-Verlauf. Und wer sollte dieses Gen in sich tragen, wenn nicht die Einwohner einer Stadt, die jegliche Entwicklung scheut? Wir lassen uns nicht länger in unseren Höhlen einsperren, hallte es durch die Gassen. Und dann zogen Horden los, den Winter mit Faustkeilen und Steinschleudern zu vertreiben. Sogar ein Politiker aus Bern war dabei, denn dieses Bern, das schikaniert uns schon viel zu lange, und wofür, wenn wir während einer Pandemie nicht mal feiern dürfen?

Was bedeutet das für Basel? Sollen wir uns die Urschweizer Narren zum Vorbild nehmen, und «yschtoo», als wären auch wir aus Neandertaler-Holz geschnitzt? Wie gern würde ich dazu raten, die Trommel zu entstauben und die Larve aus dem Keller zu holen. Doch es gibt einen Haken. Es ist zu warm für Fasnacht! Wer will schon bei 20 Grad in einer Ganzkörperverhüllung durch die Strassen ziehen und den Hitzetod riskieren? Und wem haben wir dieses Sauwetter zu verdanken? Den Aufmüpfigen mit den Fratzen! Vielen Dank!